Ein Kreuz entscheidet: Vom Top-Praktikanten zur Nullnummer

LP-Randnotiz


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Randnotizen, Mal eben, Glosse. von LokalPlus
Randnotizen, Mal eben, Glosse. © LokalPlus

Ich wollte ihm nur gut. Versprochen. Dass der Schuss so nach hinten los geht – das war nicht der Plan…


„Ihm“ – das war unser Praktikant, der uns vor den Sommerferien eine Woche lang unterstützt hat. Top Arbeit hat er geleistet. Fotografiert, geschrieben, recherchiert. Ist trotz seiner erst 14 Jahre auf Leute zugegangen, hat höflich Fragen gestellt und sich engagiert eingebracht.

Kurzum: ein Praktikant, wie man ihn sich wünscht. Das soll natürlich auch im Bewertungsbogen deutlich werden, der für die Schule ausgefüllt werden muss. Pünktlichkeit, Höflichkeit, Interesse, Fleiß – alles soll beurteilt werden.

Keine Frage: Dieser Junge hat überall die volle Punktzahl verdient... denke ich mir und kreuze fleißig die höchste Zahl, die fünf Punkte, an. Stempel drauf, Unterschrift drunter – und mit einem breiten Grinsen überreiche ich meinem Muster-Praktikanten sein „Zeugnis“. Erwartungsvoll warte ich auf seine Reaktion – würde er vor Stolz platzen? Grinsen? Rot werden? Sich unbändig freuen?

Begeisterung sieht anders aus

Nichts. Ein Blick auf den Wisch, ein verstörter in meine Richtung. Zurückhaltend quetscht er ein leises „Danke“ heraus.

Hä? Was, bitte, soll das? „Alles klar?“, frage ich ihn, zwischen Unsicherheit und Unverständnis schwankend, und picke ihm den Bogen wieder aus der Hand, um nach dem Problem zu suchen.

Was ich schnell in einem Nebensatz der Schule finde, den ich zuvor übersehen hatte: „Beurteilen Sie die Leistungen bitte auf Basis von Schulnoten von eins bis fünf…“

Ups.

Ein fehlerfreies Wochenende wünscht

Kerstin Sauer

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