Dienst in der Rettungswache: Beim Notruf bleiben die Knödel kalt

Arbeiten an Weihnachten (1)


  • Kreis Olpe, 23.12.2023
  • Blaulicht
  • Von Christine Schmidt
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Zu Besuch bei der Rettungswache Lennestadt: LokalPlus hat Wachleiter David Brieden (li.) und Notfallsanitäter Fabian Linn getroffen. von Tine Schmidt
Zu Besuch bei der Rettungswache Lennestadt: LokalPlus hat Wachleiter David Brieden (li.) und Notfallsanitäter Fabian Linn getroffen. © Tine Schmidt

Kreis Olpe/Lennestadt. Während die meisten Menschen an Heiligabend zu Hause mit ihren Familien sitzen, gibt es jedes Jahr auch jene Menschen, die die Stellung halten, die da sind, wenn Hilfe benötigt wird. Fabian Linn ist einer von ihnen. Der Notfallsanitäter arbeitet an Heiligabend in der Rettungswache in Lennestadt.


Im Wohnzimmer, so nennt das Team den Aufenthaltsraum, steht Fabian noch und trinkt einen Kaffee mit den Kollegen. Mitten im Raum ist ein schön geschmückter Weihnachtsbaum aufgestellt, ein Adventskranz steht auf dem Tisch und an der Wand hängt ein selbst befüllter Adventskalender. Gemütlich ist es hier.

„Das soll es auch sein“, sagt David Brieden, Leiter der Wache. Die Kollegen verbringen hier 24-Stunden-Dienste, dann sollen sie sich auch wohlfühlen. Mit Sofas, Fernseher und Küche ist das ein Ort, um zusammen Zeit zwischen den Einsätzen zu verbringen.

Während Fabian Linn (2.v.l.) an Heiligabend arbeiten muss, haben die Kollegen Marcel Stipp, Marc Müsse sowie David Brieden (von links) an dem Tag frei. von Tine Schmidt
Während Fabian Linn (2.v.l.) an Heiligabend arbeiten muss, haben die Kollegen Marcel Stipp, Marc Müsse sowie David Brieden (von links) an dem Tag frei. © Tine Schmidt

„Ich arbeite zum ersten Mal an Heiligabend“, erzählt Fabian Linn. Der 27-Jährige arbeitet seit 2019 bei der Wache in Lennestadt. „Auf den Straßen ist es an Heiligabend eher ruhig“, sagt er. „Und trotzdem: Wir wissen nie, ob es ein entspannter oder stressiger Dienst wird.“ Vergangenes Jahr hatte er den Dienst an Silvester. An so einem Tag sei das Gefahrenpotential etwas höher als an Weihnachten.

Das Rettungswachen-Team ist an Heiligabend zu fünft. Auch der Notarzt, der sonst am Altenhundemer Krankenhaus sitzt, kommt an dem Abend zur Wache. Fabian erzählt: „Wir haben uns vorher abgesprochen und wollen zusammen Gulasch mit Knödeln kochen. Ein bisschen festlich soll es ja sein. Wenn die Zeit es erlaubt, schauen wir auch Filme oder spielen Brettspiele. Hier geht es schon familiär zu.“

Jede Sekunde kann der Notruf eingehen

Klar, auch während des gemeinsamen Kochens oder Essens kann jede Sekunde ein Notruf eingehen. Dann geht alles ganz schnell. Innerhalb kürzester Zeit muss Fabian abfahrbereit mit einem Kollegen im Rettungswagen sitzen. „Da muss das Essen auf dem Herd bleiben“, erzählt Wachleiter Brieden. „Es gibt extra einen großen Notknopf, den wir betätigen und alles ist aus.“ Das komme natürlich nicht nur an den Feiertagen vor.

Fabian erzählt, dass Silvester 2022 ruhig angefangen habe, dann musste er aber fast die ganze Nacht zu verschiedenen Einsätzen ausrücken. „Man kann keinen Tag mit dem anderen vergleichen“, so der 27-Jährige. „Aber wir gehen zum Beispiel davon aus, dass an einem Sommerwochenende mit Schützenfest oder Stadtfest mehr los ist als an Heiligabend.“

Viel Wertschätzung

In der Weihnachtszeit erfährt das Rettungsteam viel Wertschätzung und Dankbarkeit. „Menschen, die mal auf unsere Hilfe angewiesen waren, kommen zur Wache und bedanken sich persönlich“, so der Wachleiter. Auch Landrat Theo Melcher besucht am 24. Dezember mit der Fachdienstleitung und anderen Führungskräften die Kreisleitstelle, die Polizei sowie die Rettungswachen im Kreis Olpe und bedankt sich für die geleistete Arbeit im Jahr. „Das ist eine schöne Tradition“, sagen beide.

Fabians Dienst beginnt um 7.30 Uhr morgens und endet am nächsten Tag zur gleichen Zeit. Für jeden Mitarbeiter steht ein Ruheraum mit Bett zur Verfügung. „Wir ruhen auch mal zwischendurch, aber das ist natürlich nicht der entspannte Tiefschlaf wie zu Hause“, erzählt der Notfallsanitäter. „Jeden Moment kann der nächste Einsatz reinkommen und reißt dich aus dem Schlaf.“

Familien drauf eingestellt

Während es für viele unvorstellbar ist, an Weihnachten zu arbeiten, sieht Fabian das absolut entspannt. „Meine Familie ist darauf eingestellt. Wir treffen uns am ersten Weihnachtstag, für mich ist das kein Problem. Es gehört eben zum Job.“ Den Kollegen mit Kindern lasse man selbstverständlich den Vortritt für freie Tage.

David Brieden fügt hinzu, dass es die vergangenen Jahre immer gut geklappt habe, den Dienstplan zusammen zu erstellen. „Bislang habe ich niemandem sagen müssen, du musst aber an dem Tag arbeiten.“ Nach einem 24-Stunden-Dienst haben die Kollegen mindestens zwei Tage frei. „Viele Familien stellen sich auch darauf ein und planen die Bescherung dann zum Beispiel schon am 23. Dezember, das gab es auch schon“, so Brieden.

Kein Tag ist planbar

Er selbst habe auch schon einige Weihnachts-Dienste in der Vergangenheit absolviert, kann sich aber nur an einen Silvester-Einsatz erinnern. Ein Mann habe damals beim Öffnen der Sektflasche aus Versehen den Korken in das Auge seiner Frau geschossen. „Wir sind um 23.58 Uhr durch das Silvesterfeuerwerk bis nach Lüdenscheid gefahren. Das bleibt in Erinnerung“, erzählt Brieden.

„Das ist es, was den Beruf so spannend macht. Wir wissen nicht, was auf uns zukommt, und wir haben eine große Verantwortung, Wir sind da, um den Menschen zu helfen“, so Fabian. Kein Tag ist planbar. Und das das ganze Jahr über – ob an einem normalen Montag, am 1. Mai, Silvester oder eben an Heiligabend.

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