„Es gibt gefährliche Situationen – davor muss ich die Mitarbeiter schützen“
LP-Thementag Sicherheit - Lennestädter Ordnungsamt
- Kreis Olpe, 08.03.2026
- Verschiedenes
- Von Kerstin Sauer
Lennestadt. Safety first – auch in Lennestadt: Um in Zeiten wie diesen die eigenen Mitarbeiter besser zu schützen und zu rüsten, stockt die Stadt Lennestadt nicht nur das Ordnungsamt um zwei zusätzliche Stellen auf, sondern rüstet die Mitarbeiter dort auch mit Schutzkleidung aus. Dringend notwendig, wie Bürgermeister Tobias Puspas im Gespräch mit LokalPlus betont.


Dass das Lennestädter Ordnungsamt um zwei Stellen verstärkt wird, war schon lange der Wunsch des Bürgermeisters. Er erklärt: „In großen Städten wie Köln gibt es neben den Sachbearbeitern im Ordnungsamt, die für die reine Büroarbeit zuständig sind, außerdem den kommunalen Ordnungsdienst für Einsätze draußen.“ Anders ist es in kleineren Kommunen wie Lennestadt: Dort gibt es die Sachbearbeitung Ordnungsamt – Mitarbeiter, die im Büro arbeiten sollten. Wenn aber „draußen“ etwas ansteht, müssen sie raus. Egal, zu welchem Einsatz.
Und hier ist der Knackpunkt, wie Tobias Puspas sagt: Schon lange gehe es nicht mehr nur um die Parkraumüberwachung: „Die Situation auf der Straße hat sich verändert. Unsere Mitarbeiter bringen Obdachlose zu ihren Unterkünften, sind bei Großveranstaltungen zugegen und werden zu Ruhestörungen gerufen.“





Einsätze, die eigentlich nicht die Aufgabe der Sachbearbeiter sein sollten. Aber sind das denn nicht Aufgaben der Polizei? „Nein“, stellt Tobias Puspas klar, „Unterstützung bei Ruhestörungen beispielsweise sind Aufgaben, die die Polizei zwar derzeit noch wahrnimmt, für die aber die Ordnungsbehörde einer Kommune zuständig ist.“
Immer öfter, so der Bürgermeister, gebe es Fragen und Kritik aus der Bürgerschaft: Die einen fühlen sich nicht mehr sicher, die anderen trauen sich nicht mehr durch die Unterführung. Und da, so betont Lennestadts erster Bürger, „müssen wir mehr tun: Gefahrenabwehr ist die originäre Aufgabe der Ordnungsbehörde. Und daher stellen wir Personal ein, das in den größeren Orten Streife laufen oder Einsätze fahren kann.“ Präsenz zeigen – das sollen diese Mitarbeiter, die „draußen“ unterwegs sind, in Zukunft. Auf Schützenfesten, beim Karneval, bei anderen Veranstaltungen.
„Zunehmend wird von Eskalationen berichtet.”
Die Anzahl der Einsätze nimmt zu – und die Art der Einsätze wird immer gefährlicher. Das bestätigt auch Lennestadts Bürgermeister: „Zunehmend wird von Eskalationen berichtet. Früher wurden diese Aufgaben von der Polizei wahrgenommen, jetzt von den Kollegen aus dem Ordnungsamt.“
Ein weiterer Aspekt ist die Psychiatrie, die seit einiger Zeit im St.-Josefs-Hospital Altenhundem untergebracht ist. Puspas: „Zwangseinweisungen, die von Mitarbeitern des Ordnungssamtes begleitet werden, gehen deutlich in die Höhe – Situationen, die Gefahren mit sich bringen.“ So habe es auch mal Bedrohungen mit dem Messer gegeben. Aber, so betont der Tobias Puspas: „Solche Einsätze gibt es immer mal wieder, sind aber nicht an der Tagesordnung.“
Im vergangenen Jahr habe er die Aufgaben des Ordnungsamtes von einer Fachkraft für Sicherheit bewerten lassen. Hintergrund war die Frage, ob man die Kollegen für ihre Außeneinsätze besser ausrüsten müsse. Eindeutige Antwort der Bewertung: Ja. Puspas: „Es gibt gefährliche Situationen, und davor muss ich meine Mitarbeiter schützen.“

Zogen sich die Mitarbeiter des Ordnungsamtes bei Außeneinsätzen früher einfache Leibchen über, so sind die Außendienstler heute mit Schutzwesten ausgestattet. Damit nicht genug: Zum Schutz der Kollegen setzt die Stadt Lennestadt auch auf die enge Zusammenarbeit mit der Polizei.
Als „perfekt“ lobt Puspas dieses Miteinander: „Das sind sogenannte Ordnungspartnerschaften. Wir besprechen uns z.B. vor Veranstaltungen.“ Dabei können die Mitarbeiter der Stadtverwaltung viel von den Kollegen der Polizei lernen, bei gemeinsamen Fortbildungen wird beispielsweise die Kommunikation geschult. „Eine gute Kommunikation ist das A und O, um aus gefährlichen Situationen herauszukommen.“

Zahlreiche Schritte und Entscheidungen, die nur ein Ziel haben: die Mitarbeiter des Ordnungsamtes zu schützen.
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