Eintauchen in den größten Schmerz und die tiefste Dunkelheit des Lebens
Trauerverarbeitung nach Verlust
- Kreis Olpe, 15.11.2023
- Verschiedenes
- Von Annette Schmelzer
Kreis Olpe. Der November gilt als der Trauer-Monat: Die Tage werden kürzer, die Dunkelheit übernimmt das Kommando, stille Feiertage stehen im Kalender. Auch LokalPus möchte diesem Monat eine besondere Serie widmen und sich dem Thema Trauer von verschiedenen Seiten nähern. Heute geht es um die Frage: Was bedeutet Trauerverarbeitung und wann ist eine Trauerbegleitung sinnvoll?


Einen geliebten Menschen zu verlieren, bedeutet einzutauchen in den größten Schmerz und die tiefste Dunkelheit des Lebens und es braucht eine Zeit der Trauer, um das Geschehene zu verarbeiten.





In der ersten Zeit nach einem Verlust fühlen sich Betroffenen oft wie betäubt. Sie befinden sich in einer Art von Starre und sind unfähig, ihre Alltagsaufgaben zu bewältigen. In der zweiten Phase brechen Emotionen wie Wut, Angst, Hilflosigkeit und Sehnsucht nach der verstorbenen Person auf. Der Trauerschmerz wird aktiv erfahren.
In Phase drei sind Hinterbliebene oft verzweifelt und empfinden sich als Opfer der Umstände. Erst in Phase vier kommt es zu einer Neuorientierung in einer Welt ohne den Verstorbenen. Phase fünf umschließt die Akzeptanz und die Zustimmung zu der Situation.
Doch wie lange darf ein solcher Zustand dauern? Trauer ist ein emotionales und komplexes Phänomen, für das es keine Regeln gibt. Verbessert sich der Zustand des Hinterbliebenen über Jahre hinaus nicht, kann eine professionelle Unterstützung hilfreich sein.

Dies kann in Form einer Trauerbegleitung oder, besonders bei traumatischen Erlebnissen, durch einen erfahrenen Psychologen oder Psychotherapeuten erfolgen. Die Trauer gilt als bewältigt, wenn der Hinterbliebene die Herausforderungen seines Lebens meistern und wieder Freude empfinden kann.
Über das Thema Trauer und Trauerverarbeitung hat LP mit dem Lennestädter Pfarrer Markus Leber gesprochen:
Wie stehen Sie persönlich dem Thema Trauer gegenüber?

„Neben meinen ganz persönlichen Erfahrungen gehört das Thema Trauer zu unserem „Täglich Brot“ indem wir zu Sterbenden gerufen werden und Beerdigungen durchführen. Wobei es ein Unterschied ist, ob man selbst im familiären oder freundschaftlichen Bereich betroffen ist oder ob man als Priester „nur“ begleitet.“
Mit welcher inneren Haltung begegnen Sie den Trauernden als Pfarrer?

„Das hat mit Professionalität zu tun. Während man vor 25 Jahren noch mit klopfendem Herzen vor der Tür stand, versuche ich heute, mich auf die Hinterbliebenen einzustellen und ihnen mit einer wertschätzenden Offenheit zu begegnen. Einfach nur reden kann da sehr trostvoll sein. Es werden auch schöne Geschichten erzählt; Lachen und Weinen liegen oft sehr nah beieinander.“
Was glauben Sie, wie möchten Trauernde begleitet werden?
„Das kommt darauf an, wie die Betroffenen familiär eingebunden sind. Bei Alleinstehenden ist oft eine andere Gesprächserwartung da, wie bei Menschen in einem festen sozialen Umfeld. Bei unserer Begleitung handelt es sich eher um eine „Akutbegleitung“, für eine längere Begleitung gibt es andere, weiterführende Angebote.“
Die Dauer der Trauerverarbeitung kann sehr unterschiedlich sein. Es macht einen Unterschied, ob jemand nach einem langen und erfüllten Leben geht oder ein junger Mensch aus dem blühenden Leben gerissen wird. In jedem Fall kann die Unterstützung einer Trauerbegleitung hilfreich sein, damit sich das Düstere lichten und die Leichtigkeit wieder seinen Platz einnehmen darf.


