Der Kreis Olpe hustet und fiebert: Was tun, wenn uns die Grippe erwischt?
LP-Interview mit den Ärzten Stefanie Junker und Joachim Füllenbach
- Kreis Olpe, 30.01.2026
- Gesundheit & Medizin
- Von Kerstin Sauer
Kreis Olpe. Der Kreis Olpe hustet, niest und fiebert: Die Grippewelle nimmt Fahrt auf – und das schon vor Karneval. Vor allem Kinder und Jugendliche erwischt es derzeit schwer, mit hohem Fieber und langem Krankheitsverlauf. LokalPlus hat die aktuelle Lage mit den Olper Ärzten Stefanie Junker, Familienpraxis Junker, und Joachim Füllenbach, Kinder- und Jugendpraxis, unter die Lupe genommen.




Ist die Grippewelle derzeit besonders heftig oder scheint es nur so?
Joachim Füllenbach: In unseren Augen sehen wir eine normale Infektlage für Ende Januar. Zwischen Ende Januar und Ende März kommt es jährlich zu vermehrten Luftwegsinfekten. Aktuell sind sicher viele der Infekte auf Influenza A zurückzuführen, wobei wir darauf nicht testen. Laut Daten des Bundes gibt es aktuell etwa 26 bestätigte Influenzafälle auf 100.000 Einwohner, was im Vergleich zum Vorjahr weniger ist.
Stefanie Junker: Die Grippewelle ist zu dieser Jahreszeit immer heftig, tatsächlich sind Erkältungen seit Corona ein ganzjähriges Phänomen, das gar nicht mehr so sehr wellenartig oder nur saisonal auftritt. Nach meinem Empfinden ist die Grippewelle zur Zeit nicht schlimmer als sonst. Im letzten Jahr gab es extrem viele Fälle, aber die Influenza-„Saison“ fängt ja auch jetzt erst so richtig an.

Welche Krankheiten gehen besonders herum?
Joachim Füllenbach: Die meisten Kinder, die wir aktuell sehen, werden Influenza A haben. Die Kinder haben hohes Fieber, starken, trockenen Husten und sind meist sieben bis zehn Tage krank.
Stefanie Junker: Wir testen tatsächlich in der Praxis gar nicht, so dass ich nicht sicher sagen kann, welche Erreger gerade besonders im Umlauf sind. Im Januar und Februar kommen jedes Jahr viele Influenza-Fälle vor. Die Therapie bleibt bei allen Virusinfekten gleich - nämlich symptomatisch. Aktuell melden sich viele Patienten mit Fieber und Husten.
Kinder und Jugendliche sollen besonders betroffen sein – stimmt das?
Joachim Füllenbach: Ja, die Erkrankung betrifft meist Kinder und Jugendliche, wir sehen aber auch betroffene Säuglinge.
Stefanie Junker: Grundsätzlich sind alle Altersgruppen betroffen, wobei die ganz Alten scheinbar nicht so häufig krank werden - oder sich nicht in der Praxis melden. Gefährlich sind schwere Verläufe bei Säuglingen, chronisch Kranken und Hochbetagten.
Was können Betroffene machen?
Joachim Füllenbach: Viel trinken, gerne Tee oder Milch mit Honig, bei Bedarf Fieber senken, ausruhen und Sport erst wieder nach vollständiger Genesung.
Stefanie Junker: Betroffene sollten vor allem Abstand zu anderen Personen halten, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Nicht jeder erkältete Patient muss zwingend zu Hause bleiben - aber alles, was wir von Corona über Hustenetikette und Abstandsregeln gelernt haben, sollte weiter gelten. Bei Fieber sollte man sich schonen und zu Hause bleiben. Ansonsten helfen Hausmittel wie frei verkäufliche Medikamente aus der Apotheke mäßig, die Dauer der Erkrankung lässt sich kaum beeinflussen.
Ab wann sollte man ärztliche Hilfe holen?

Stefanie Junker: Wenn man zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf gehört und ausgeprägte Symptome hat, wenn das Fieber sich nicht senken lässt, wenn Luftnot oder andere Komplikationen auftreten.
Joachim Füllenbach: Bei stark reduziertem Allgemeinzustand, Trinkverweigerung und fehlender (wenn auch nur kurzfristiger) Besserung nach Gabe von Ibuprofen/Paracetamol.
Sollte man sich jetzt „noch schnell“ impfen lassen, falls noch nicht geschehen?

Stefanie Junker: Klares Ja! Bis der Impfschutz nach der Grippeimpfung eintritt, dauert es ca. 10 bis 14 Tage - der Winter ist noch lange nicht vorbei. Wir haben noch ausreichend Impfstoff lagernd.
Wie kann man sich schützen?
Joachim Füllenbach: Im Herbst impfen!

Stefanie Junker: Abstand halten!
