Christkind, Osterhase und Zahnfee adé - willkommen in der Realität

LP-Randnotizen


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Aus Kindern werden kleine Leute. Das zeigt sich, wenn die gutgläubige Phantasie des Nachwuchses plötzlich in kritisch beäugte Realität umschlägt…


Ach, waren das noch Zeiten, als das Christkind die Geschenke brachte, der Osterhase Eier versteckte und die Zahnfee die Milchzähne einsammelte. Als Nikolaus und Knecht Ruprecht in der Nacht die bereitgestellten Kekse futterten und die Elfen den Wunschzettel von der Fensterbank pflückten.

Aufklärung im Supermarkt

Aus und vorbei. Ganz plötzlich. Wie bei der Kollegin: Als sie mit ihrer vierjährigen Tochter im Supermarkt einkauft, tönt die Kleine plötzlich lautstark: „Sach mal, Mama, bringt eigentlich das Christkind die Geschenke oder ihr?“ Die Umstehenden schmunzeln, als Mama sich in schwammige Erklärungsversuche flüchten will. Keine Chance: Die Vierjährige will es genau wissen: „Und der Osterhase – gibt es den?“

Mitten im Supermarkt wird das Mädchen „aufgeklärt“. Um dann lauthals zu rufen: „Welcher Hase ist auch so blöd und schleppt so viele Eier?“

Lukrative Geschäftsbeziehung

Auch bei Mama Nummer 2 ist die Realität mit brachialer Gewalt eingezogen: Der achtjährige Sohn verliert seinen siebten Zahn. Und versteckt ihn – wie schon sechs Mal zuvor – unter dem Kopfkissen. Verständlich, hat sich die Geschäftsbeziehung zur Zahnfee doch schon als sehr lukrativ entpuppt. Und prompt findet er am nächsten Morgen ein kleines Geschenk in seinem Zimmer.

Kurze Zeit später findet auch die Mama etwas – nämlich einen entrüsteten Brief ihrer zehnjährigen Tochter, festgepinnt an der Zimmertür: „Liebe Zahnfee, warum bekommt mein Bruder auch zum siebten Milchzahn noch ein Geschenk – und ich nur bis zum sechsten???“ Auch hier kam Frau nicht um aufklärende Worte herum...

Liebe Eltern: Willkommen in der grausamen Realität der phantasielosen Tatsachen. Die Jugend von morgen verlangt nach ungeschminkten Wahrheiten. In diesem Sinne: nicken, lächeln, erklären, durchhalten!

Kerstin Sauer

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