Foto-Update zu „Wir sind sprachlos“: Kita-Protest gegen KiBiz-Entwurf
Kitas im Kreisgebiet und darüber hinaus schweigen
- Kreis Olpe, 12.04.2026
- Verschiedenes
- Von Kerstin Sauer
Kreis Olpe / Elspe. In den NRW-Kitas herrscht Sprachlosigkeit angesichts des vorliegenden KiBiz-Entwurfes. Mit einer Protestaktion möchten die katholischen Kindertageseinrichtungen auf die Missstände im Kinderbildungsgesetz aufmerksam machen – nicht lautstark, sondern leise. So wie am Mittwoch, 25. März, im Kindergarten „Die Arche“ in Elspe, und seitdem viele Kitas im Kreis Olpe und darüber hinaus.


Dort, wo sonst laute Kinderstimmen und fröhliches Lachen durch die Räume schallt, ist es heute leise. Schweigend begegnen die Mitarbeiter der „Arche“ Elspe den Plänen der NRW-Landesregierung, sind sprachlos angesichts der Pläne und Vorhaben. Fundierte Kita-Arbeit auf dieser Basis – wie soll das gehen?





Nachdem das System der katholischen Kindertageseinrichtungen bisher oft auf laute und kreative Art auf Missstände beim KiBiz aufmerksam gemacht hatte, wird es nun still um die Kitas. Die Mitarbeitervertretungen und Träger der katholischen Kindertageseinrichtungen im Erzbistum hatten alle Kita-Teams und Eltern zu einer Beteiligung an einer Kampagnenwoche eingeladen.
Im Foyer der Elsper Arche haben sich am Mittwoch, 25. März, neben den Mitarbeitern auch Eltern und ein paar Kinder versammelt. Gemeinsam wollen sie ein Zeichen setzen – so wie viele Kitas es in den kommenden Tagen machen werden.



„Wir haben lange laut protestiert. Heute schweigen wir, weil wir sprachlos sind angesichts des im Landtag befindlichen Gesetzentwurfes für das überarbeitete Kinderbildungsgesetz“, eröffnet Leiterin Petra Grawinkel die Aktion.
Auf einer großen Stellwand sind verschiedene Plakate ausgestellt, die jetzt nach und nach von einigen Mitarbeitern vorgestellt werden. Mit den Plakaten symbolisieren die Mitarbeiter ihre Sprachlosigkeit.
Nacheinander nehmen sie einzelne Aspekte des Gesetzesentwurfes unter die Lupe: die Sparmaßnahmen und die sogenannten „Randzeiten“, die jährlichen Kostensteigerungen und den Einsatz von Fachkräften. „Die pädagogische Arbeit leidet“, sagt eine Mitarbeiterin, während eine andere fragt: „Wie sollen wir noch Bindung und Vertrauen zum Kind aufbauen?“
Petra Grawinkel wird deutlich: „Die erste katholische Kita im HSK musste schließen. Wenn sich nichts ändert, wird es schwierig, Eltern und Kindern eine Kita in der Nähe anzubieten.“
So wie in Elspe werden in den nächsten Tagen noch viele Kitas schweigend protestieren. Damit fordern sie
- eine gute Bindung statt wechselnden Personals,
- Zeit für Gespräche,
- Kitas in der Nähe,
- Bildung statt nur Betreuung,
- eine Finanzierung, die die wirklichen Kosten abdeckt.
Eure Kita nimmt auch am schweigenden Protest teil? Dann schickt uns ein Foto von eurer sprachlosen Aktion an info@lokalplus.nrw mit dem Stichwort „Kita-Protest“, das wir dann gerne in diesen Artikel einfügen.
Wünsche einer Kita-Leiterin
Zur Protestaktion im Kindergarten St. Josef Saalhausen schreibt Leiterin Vanessa Frankenthal:
„Ich wünsche mir ein KiBiz, das die Kinder in den Mittelpunkt stellt - nicht als Zahlen in einem System, sondern als kleine Menschen mit großen Gefühlen und eigenen Geschichten. Ein KiBiz, das ihnen Zeit schenkt: Zeit zum Spielen, Entdecken und Wachsen. Zeit, Kindsein zu dürfen, mit allen Bedürfnissen.
Ich wünsche mir Rahmenbedingungen, die es uns ermöglichen, jedes Kind einzeln zu sehen - mit all seinen Stärken, Bedürfnissen uns Besonderheiten, weniger Druck und dafür mehr Vertrauen. Weniger Vorgaben, mehr pädagogische Freiheit.
Für meine Fachkräfte wünsche ich mir mehr Wertschätzung, die spürbar ist - nicht nur in Worten, sondern auch gute Arbeitsbedingungen. Genug Personal, nicht nur, um den Alltag zu überleben, sondern ihn bewusst gestalten zu können. Zeit für Austausch und Reflexion, denn nur wer sich gesehen und wertgeschätzt fühlt, kann das an andere Menschen weitergeben und für andere da sein.
Und ich wünsche mir nicht nur für meine Einrichtung, sondern für alle Einrichtungen da draußen, dass wir nie vergessen, warum wir diesen Beruf gewählt haben: für die Kinder. Für ihr Lachen. Für unsere Zukunft!“
