Ein persönlicher Corona-Zwischenstand: Was ist los?

LP-Glosse


Topnews
 von Grafik: Sarah Menn
© Grafik: Sarah Menn


Keine drei Monate ist es her, dass der Wahnsinn (offiziell) Einzug in den Kreis Olpe gehalten hat. Seitdem steht die Welt Kopf. Nichts ist mehr, wie es einmal war. Viel zu früh, um ein Fazit zu ziehen. Aber mit Blick auf zahlreiche Lockerungen ein guter Zeitpunkt, um den Ist-Zustand zu beleuchten. Ein wenig durch die Brille der Ironie. Also – was ist los?

Ist 1: Das Nervenkostüm wird dünner, die Zündschnur kürzer. Wichtig: Zwischendurch den Raum verlassen und tief durchatmen…

Ist 2: Jeder weiß es besser: hätte, wenn und aber… alle Entscheidungen waren falsch, alle Auflagen übertrieben. Kleiner Hinweis: Es gibt kein Handbuch, wie es besser gehen könnte – und wo wären wir heute, wenn es die Schutzmaßnahmen nicht gegeben hätte?

Ist 3: Unsicherheit hat sich im Verhalten eingenistet wie ein Parasit, vor allem bei den Kindern. Was darf ich? Was nicht? Wieviel Abstand muss ich zu wem halten? Entsetzter Kommentar einer Zehnjährigen, als sie in einem Film sieht, dass sich zwei Menschen die Hand schütteln: „Das ist verboten!“

Ist 4: Die wiederbelebte Kreativität des Nachwuchses entpuppt sich als Strohfeuer. Die Kinder wollen endlich wieder unter Menschen – und sogar in die Schule! Daraus folgt...

…Ist 5: Junge Menschen sind nicht dafür gemacht, wochenlang alleine am Computer zu lernen. Die Luft ist raus. Es ist gut, dass es die Möglichkeit des digitalen Lernens gibt. Aber: Die Gemeinschaft fehlt. Das Lernen im Klassenverband. Mit dem Lehrer. Und ja, auch das frühe Aufstehen und der ganz normale Alltag.

Ist 6: Drei bis vier Mal gehen die Schüler der Unter- und Mittelstufe bis zu den Ferien in die Schule. Mehr ist aufgrund der unendlichen Auflagen nicht möglich. Da klingt es fast wie ein hübscher Witz, dass ab nächster Woche die Kindergärten teilweise wieder voll besetzt sind…

Ist 7: (Mit Blick auf die Punkte 3 bis 6) Neben den unfassbaren Auswirkungen auf die Wirtschaft hat die Krise vor allem unsere Kinder getroffen. Während Risiko-Personen teilweise noch locker-flockig durch die Läden zogen, wurden die Kinder „isoliert“. Eltern fanden sich auf einmal in der Rolle des Lehrers wieder – und mal ehrlich: Wie ernst nimmt ein Kind die Mama als Lehrerin??? Der Spagat – vor allem für Alleinerziehende – zwischen Job, Haushalt und Homeschooling wird immer größer. 

Ist 8: Juhu – endlich Lockerungen! Ach was, Lockerungen – tun wir doch einfach so, als sei nichts gewesen! Abstand ist was für Feiglinge und der Mundschutz einfach nicht kleidsam. Moment, da war doch was… ach ja: Corona! Oder einfach ein böser Traum? Dann hoffen wir mal, dass uns dieser Traum in der neuen Lockerheit nicht irgendwann um die Ohren fliegt…

Ist 9: Der Storno tat gut. Soviel Zeit werden wir nie wieder mit unseren Familien verbringen dürfen. Aber zuviel Storno muss auch nicht sein. Wir sind bereit für die Rückkehr in einen NEUEN Alltag - mit Augenmaß, bitte.

Kerstin Sauer
Artikel teilen: