„Der Weg zum Menschen darf nicht zu teuer werden“

Spritpreise belasten Unternehmen


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Viele denken sich gerade: „Das waren noch Zeiten!“ Etwas mehr als fünf Jahre später ist der Super-Preis mehr als einen Euro teurer – und der Dieselpreis liegt meist über dem von Superbenzin. von Archivfoto: Nils Dinkel
Viele denken sich gerade: „Das waren noch Zeiten!“ Etwas mehr als fünf Jahre später ist der Super-Preis mehr als einen Euro teurer – und der Dieselpreis liegt meist über dem von Superbenzin. © Archivfoto: Nils Dinkel

Kreis Olpe. Tanken ist derzeit teuer – und für Unternehmen und Einrichtungen, die täglich auf ihre Fahrzeuge angewiesen sind, werden hohe Kraftstoffpreise schnell zu einer erheblichen Belastung. LokalPlus hat bei einer Fahrschule und dem Caritasverband in Südwestfalen nachgefragt, wie sie mit den Mehrkosten umgehen. Beide können steigende Ausgaben nicht ohne Weiteres an ihre Kunden weitergeben.


Bei der Fahrschule Block & Kirchhoff machen sich die hohen Preise an der Zapfsäule unmittelbar bemerkbar. Zwölf Autos, ein Lkw und zehn Motorräder gehören zum Fuhrpark. Wie hoch der Verbrauch ausfällt, schwankt je nach Jahreszeit und Auslastung. „Das hängt davon ab, wie viele Fahrschüler gerade Fahrstunden haben“, erklärt Michael Kirchhoff.

Kurzfristig sei es nicht möglich, mit höheren Preisen für Fahrstunden auf die Entwicklung zu reagieren. „Die Kosten kann man nicht spontan weitergeben, da es gewisse Gesetze gibt, die Schüler vor plötzlichen Preisänderungen schützen“, sagt Kirchhoff.

Neue Kalkulation zum neuen Jahr

Erst zum neuen Jahr könne neu kalkuliert und geprüft werden, ob die Preise angepasst werden müssten. Für Kirchhoff ergibt sich daraus ein Widerspruch: Während politisch über günstigere Führerscheine diskutiert werde, sorgten höhere Kraftstoffkosten gleichzeitig dafür, dass die Fahrausbildung teurer werde.

Von kurzfristigen staatlichen Eingriffen in die Spritpreise verspricht sich der Fahrschulbetreiber wenig. Die frühere Spritpreisbremse habe aus seiner Sicht nur geringe Auswirkungen gehabt. Trotzdem müsse jedoch etwas gegen die hohen Kraftstoffpreise unternommen werden.

Rund 300 Fahrzeuge bei der Caritas

In einer noch größeren Dimension treffen die Kraftstoffkosten den Caritasverband in Südwestfalen. Rund 300 Fahrzeuge umfasst dessen Flotte. Monatlich werde Kraftstoff im fünfstelligen Literbereich getankt werde. Nach Angaben des Verbandes seien die Kraftstoffpreise seit Jahresbeginn um rund 40 Prozent gestiegen.

„Die aktuelle Entwicklung stellt eine erhebliche zusätzliche Belastung dar“, erklärt Pressereferentin Janine Clemens. Anders als viele Wirtschaftsunternehmen könne der Caritasverband die Mehrkosten nicht einfach an seine Kunden weitergeben.

Die Preisentwicklung für Kraftstoff im Kreis Olpe in den vergangenen fünf Jahren. von chatgpt.com (mit KI generiert)
Die Preisentwicklung für Kraftstoff im Kreis Olpe in den vergangenen fünf Jahren. © chatgpt.com (mit KI generiert)

Etwas abfedern könne die bereits begonnene Umstellung des Fuhrparks: Rund ein Drittel der Caritas-Flotte sei mittlerweile elektrifiziert. Damit reduziere der Verband nicht nur Emissionen, sondern mache sich gleichzeitig unabhängiger von der Entwicklung der Kraftstoffpreise.

Zahlreiche Dienste auf Auto angewiesen

Trotzdem bleiben zahlreiche Dienste auf das Auto angewiesen – gerade im ländlichen Raum. Christoph Becker, Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes in Südwestfalen, bringt die Problematik auf den Punkt: „Hinter jeder Fahrt steht ein Mensch, der auf unsere Unterstützung angewiesen ist.“ Pflege, Beratung, Assistenz und weitere Angebote müssten die Menschen vor Ort erreichen.

Weniger zu fahren sei deshalb keine einfache Sparmöglichkeit. Gleichzeitig seien viele Leistungen ohnehin knapp kalkuliert. „Steigen die Spritpreise, steigen damit unmittelbar unsere Kosten“, erklärt Becker. Die Mehrbelastung könne der Verband weder beliebig weitergeben noch durch Einsparungen bei der Versorgung auffangen.

Forderung an die Politik

Von der Politik fordert die Caritas deshalb, unvermeidbare Kostensteigerungen stärker in den Refinanzierungssystemen sozialer Arbeit zu berücksichtigen. Daneben sollten die Elektrifizierung sozialer Fahrzeugflotten und der Ausbau der notwendigen Ladeinfrastruktur weiter unterstützt werden.

Becker formuliert die Forderung deutlich: „Gute und verlässliche Versorgung darf nicht daran scheitern, dass der Weg zum Menschen zu teuer wird.“

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