Expertin gibt Tipps für den Kampf mit und gegen Allergien

LP-Serie: Ernährung bunt und gesund


  • Kreis Olpe, 23.05.2021
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  • Von Kerstin Sauer
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Im Frühling blühen nicht nur die Blumen, sondern auch viele Allergien. Welchen Einfluss die Ernährung darauf hat, erklärt Ernährungsberaterin Corinna Wiffel im Gespräch mit LokalPlus. von pixabay
Im Frühling blühen nicht nur die Blumen, sondern auch viele Allergien. Welchen Einfluss die Ernährung darauf hat, erklärt Ernährungsberaterin Corinna Wiffel im Gespräch mit LokalPlus. © pixabay

Kreis Olpe/Repe. Hat meine Ernährung Einfluss auf meine Allergien? Eindeutig ja, sagt Ernährungsberaterin Corinna Wiffel im zweiten Teil des großen LokalPlus-Interviews. Und berichtet, dass die Corona-Pandemie auch unsere Ernährung beeinflusst hat.


Im Frühjahr blühen nicht nur die Blumen, sondern auch die Allergien: Welche Tipps haben Sie für Betroffene?

Fast jeder zweite von Heuschnupfen Betroffene reagiert mit einer Kreuzallergie, also überempfindlich auf Lebensmittel, die botanisch eng mit der für ihn problematischen Pollenart verwandt ist. Die bekanntesten Kreuzallergien sind folgende:

  • Birkenpollen – Stein- und Kernobst, z.B. Pflaumen und Äpfel.
  • Gräserpollen – Hülsenfrüchte und Getreideprodukte
  • Kräuterpollen - Tomaten, Sellerie und Artisch

Wer also weiß, dass er z. B. auf Birkenpollen allergisch reagiert, tut sich selbst etwas Gutes, wenn er zusätzlich auf Stein- und Kernobst verzichtet. Vor allem in der Birkenpollen-Hochsaison. Wer Probleme mit Kräuterpollen hat, lässt in der Blütezeit besser die Tomaten weg.

Histamine - was ist das denn?

Und wie sieht es mit den anderen Allergien aus, beispielsweise Histamintoleranz?

Das Histamin, das an sich ein unbedenklicher körpereigener Stoff ist, bei z.B. Heuschnupfen oder anderen Allergien aber irrtümlicherweise ohnehin schon zu stark vom Körper gebildet wird, kann die Symptome beeinflussen. Vereinfacht ausgedrückt können Allergiker die im Körper befindliche Histaminmenge aktiv steuern, zumindest das zusätzlich über die Nahrung aufgenommene. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Histaminreiche Lebensmittel vermeiden, z.B. Wein, Weizenbier, Sekt, Essig, geräucherte Makrelen, Sardinen, Sardellen, Thunfisch, Sauerkraut, Spinat, Avocado, Bergkäse, Brie, Parmesan oder Tilsiter.
  2. Lebensmittel, die zwar selbst wenig Histamin enthalten, aber die Bildung von Histamin im Darm anregen, z.B. Ananas, Erdbeeren, Kiwi, Orangen, Schokolade, Erd-, Hasel-, Walnüsse sowie Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker (Glutamat) und Farb- und Konservierungsstoffe.
Wenn die Milch ärgert...

Immer öfter hört man auch von Lactoseintoleranz oder Fructosemalabsorption – was ist das?

Bei einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) lösen Milch und Milchprodukte bzw. deren Inhaltsstoffe die Beschwerden aus. Das Prinzip der Ernährungstherapie besteht in der Einschränkung bzw. Verzicht beim Verzehr von Milch und Milchprodukten sowie von Lebensmitteln, die solche enthalten.

Bei der Fructosemalabsorption (gestörte Aufnahme der Fruktose im Darm) wird Fructose nicht im Dünndarm in den Blutkreislauf aufgenommen, sondern gelangt bis in den Dickdarm, wo Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen und Durchfall ausgelöst werden. Durch eine zeitliche befristete, mäßige Einschränkung von Fructose kann der Symptomatik entgegengewirkt werden.

Die richtige Ernährung für alle drei Intoleranzen ist: gesund und vollwertig. Für alle Unverträglichkeiten gilt: Eine individuelle Ernährungstherapie hilft Fragen zu beantworten. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten in der Regel die Beratungskosten anteilig.

Smoothies aus Früchten - ein bunter Traum. Aber nicht für Menschen, die auf Fructose reagieren. von pixabay
Smoothies aus Früchten - ein bunter Traum. Aber nicht für Menschen, die auf Fructose reagieren. © pixabay

Hat sich in der Zeit der Pandemie die Ernährung der Menschen verändert hat und haben Sie Tipps gegen „Corona- Pfunde“?

Die Corona-Pandemie stellt den Alltag vieler Menschen auf den Kopf - und das macht sich auch bei der Ernährung bemerkbar: Chips und Limo statt ein warmes Mittagessen in der Schule oder Kantine, regelmäßig Nudeln mit Pesto aus dem Glas, weil neben der Kinderbetreuung wenig Zeit bleibt. Es gibt aber auch genau den Gegensatz: Familien, die im Lockdown mehr Obst, Gemüse und frisch Gekochtes statt Currywurst und Pommes in der Kantine essen.

Nach der repräsentativen Umfrage unter rund 1.000 Familien hatten gut ein Viertel aller Eltern und neun Prozent der unter 14-Jährigen im Laufe der Pandemie an Gewicht zugelegt. Die Menschen hocken mehr zu Hause rum. Sie bewegen sich zum Teil weniger und snacken mehr, der Konsum von Alkohol und Fast Food hat drastisch zugenommen.

Zu wenig Bewegung als Turbo für Gewichtszunahme

Hinzu kommt die mangelnde Bewegung, wegen ausgefallenem Vereinssport oder geschlossener Fitnessstudios. Mangelnde Bewegung ist eine Art Turbo für die Gewichtszunahme. Denn je mehr Muskulatur man hat, desto mehr Kalorien verbrennt man über den Tag automatisch. Zu wenig Muskulatur, zu viel Kalorienzufuhr - das ist bei vielen das Problem, das zu den zusätzlichen Corona-Kilos geführt hat.

Ich empfehle ein Ernährungsprotokoll zu führen. Damit wird man in Bezug auf das eigene Ess- und Trinkverhalten sensibilisiert und hat zudem einen wunderbaren Nebeneffekt: Die ersten Pfunde verschwinden oft von allein. Auch eine Ernährungsberatung kann helfen.

Übrigens: Corinna Wiffel hat eine Broschüre „Gesundes Grillen mit Genuss“ mit Tipps und Rezepten entworfen. Mehr dazu unter:

So geht's weiter

In der nächsten Folge unserer Serie „Ernährung: bunt und gesund“ stellen wir euch Anita Jung aus Langenei vor. Sie arbeitet beim Langeneier Gemüse-Kollektiv mit und erklärt den Weg in die Selbstversorgung


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