Ein „typisches Sauerländer Jahr“ für die Landwirte im Kreis Olpe

Erntedank-Gespräch auf dem Hof Steinhoff


  • Kreis Olpe, 29.09.2023
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  • Von Marita Sapp
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Von links: Bernd Eichert (stellv. Kreisvorsitzender), Stefan Becker-Borggräfe (Vorsitzender des WLV Ortsverbandes Lennestadt), Dr. Alfred Gerken (Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer), Michael Richard (Vorsitzender des Kreisverbandes) sowie Maria, Barbara, Peter und Johannes Steinhoff. von Marita Sapp
Von links: Bernd Eichert (stellv. Kreisvorsitzender), Stefan Becker-Borggräfe (Vorsitzender des WLV Ortsverbandes Lennestadt), Dr. Alfred Gerken (Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer), Michael Richard (Vorsitzender des Kreisverbandes) sowie Maria, Barbara, Peter und Johannes Steinhoff. © Marita Sapp

Kreis Olpe/Theten. Bei seinem traditionellen Erntedank-Gespräch hat der Landwirtschaftliche Kreisverband Olpe am Freitag, 29. September, auf dem Hof Steinhoff in Theten einen Überblick über das Wirtschaftsjahr 2023 gegeben. Als „typisches Sauerländer Jahr“ betitelte Peter Steinhoff dieses gleich zu Beginn. Ein Jahr, das auch viele Herausforderungen mit sich brachte.


Der 52-jährige Peter Steinhoff und seine Familie bewirtschaften vorwiegend rund um den Hof 100 Hektar, davon rund 95 Prozent Grünland. 90 Milchkühe liefern Milch, die weiblichen Kälber gehen in die Nachzucht. 70 Hühner liefern die Eier für „Jojo’s Eierbude“ und Tochter Maria besitzt drei Pferde.

Steinhoff ist sehr glücklich darüber, dass sich beide Kinder für die Landwirtschaft interessieren. Somit ist die Nachfolge auf dem traditionsreichen Hof gesichert.

Lange Tradition

„An der Stelle, wo unser Hof steht, ist wohl schon seit tausend Jahren Landwirtschaft betrieben worden“, so Steinhoff, der seit 18 Jahren auch ehrenamtlich als Kreislandwirt bei der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe tätig ist. „Mit dem Namen Steinhoff ist der Hof, laut Stammbaum, seit 1680 verbunden.“

Peter Steinhoff mit vier Kühen seiner sechs Kuhrassen. Von links: Fleckvieh, Deutsche Holsteiner, Rotvieh und Braunvieh. von Marita Sapp
Peter Steinhoff mit vier Kühen seiner sechs Kuhrassen. Von links: Fleckvieh, Deutsche Holsteiner, Rotvieh und Braunvieh. © Marita Sapp

Maria und Johannes Steinhoff stellten die sechs Rinderrassen vor, die auf dem Hof die Milch liefern: Rotvieh, Fleckvieh, Deutsche Holsteiner Rot- und Schwarzbunt, Braunvieh und eine Jerseykuh. Dazu kommt auch noch eine Kreuzung.

Maria Steinhoff mit ihrer roten Jerseykuh. Jerseykühe sind kleiner, aber ihre Milchleistung ist sehr gut. von Marita Sapp
Maria Steinhoff mit ihrer roten Jerseykuh. Jerseykühe sind kleiner, aber ihre Milchleistung ist sehr gut. © Marita Sapp

Trotz der ständigen Herausforderungen mache die Arbeit Freude. Und Herausforderungen habe es auch in diesem Jahr genug gegeben. Das „typische Sauerländer Jahr“ hatte es in sich.

Probleme durch viel Regen

„Der Regen war ein Dauerthema“, erklärte Michael Richard, Vorsitzender des Kreisverbandes. „Dazu enge Zeitfenster und Nachtschichten, um im Mai die Maissaat in den Boden zu bringen auf unserem schlechten Boden.“

Dafür gebe es im Kreis Olpe gute Grasbestände. „In diesem Jahr konnte man sehen, was Grünland aushält.“ Aber das viele Wasser habe die Böden getränkt und das Fahren darauf problematischer gemacht. Dazu der Zeitdruck, um die Ernten in den Zeiten einzufahren, wenn das Wetter es zuließ.

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Rundgang über den Hof Steinhoff in Theten.

Der ausgiebige, langandauernde Regen hat sich auch auf die Früchte ausgewirkt, die im Spätsommer geerntet werden. Raps und Weizen lagen teilweise am Boden und hatten dort bereits gekeimt oder waren mit Unkraut durchwachsen, so dass sie nicht mehr geerntet werden konnten oder von minderwertiger Qualität waren. „Das tut weh, wenn man sich bemüht hat“, so Richard. „Aber der Silo-Mais sieht gut aus.“

Weltkrisen spürbar

Auch die Weizenpreise waren ein Thema. 350 Euro pro Tonne gab es im Vorjahr. Vor dem Ukraine-Krieg waren es 180 Euro. In diesem Jahr sind es 170 Euro.

Ursache seien die Weizenmengen, mit der die Ukraine hier in den Markt drücken, weil der Seeweg in die ganze Welt zurzeit nicht möglich ist. „Man sieht hier, wie wir in den weltpolitischen Zusammenhängen stecken.“ Für die Milch bekamen die Landwirte im vergangenen Jahr 60 Cent, jetzt 40 Cent, obwohl viele Kosten hoch geblieben seien.

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Rundgang über den Hof Steinhoff in Theten.

Auch in der Landwirtschaft werden ständig Fachkräfte gesucht. Zwei bis drei Jahre, je nach schulischer Qualifikation, dauert die Ausbildung zum Landwirt. Dafür wird jährlich der Ausbildungsbetrieb gewechselt. Weitere Qualifikation ist möglich an der Fachschule für Agrarbetriebswirtschaft oder einer Uni.

Wolf beschäftigt Landwirte

„Und jetzt hat man uns auch noch den Wolf durch die Hecke aufs Auge gedrückt“, sagte Dr. Alfred Gerken von der Landwirtschaftskammer. „Was die meisten nicht wissen: Der Wolf schädigt ganze Herden. Eine Herde Schafe, die vom Wolf angegriffen wurde, ist oft nicht mehr zu halten, da die Tiere ständig übernervös sind. Eine Entschädigung gibt es aber nur für die einzelnen gerissenen Tiere.“

Bernd Eichert, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes, führte das Thema weiter aus: „80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe werden im Nebenbetrieb geführt. Man kann sich nicht vorstellen, was für ein bürokratischer Aufwand betrieben werden muss, um unsere Tiere vor dem Wolf zu schützen.“

Gute Kooperation ist wichtig unter den Landwirten: Johannes Steinhoff (links) überreichte Stefan Becker-Borggräfe zwei Bilder von seinem Einsatz bei der Ernte auf Steinhoffs Hof. von Marita Sapp
Gute Kooperation ist wichtig unter den Landwirten: Johannes Steinhoff (links) überreichte Stefan Becker-Borggräfe zwei Bilder von seinem Einsatz bei der Ernte auf Steinhoffs Hof. © Marita Sapp

„Wir wollen den Wolf nicht ausrotten, wir wollen ihn nur reguliert haben“, unterstrich Michael Richard. „Wir brauchen eine praktikable Lösung, sonst kippt die Stimmung auf dem Land.“

Peter Steinhoff wird Mitte Oktober sein Amt als Kreislandwirt niederlegen. „Ich setze mich schon seit 30 Jahren ehrenamtlich für die Landwirtschaft ein, davon 18 Jahre als Kreislandwirt. Es hat Spaß gemacht.“

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