Ein kleines Happy-End zum Jahresende: Ramin Adeeb vereint mit seiner Frau
Tine Schmidt: Das hat mich 2021 bewegt
- Kreis Olpe, 30.12.2021
- Verschiedenes
- Von Christine Schmidt
Kreis Olpe. Es sind die Geschichten von Menschen, die sich einsetzen, die im Jahr 2021 etwas Besonderes getan und Spuren hinterlassen haben. Es sind auch besondere Ereignisse und Projekte, an die wir uns erinnern. Die Mitarbeiter der LokalPlus-Redaktion haben einige dieser Geschichten in besonderer Erinnerung. Wir stellen sie exemplarisch in unserer kleinen Serie „Geschichten, die mich bewegt haben“ vor.

Im August kommt die Terrorgruppe Taliban in Afghanistan an die Macht. Maryam, die Frau meines Arbeitskollegen Ramin Adeeb, sitzt in Kabul fest und hat riesige Angst. Sechs Jahre schon lebt Ramin hier in Lennestadt, arbeitet bei ontavio und ist integriert.

Er floh damals aus Afghanistan. Der heute 28-Jährige engagierte sich in einer politischen Partei, die von der Taliban nicht gern gesehen war. Ramins Name wurde auf die „Blacklist“ gesetzt, er erhielt sogar einen Drohbrief von der Taliban. Für ihn war es in dem Land nicht mehr sicher. Seitdem versucht er, seine Frau nach Deutschland nachzuholen - vergeblich.

Im August dann spitzt sich die Lage dramatisch zu. Und wir alle kennen noch die Bilder aus Kabul. Und plötzlich hatte ich jemanden in meinem nahen Umfeld, dessen Frau schlichtweg Angst um ihr Leben hat. Ich glaube, wie sich die Menschen dort vor Ort gefühlt haben, können wir uns in unserem behüteten Land nicht vorstellen.
Ich spreche mit meinem Arbeitskollegen Ramin und höre mir seine ganze Geschichte an. Ich bin erstaunt, wie gefasst er wirkt und was er mit seinen jungen Jahren bereits alles erlebt hat. Wie es mir an seiner Stelle gehen würde, möchte ich mir gar nicht ausmalen. Aufgeben kam für Ramin nie in Frage. Zusammen mit seinem Deutschlehrer versucht er alles Mögliche, um Maryam an einen sichereren Ort zu bringen.
Und jetzt, etwa vier Monate später - Ramin und ich treffen uns einen Tag vor Weihnachten zum Videocall. Er ist seit fünf Wochen in Teheran, der Hauptstadt des Iran. Er strahlt. Er strahlt, weil seine Frau Maryam neben ihm sitzt und vorerst in Sicherheit ist. Sie hat ein dreimonatiges Visum für den Iran erhalten.

Ramin freut sich: “Wir haben die ersten Wochen sehr miteinander genossen. Wir waren shoppen, haben viel unternommen und ich versuche, ihr schon ein bisschen Deutsch beizubringen.“
Denn im Iran soll natürlich nicht Endstation sein. Ramin setzt alles daran, dass er seine Frau - hoffentlich schon im neuen Jahr - nach Deutschland holen kann. Ihn so froh zu sehen, geht wirklich ans Herz. Auch wenn Ramin kein Weihnachten feiert, hat er sich dieses Jahr wohl das schönste Geschenk gemacht: seine Frau Maryam im Arm zu halten.
