„Deeskalation ist etwas, das man der ganzen Menschheit wünschen könnte“
LP-Thementag Sicherheit – Gesundheitswesen
- Kreis Olpe, 08.03.2026
- Gesundheit & Medizin
- Von Lorena Klein
Kreis Olpe. Wenn Menschen in schwierigen Situationen sind und Hilfe benötigen oder erwarten, kann sich eine negative Grundstimmung schnell zum Konflikt entwickeln. Das erleben auch Mitarbeiter im Gesundheitswesen immer mehr. Marlon Lorsbach, Sozialarbeiter bei den GFO Kliniken Südwestfalen, ist Deeskalationstrainer und gibt seinen Kollegen Werkzeug an die Hand, damit solche Konflikte nicht außer Kontrolle geraten.


Die umfangreiche Ausbildung zum Therapeuten für systematisches Anti-Gewalt, Konflikt- und Deeskalationstraining – so lautet die vollständige Bezeichnung – hat Marlon Lorsbach 2021 gemacht. Seit 2022 bietet der Sozialarbeiter sowohl intern für die Mitarbeiter der GFO Kliniken in Olpe und Lennestadt als auch in der Selbstständigkeit für andere Arbeitgeber Deeskalationstrainings an.
Das Thema Deeskalation spielt in vielen Lebensbereichen eine immer größere Rolle, weiß Marlon Lorsbach, der beispielsweise auch schon Trainings für das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit veranstaltet hat.





„Die Anfragen sind schon gestiegen“, beschreibt er seinen Eindruck. „Ich habe das Gefühl, dass die Frustrationstoleranz der Menschen in den vergangenen Jahren gelitten hat.“ Im Gesundheitswesen betreffe dies zum Beispiel Situationen, in denen Wünsche und Forderungen der Patienten auf die Schnelle nicht realisierbar seien. Frust wegen langer Wartezeiten, Schwierigkeiten bei den Terminkapazitäten, äußere Umstände wie die Parksituation.
„Das Gesundheitssystem hat sich durch die Politik auch verändert“, so Marlon Lorsbach. Die Ursachen für Unzufriedenheit oder Gereiztheit bei den Patienten sind vielschichtig. Doch das Personal merkt: Vor allem verbale Entgleisungen, Beleidigungen und Abwertungen gegenüber ihnen häufen sich.
Bei der Deeskalation gehe es darum, Konflikte bereits im Keim zu ersticken, erklärt Marlon Lorsbach. „Sie findet meist auf persönlicher, emotionaler Ebene statt. Kern ist eine gewaltfreie Kommunikation und beim Gegenüber zu erkennen, was eigentlich los ist und ihn da abzuholen.“ Denn die Patienten, so der Deeskalationstrainer, seien in der Regel nicht wütend auf das Personal selbst. „Hinter der Wut steckt meist ein übergeordnetes Problem.“

In akuten Situationen, wenn es zum Übergriff kommt, steht der Selbstschutz an erster Stelle. „Dann ist eine entschiedene, schnelle Handlung wichtig“, so Marlon Lorsbach. Dabei handele es sich jedoch nicht mehr um Deeskalation, sondern um Selbstverteidigung. Jede Extremsituation wird auch im Team nachbesprochen.
Für das Team der Psychiatrie ist das Deeskalationstraining alle zwei Jahre verpflichtend, andere Mitarbeiter der GFO Kliniken Südwestfalen haben aber ebenfalls die Möglichkeit, daran teilzunehmen. „Deeskalation ist mehr als eine Methode“, betont Marlon Lorsbach. „In dem Moment, wo man eine andere Haltung einnimmt, wegkommt von Schuldzuweisungen und Verantwortung für sein eigenes Handeln übernimmt, verändert sich viel.“

Sowohl beruflich als auch privat habe dies positive Auswirkungen, erklärt der Sozialarbeiter und verweist auf den Animationsfilm „Alles steht Kopf“, in denen die fünf Grundgefühle – Freude, Trauer, Angst, Wut und Ekel – lebendig werden. In Zeiten vieler Krisen und einer sich verändernden Gesellschaft haben diese Gefühle oft zu wenig Platz, findet er. „Deeskalation ist deshalb etwas, das man der ganzen Menschheit wünschen könnte.“
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