Distanz und fehlendes Miteinander: Lockdown hat Probleme verschärft
Interview mit dem Beratungsteam der Sekundarschule, Teil 2
- Kreis Olpe, 27.12.2021
- Verschiedenes
- Von Kerstin Sauer
Meggen/Kirchhundem. Immer ein offenes Ohr für die Belange ihrer Schüler: Das hat das vierköpfige Beratungsteam der Sekundarschule Hundem-Lenne. Pandemie, Lockdown und die langen Monate des Distanzlernens haben sowohl bei den jüngeren als auch bei den älteren Schülern Spuren hinterlassen. Heute berichten die Sozialpädagoginnen Linda Mütherich und Sonja Teufer, Sozialarbeiterin Sandra Langner-Hardebusch sowie Beratungslehrerin Simone Kaiser von Problemen im Verhalten der Schüler, fehlender Berufsorientierung und einem tollen Miteinander von Schülern, Lehrern und Beratungskräften.




Konnten Sie bei einigen Schülern Verhaltensänderungen beobachten, als sie in die Schule zurückkehrten?
Besonders merken wir die Nachwirkungen bei den Fünft- und Sechstklässlern – also bei den Schülern, die an ihrer Grundschule keinen richtigen Abschluss und in ihren neuen Klassen kein richtiges Willkommen haben konnten. Viele von ihnen taten sich am Anfang schwer, sich in die Klassengemeinschaft einzufinden.
Bei älteren Schülern, bei denen ohnehin Pubertätsschwierigkeiten einsetzen, kamen Corona und der Lockdown noch on top: Sie hatten keine sozialen Kontakte, keine Vereine, kein Miteinander. Schule und Hobbies brachen weg und dadurch auch die bekannten Strukturen. Probleme, auch psychischer Natur, die vorher schon da waren, sind durch den Lockdown verstärkt worden. Wir beobachten, dass die Suchtproblematik zugenommen hat und beispielsweise der Handy- und Computer-Konsum stark angestiegen sind.


Welche Wege nutzen Sie, um als Beratungsteam zu helfen?
Wir arbeiten eng mit allen Beteiligten im Umfeld der Schüler zusammen, um allumfassend zu helfen. Es ist uns wichtig, die Lehrer mit einzubeziehen. Die Kopplung des Lehrerblicks und unser Zugang, der ein engeres Vertrauensverhältnis zum Schüler zulässt, sind von Bedeutung.
In Situationen, die über unseren Handlungsspielraum hinausgehen, versuchen wir zu außerschulischen Hilfen, wie psychologischen Fachkräften, zu vermitteln. Zudem arbeiten wir eng mit der offenen Kinder- und Jugendarbeit zusammen.
In unserem Beratungsteam ist uns ein regelmäßiger Austausch sehr wichtig. Einmal in der Woche findet ein fester Termin mit der Schulleitung und einmal im Monat mit den Schülersprechern statt.
Uns allen ist bewusst, dass wir mit unserer Arbeit nicht jeden Schüler erreichen können. Wir können nur Angebote machen und zeigen, dass wir für die Schüler da sind. Die meisten von ihnen sind offen für unsere Unterstützung und reden mit uns über ihre Anliegen.
Wie sieht es mit der Berufsberatung an Ihrer Schule aus?

Auffällig ist, dass vor allem die Schüler der Jahrgänge 8 bis 10 mehr Unterstützung bei der Suche nach Praktika brauchen. Durch Corona war es für viele Schüler schwierig, ein Praktikum zu finden. Kindergärten und Seniorenheime beispielsweise, die gerne von unseren Schülern besucht werden, durften keine Praktikanten mehr annehmen. Die jungen Leute konnten in verschiedene Berufe nicht hineinschnuppern, deswegen fehlt ihnen die Auswahl und sie fangen in Klasse neun wieder bei Null an. Da wir im Bereich Berufsorientierung aber sehr gut aufgestellt sind, können wir vielen Schülern gerecht werden.
Ein Blick in die Glaskugel: Wie geht es weiter, was liegt Ihnen besonders am Herzen?
Wir wünschen uns, dass es kein Distanzlernen mehr gibt und die Schüler weiterhin zu uns an die Schule kommen dürfen. Aktuell hoffen wir, dass sich die Schüler mit dem Thema Impfung auseinandersetzen und sich informieren.

Unabhängig von der Corona-Pandemie wünschen wir uns zum Wohle unserer Kinder und Jugendlichen, dass alle noch enger zusammenarbeiten. Wir haben es an unserer Schule sehr gut hinbekommen, dass multiprofessionelle Teams gebildet werden. Es wäre gut und wichtig, wenn erkannt wird, dass es an jeder Schule so sein sollte.
