Deutschland dreht am Zeiger: Sonntag werden die Uhren verstellt

Ein Blick auf die Historie der Sommerzeit


  • Kreis Olpe, 24.03.2023
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  • Von Nico Heuel Rodriguez
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Die Umstellung von der Winterzeit zur Sommerzeit von Pixabay
Die Umstellung von der Winterzeit zur Sommerzeit © Pixabay

Kreis Olpe. Wie in jedem Jahr, so steht auch jetzt wieder die Umstellung auf die Sommerzeit vor der Tür: Am Sonntag, 26. März, wird uns wieder eine Stunde geklaut, wenn die Uhr von 2 auf 3 Uhr vorgestellt wird. Doch warum drehen wir eigentlich am Zeiger? LokalPlus-Praktikant Nico Heuel Rodriguez hat einmal recherchiert.


Die erste Idee einer Zeitumstellung entstand Ende des 19. Jahrhunderts: George Vernon Hudson und William Willet kamen unabhängig voneinander auf die Idee, dass eine Zeitumstellung sinnvoll sein könnte. Jedoch blieb es nur bei der Idee.

Die Umsetzung: Das ewige Hin und Her

Die Umsetzung erfolgte dann erstmals 1916 während des Ersten Weltkrieges: In Deutschland wurde die Sommerzeit unter der Regierung von Kaiser Wilhelm II. eingeführt und sollte die energieintensiven „Materialschlachten“ des Ersten Weltkrieges unterstützen. Man erhoffte sich Energieeinsparungen bei der künstlichen Beleuchtung an langen Sommerabenden.

In der Weimarer Republik wurde die Zeitumstellung wieder abgeschafft. In Deutschland blieb es bis zum Ende der 30er-Jahre das ganze Jahr über bei der Mitteleuropäischen Zeit.

Die Zeitumstellung von Winterzeit auf Sommerzeit von Pixabay.com
Die Zeitumstellung von Winterzeit auf Sommerzeit © Pixabay.com

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Zeitumstellung dann wieder eingeführt. Wieder sollte das Tageslicht besser genutzt werden, u.a. auch um die Arbeitszeiten zu verlängern. Ab 1950 war wieder Schluss mit der Sommerzeit.

Die Zeitumstellung wurde letztendlich wieder endgültig 1980 eingeführt. Seitdem wird in Deutschland – wieder aus Gründen der Energieeinsparung – wieder zwei Mal im Jahr am Zeiger gedreht.

Finger weg vom Zeiger: Wie sieht es mit der Abschaffung aus?

Seit Jahren wird aber über die Abschaffung der Zeitumstellung diskutiert. Die EU plante bereits 2018 ein Stopp der Zeitumstellung, als sich ein Großteil der Europäer das Ende der Sommerzeit wünschte.

Das EU Parlament stimmte 2019 für die Abschaffung, was dann auf das Ende von 2021 verschoben wurde – seitdem liegen die Pläne auf Eis. Auch im vorherigen Jahr wurde viel über die Abschaffung diskutiert - ohne Erfolg.

Wer entscheidet eigentlich?

Die Entscheidung dazu liegt bei dem Land, das die EU-Präsidentschaft innehat. Aktuell ist dieses Land Schweden – eine Abschaffung steht derzeit nicht auf dem Programm. Ab Juli 2023 wird Spanien in den Vorsitz kommen. Ob es die Abschaffung dann auf die Agenda schafft, ist unklar.

Grund für die Überlegungen, die Zeitumstellung abzuschaffen, sind einige negative Auswirkungen. Einige Menschen neigen nach dem Verstellen der Uhrzeit zu Schlafstörungen oder Konzentrationsproblemen.

Einsparung liegt bei einem Prozent

Außerdem: Die Einsparungen von Energiekosten - wofür die Zeitumstellung vor 43 Jahren eigentlich gedacht war - liegen nur bei maximal einem Prozent. Auch würde sich die Wirtschaft mit einer Abschaffung einiges an Geld sparen.

Die Zeitumstellung ist und bleibt also ein umstrittenes Thema. Während ein Großteil der Europäer für eine Abschaffung ist, äußern andere Widerspruch. Sicher ist jedoch, dass wir auch dieses Jahr eine Abschaffung nicht erwarten können.

Schon gewusst?

Das einzige Land in Europa, das nicht zur Sommerzeit wechselt, ist Island. Die Isländer finden es schlicht und ergreifend „zu lästig“, so Islands bekanntester Astronom Thorsteinn Sæmundsson.

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