„Du bist so faul!“ Die Kunst, einfach nichts zu tun

Schüler-Kolumne „Die Meinung von morgen“


  • Kreis Olpe, 16.12.2025
  • Schule & Bildung , Verschiedenes
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LokalPlus startet die neue Kolumnen-Reihe „Die Meinung von morgen“ und gibt damit Schülerinnen und Schülern aus dem Kreis Olpe eine eigene Stimme. von Adobe Stock / Grafik: Ralph Schneider
LokalPlus startet die neue Kolumnen-Reihe „Die Meinung von morgen“ und gibt damit Schülerinnen und Schülern aus dem Kreis Olpe eine eigene Stimme. © Adobe Stock / Grafik: Ralph Schneider

Kreis Olpe. LokalPlus startet die neue Kolumnen-Reihe „Die Meinung von morgen“ und gibt damit Schülerinnen und Schülern aus dem Kreis Olpe eine eigene Stimme. Alle zwei Wochen teilen Jugendliche unterschiedlicher Schulen aus dem Kreis Olpe ihre Gedanken zu Themen, die sie bewegen – von Demokratie über Digitalisierung bis hin zu Alltag, Freizeit und persönlichen Perspektiven.


Alina Klein ist 15 Jahre alt und lebt in Hillmicke. Sie besucht die 10. Klasse des St.-Franziskus-Gymnasiums in Olpe. Sie schreibt:

Das ist wohl einer der häufigsten Vorwürfe, die Jugendliche heutzutage bekommen. Aktuell leben wir in einer Welt, in der Faulheit als Makel gilt - aber warum fragt sich fast niemand, warum man als Jugendliche/r einfach mal nichts tut? Über dieses Missverständnis versuche ich hier meine Meinung abzugeben und hoffe, dass ich dem Ganzen ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken kann.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Produktivität zu den am meisten anerkannten Eigenschaften zählt, also: Wer viel arbeitet, gilt als fleißig, aber ist oft gestresst. Wer das nicht tut, gilt als faul und entspannt.

Alina Klein ist 15 Jahre alt und lebt in Hillmicke. Sie besucht die zehnte Klasse der St.-Franziskus-Schule Olpe. von privat
Alina Klein ist 15 Jahre alt und lebt in Hillmicke. Sie besucht die zehnte Klasse der St.-Franziskus-Schule Olpe. © privat

Aber was, wenn man auch ohne viel zu tun unter Stress steht und deswegen eine Pause braucht? Außenstehende halten dies auf den ersten Blick für Faulheit, ohne zu wissen, warum man eine Pause braucht.

Um zu zeigen, wie schnell man als faul angesehen werden kann, habe ich mir ein Beispiel ausgedacht, in der eine fiktive Jugendliche ihren Alltag schildert:

„Ich bin schon um fünf Uhr morgens aufgestanden, damit ich noch genug Zeit hatte, mich zu schminken und mir ein Outfit rauszusuchen, bevor der Bus kam. Dann war ich in der Schule. Heute schrieb ich eine Arbeit in Mathe, für die ich letzte Woche sehr viel lernte, weil ich weiß, dass Mathe mir nicht liegt.

Blackout bei Mathearbeit

Die Arbeit war nicht gut, weil ich einen Blackout erfuhr und weniger als die Hälfte ausfüllte. Obwohl ich heute nur vier Stunden hatte, wurde der Tag nicht besser. In der Pause fand ich niemanden, bei dem ich stehen konnte, weil letztens ein Gerücht über mich verbreitet wurde. Ich wusste nicht einmal, was das Gerücht sagte, nur, dass niemand mit mir redete.

Zuhause angekommen war ich erschöpft, weil ich früh aufstand und die Schule stressig war. Also legte ich mich direkt schlafen. Dann kam meine Mutter in mein Zimmer mit der Erwartung, dass ich Hausaufgaben erledigte. Als sie dann sah, dass ich schlief, hörte ich sie flüstern: ‚Ihr Tag kann doch gar nicht anstrengend gewesen sein. Sie hatte nur vier Stunden! Warum schläft sie denn jetzt schon wieder? Hat sie nicht noch Hausaufgaben? Sie ist so faul!‘.

Bist du einfach nur faul?

Am nächsten Tag in der Schule kontrollierte der Lehrer die Hausaufgaben. Er kam zu mir und sah, dass ich meine Hausaufgaben nicht hatte. ‚Hast du wieder deine Hausaufgaben nicht? Das ist das dritte Mal diese Woche! Machst du überhaupt irgendwas oder bist du einfach nur faul?‘. Und so ging es die ganze Woche weiter…“

Auch wenn dieser Alltag ausgedacht ist, kann es durchaus sein, dass dies wirklich mal passierte. Ob ein wenig anders oder nicht, sei dahingestellt.

Grundsätzlich möchte ich damit sagen, dass man nie weiß, warum jemand etwas tut. Man muss meiner Meinung nach erst nachdenken, wie es „hinter den Kulissen“ aussieht, bevor man urteilt. Also: Manchmal bedeutet „nichts tun“ nicht Faulheit, sondern Selbstfürsorge. Und genau das sollten wir mehr akzeptieren.

Ich hoffe, dass sich manche diesen Rat zu Herzen nehmen.

Alina Klein

(Die hier veröffentlichten Inhalte geben die Position der Autorin/des Autors wieder und entsprechen nicht notwendigerweise der Ansicht der Redaktion.)

Alle Infos zur Meinung von morgen findet ihr auch hier.

„Die Meinung von morgen“ – Mach mit!

Du bist Schülerin oder Schüler an einer Schule aus dem Kreis Olpe und möchtest an dem Projekt „Die Meinung von morgen“ teilnehmen oder interessierst dich dafür? Dann schreib uns gerne eine E-Mail an: info@lokalplus.nrw, Betreff: Die Meinung von morgen

Wir freuen uns auf dich!

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