Die Mauer des Schweigens durchbrechen am Welttag der Suizidprävention

Hinsehen, zuhören, ins Gespräch kommen


Symbolfoto. von privat
Symbolfoto. © privat

Kreis Olpe. Über Suizid zu sprechen, fällt vielen Menschen schwer. Noch immer gibt es Berührungsängste, Unsicherheit und die Angst, etwas Falsches zu sagen. Der Welttag der Suizidprävention am 10. September möchte deshalb die Mauer des Schweigens durchbrechen und dazu ermutigen, hinzusehen, zuzuhören und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die ehrenamtliche Trauerbegleiterin und Notfallseelsorgerin Regina Bongers gibt Tipps, wie man über Suizidgedanken sprechen und Suizid verhindert werden kann:


Die Zahlen machen deutlich, wie wichtig das Thema ist: Im Jahr 2024 starben in Deutschland 10.372 Menschen durch Suizid – mehr als 28 Menschen jeden Tag. Suizidprävention beginnt nicht erst in einer akuten Krise. Sie beginnt im Alltag: mit Aufmerksamkeit, mit einem Anruf, einem Besuch, einem offenen Ohr.

Wenn ein Mensch äußert, nicht mehr weiterleben zu wollen, sollten diese Worte ernst genommen werden. Es ist wichtig, dazubleiben, zuzuhören und die Not auszuhalten. Auch die direkte Frage nach Suizidgedanken ist erlaubt. Sie kann eine Tür öffnen und einem Menschen zeigen: „Meine Not wird gesehen. Ich bin nicht allein.“

Besondere Aufmerksamkeit gilt auch älteren Menschen. Einsamkeit, der Tod des Partners, Krankheit, Schmerzen, zunehmende Hilfsbedürftigkeit oder das Gefühl, anderen zur Last zu fallen, können das Leben schwer machen

Gesprächskreis für Zurückbleibende

Ein Suizid hinterlässt bei den Zurückbleibenden oft eine besonders schwere und belastende Trauer. Schuldgefühle, Wut, Fragen nach dem „Warum?“, Sprachlosigkeit und Einsamkeit können die Trauer begleiten.

In Olpe gibt es einen Gesprächskreis für Menschen, die einen nahestehenden Menschen durch Suizid verloren haben. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen, mit dem Erlebten nicht allein zu bleiben und einen geschützten Raum für die eigene Trauer zu finden. Der Kontakt wird über die Selbsthilfekontaktstelle des DRK vermittelt unter Tel. 0 27 61 / 26 43 oder per E-Mail an shk@kv-olpe.drk.de.

Anlaufstellen

Wer sich Sorgen um einen Menschen macht, sollte nicht versuchen, die Situation allein zu bewältigen. In einer akuten Gefahrensituation ist der Notruf 112 die richtige Anlaufstelle. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr, anonym und kostenfrei unter Tel. 08 00 / 11 10 11 1 und 08 00 / 11 10 22 2 erreichbar.

Weitere Informationen, Hilfen und Materialien für Suizidhinterbliebene bietet AGUS – Angehörige um Suizid per E-Mail an kontakt@agus-selbsthilfe.de.

Artikel teilen: