Gastronomen froh über Entlastung - billiger wird's für Gäste aber kaum
7 statt 19 Prozent Steuer auf Speisen
- Kreis Olpe, 08.01.2026
- Wirtschaft , Verschiedenes
- Von Jana Becker
Kreis Olpe. „Dringend gebraucht“ und eine „gewaltige finanzielle Entlastung“ – so bezeichnet Lars Martin vom Hotel- und Gaststättenverband die gesenkte Mehrwertsteuer für Restaurants. Was sagen die heimischen Gastronomen dazu? Und wird der Restaurantbesuch jetzt für Gäste billiger?




Seit 1. Januar 2026 gilt in Restaurants auf vor Ort verzehrte Speisen wieder eine Mehrwertsteuer von sieben Prozent (vorher: 19 Prozent). Die niedrige Steuer galt wegen Corona-Pandemie und hoher Inflation von 2021 bis 2023 schon einmal. Die Wiedereinführung der 19-Prozent-Besteuerung ab 2024 brachte viele Gastronomen – auch im Kreis Olpe –in finanzielle Schwierigkeiten (LokalPlus berichtete).
„Das hat die Branche dringend gebraucht“, beurteilt Lars Martin, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Westfalen (DEHOGA), die Steuersenkung. Der Verband hat sich seit langem für die Steuersenkung eingesetzt.

„Überall, im Supermarkt, im Imbiss, sind Lebensmittel mit sieben Prozent versteuert.“ Eine schöne Anrichtung und das Servieren auf einem Teller würden die zwölf Prozentpunkte mehr nicht rechtfertigen, so Lars Martin. „Das schlägt einfach über die Stränge und ist nicht nachvollziehbar.“
Das Gastgewerbe habe während der Corona-Zeit stark gelitten. Steigende Personalkosten und explodierende Warenpreise sorgen dafür, dass die Umsätze nicht nur stagnieren, sondern sogar zurückgegangen sind. Die Steuersenkung bedeute deshalb für die Gastronomen eine „gewaltige finanzielle Entlastung“.
„Das Geld geht nicht eins zu eins in die Tasche der Gastronomen, vielmehr haben sie nun endlich eine realistische Chance, die schwarze Null zu erreichen“, erklärt Lars Martin.

Billiger wird der Restaurantbesuch für die Gäste wahrscheinlich nicht. Wer immer haargenau kalkuliert habe und preislich stets aktuell geblieben sei, der könne die Steuersenkung für die Gäste auf der Speisekarte sichtbar machen, so Martin. Das sei aber vor allem bei Restaurant- und Fast-Food-Ketten der Fall.
„Das Geld geht nicht eins zu eins in die Tasche der Gastronomen, vielmehr haben sie nun endlich eine realistische Chance, die schwarze Null zu erreichen”
Allerdings: „Die meisten Gastronomen haben die Preise nie realistisch an ihre Gäste weitergegeben, aus Angst, dass keiner mehr kommt“, weiß Lars Martin. Von der Steuersenkung profitieren deshalb jetzt auch die kleinen Betriebe. „In den wenigsten Fällen wird sich damit bereichert. Es ist ein Kampf ums Überleben.“

Oliver Mester, Betreiber des Gasthauses Mester in Oedingen, findet, dass die Mehrwertsteuersenkung grundsätzlich „eine gute Sache“ ist. Aber: „Sie hilft zwar gegen die steigenden Betriebskosten, deckt diese aber bei weitem nicht ab.“
Billiger werden die Gerichte im Gasthaus deshalb nicht. Denn auch die Bierpreise sind gestiegen und Getränke weiterhin mit 19 Prozent versteuert. Teurer solle es aber auch nicht werden: „Wir wollen die Preise moderat halten. Wir können nicht immer alles erhöhen, sonst kommt ja gar keiner mehr.“
Aber Mester weiß auch, dass sich diese Einstellung nicht alle Gastronomen leisten können. Denn er betreibt den Gasthof als Nebenerwerb, seine Existenz ist davon nicht abhängig. Seine Erkenntnis: „Die Gastronomie ein schwieriges Geschäft geworden.“

Das kann Andreas Cordes bestätigen. Seit mehr als 45 Jahren ist er in der Gastronomie tätig, heute betreibt er das Ambiente am Markt in Altenhundem. In den vielen Jahren habe er alles erlebt, Höhen und Tiefen, aber die aktuelle Entwicklung bereite ihm Sorgen.
„Corona hat uns alles abverlangt. Es gab zwar viele Hilfen, aber das meiste muss jetzt zurückgezahlt werden“, erklärt Andreas Cordes. Steigende Kosten führen dazu, dass die Erträglichkeit abnehme. Kleine Betriebe fänden keine Nachfolger. Überleben könne nur, wer stark und flexibel sei. „Da rollt eine beispiellose Insolvenzwelle auf uns zu“, äußert er sich besorgt.
Und wie findet er die Mehrwertsteuersenkung? „Das tut gut und fängt vieles auf. Aber wirklich besser geht es der Gastronomie damit nicht. Unterm Strich ändert sich nichts.“
„Da rollt eine beispiellose Insolvenzwelle auf uns zu”
Andreas Cordes ist es wichtig, das Bewusstsein der Menschen und der Gäste zu schärfen. Dass die Gastronomen die Steuersenkung nicht an die Gäste weitergeben, liege nicht daran, dass sie sich selbst bereichern wollen. Vielmehr wandle man „auf Messers Schneide“ und müsste die Preise sogar eher erhöhen.
„Ich möchte nicht jammern oder Hiobsbotschaften verkündet. Ich liebe den Job und mache ihn wirklich gern. Aber trotzdem muss man sich irgendwann fragen, ob und wie man das noch bezahlen soll.“
