„Digital Plus“ eröffnet Menschen mit Handicap neue berufliche Perspektiven

Ordnung im System statt „Aktenwüste“


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Monika Strube wird von Gruppenleiterin Julia Otterbach in die Arbeit am Großflächenscanner eingewiesen. von Caritasverband Olpe, Janine Clemens
Monika Strube wird von Gruppenleiterin Julia Otterbach in die Arbeit am Großflächenscanner eingewiesen. © Caritasverband Olpe, Janine Clemens

Kreisgebiet/Welschen Ennest. Vorsortieren, scannen, speichern – in mehreren Schritten „Ordnung im System“. Das garantieren die Beschäftigten der Abteilung „Digital Plus“ in den Werthmann-Werkstätten des Caritasverbandes Olpe.


Vor neun Jahren wurde der Arbeitsbereich im geschützten Rahmen der Werkstätten ins Leben gerufen. Ziel war, den immer höher werdenden Bedarf an Bürotätigkeiten für Menschen mit Handicap zu decken, deren kognitive Fähigkeiten sehr gut sind. Inzwischen bietet „Digital Plus“ 19 Beschäftigten eine routinierte Arbeitsstätte.

In den Räumlichkeiten der Kölner Straße 1 in von Welschen Ennest hat alles seinen Platz und seine Ordnung. Beschriftete Aktenordner und Transportboxen in sicher verschlossenen Aufbewahrungssystemen zeugen von „ordentlich“ viel Arbeit. Und gerade die ist es, die den acht Frauen und elf Männern der Abteilung ein zufriedenes Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Ein berufliches Zuhause

Bei „Digital Plus“ haben Menschen ihr berufliches Zuhause gefunden, die zwar kognitiv sehr leistungsfähig sind, aber aufgrund ihrer psychischen Erkrankung dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen. Vorerst, denn für einige von ihnen ist dieser Einstieg der erste Schritt in ein Beschäftigungsverhältnis auf dem ersten Arbeitsmarkt.

„Ganz bewusst wollten wir in engem Austausch mit der Psychiatrischen Institutsambulanz in Olpe ein Angebot für Personen schaffen, die kognitiv relativ fit sind, am Computer gut arbeiten und ihre EDV-Vorkenntnisse einbringen können“, berichtet Abteilungsleiter Achim Scheckel.

Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt

Gestartet sind die Werthmann-Werkstätten in dieses neue Betätigungsfeld im Jahr 2014 mit fünf Beschäftigten – „an den eigenen Akten der Werkstätten“, so Achim Scheckel. 2016 konnte der Kreis Olpe als erster „Großkunde“ gewonnen werden. Nach und nach wuchs der Kundenstamm auch über die Kreisgrenzen hinaus, ebenso wie das Beschäftigten-Team.

Mittlerweile arbeiten 19 Beschäftigte an verschiedensten Kundenakten. „Wir digitalisieren und archivieren papierbasierte Geschäftsunterlagen jeglicher Art als revisionssicheres Archivgut – von Karteikarten, Lieferscheinen über Gesundheitsakten, Buchhaltungsakten, Sozialakten bis hin zu Bauplänen“, berichten die Gruppenleiterinnen Katharina Arens und Julia Otterbach. „Bis zu 30.000 Scan-Vorgänge pro Tag können wir hier am Standort durchführen“, erzählt Teamleiter Frank Rupprecht nicht ohne Stolz.

Prüfroutine sorgt für Sicherheit und Verlässlichkeit

Katharina Arens versichert, dass sämtliche Vorgänge im ‚Vier Augen-Prinzip‘ laufen. Dateinamen und Nummern werden abgeglichen, alle Prozesse systematisch abgearbeitet.

Ein Job, der Präzision erfordert, weiß auch Ralf B.. Der gelernte Maschinenbau-Ingenieur ist aufgrund seiner psychischen Erkrankung nicht mehr in seinem eigentlichen Berufsfeld einsatzfähig und seit Jahren Teil des Teams. „Die Atmosphäre hier ist toll. Ich kann meine Vorkenntnisse und mein EDV-Wissen wunderbar einbringen“, freut er sich.

Akten sind zur Leidenschaft von Monika Strube geworden. von Caritasverband Olpe, Janine Clemens
Akten sind zur Leidenschaft von Monika Strube geworden. © Caritasverband Olpe, Janine Clemens

„Eigenverantwortlichkeit und Team-Arbeit gehen hier Hand in Hand“, weiß auch Monika Strube, die als eine von acht Frauen seit zweieinhalb Jahren bei „Digital Plus“ tätig ist. Aus dem Bereich der Hauswirtschaft kommend, war sie sich anfangs gar nicht sicher, ob der Bürojob was für sie sei. „Doch ich fühle mich hier pudelwohl.“

„Arbeit möglich machen“
  • Die Werthmann-Werkstätten für Menschen mit Behinderungen sind ein zertifizierter Partner für Industrie und Handel.
  • An den Standorten in Attendorn, Lennestadt, Olpe und Welschen Ennest steht den Menschen mit Handicap ein vielfältiges Arbeits- und Bildungsangebot zur Verfügung.
  • Außerhalb der Werkstätten sind fast 50 Menschen mit Behinderungen in Industrie, Dienstleistungen und Verwaltungen eingesetzt.
  • Die Arbeitsbereiche der Werkstätten: Aktenvernichtung, Büroservice, Digitale Archivierung, Elektromontage, Garten- und Anlagenpflege, Holzbearbeitung, Lager, Metallbearbeitung, Montage und Verpackung, Kommissionierung sowie der Lebensmittelladen Hoff´s Wertvoll.
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