Ein entsorgtes Parkhaus und eine verschwundene Speicherkarte

LP-Randnotizen


Topnews
 von Grafik: Sarah Menn
© Grafik: Sarah Menn


Seit Kindheitstagen habe ich ein Trauma: die Angst, das etwas verloren geht. Das wünscht sich sicherlich niemand, aber bei mir hat es einen ganz bestimmten Grund. Mit sechs oder sieben Jahren bekam ich zu Weihnachten ein Parkhaus geschenkt, über das ich mich sehr gefreut habe. An den Feiertagen wurde ausgiebig mit dem Geschenk gespielt.

Dann sagten meine stets auf Ordnung bedachten Eltern, ich solle das Parkhaus wieder in den Originalkarton stellen, dann versperre es nicht so viel Platz. Ich tat, wie mir befohlen. Wenige Tage später wurde Sperrmüll (Mülltrennung gab es damals noch nicht) abgeholt und meine Eltern stellten den Karton abends nach draußen. Dass darin das Parkhaus war, vergaßen sie. Am nächsten Tag war der Karton weg – und mit ihm mein Weihnachtsgeschenk.

Wenn Panik aufkommt

Seitdem achte ich ganz genau darauf, wo ich Sachen abstelle und aufbewahre. Das klappt in aller Regel auch sehr gut und alles findet sich schnell wieder. In dieser Woche kam aber leichte Panik bei mir auf, denn ich fand meine Speicherkarte für die Fotokamera nicht mehr.

Natürlich habe ich immer ein, zwei Ersatzkarten zur Hand, doch auf der verschwundenen Karte waren die Fotos für einen wichtigen PR-Bericht. Auf dem Rechner abgespeichert oder in unser Bildarchiv hochgeladen waren sie noch nicht.

Ich habe im Homeoffice das Arbeitszimmer dreimal penibel durchsucht. Nichts. Ich habe in der Redaktion meinen Schreibtisch detektivisch genau überprüft, jede Schublade und Ablage unter die Lupe genommen. Nichts. Ich habe meine Fototasche komplett ausgeräumt und alle Außen- und Innentaschen abgetastet nichts. Nichts.

Das Geheimnis der Kladde

Mir schwante schon Übles. Muss ich in meinem Urlaub, der heute beginnt, einen halben Tag opfern und einen neuen Fototermin beim Auftraggeber vereinbaren. Das wäre nicht nur ärgerlich, sondern auch ein bisschen peinlich. Als meine Laune deshalb schon sank, klappte ich meine dicke Notiz- und Telefonnummernkladde aus analogen Zeiten auf – und siehe da, hinten in dem Buch hatte sich die Speicherkarte versteckt.

Mein Urlaub wird also nicht durch einen beruflichen (Nachhol-)Termin unterbrochen. Also: Ende gut, alles gut.

Wolfgang Schneider

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