Barbie – mehr als nur eine Puppe

LP-Randnotizen


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 von LokalPlus
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„Ist das dein Ernst?“ fragt mich meine Mutter, als ich ihr erzähle, dass ich gerade auf dem Weg ins Kino bin, um den Barbie-Film anzuschauen. Im Schlepptau habe ich meine elfjährige Tochter, ihre 15-jährige Freundin und meinen 14-jährigen Sohn, der nur mitgekommen ist wegen der Nachos mit Käse.


Als der Barbie-Film rauskam, dachte ich irgendwie an nichts. Doch dann machten mich die starken Verkaufszahlen, die kontroversen Kritiken und die Botschaft dahinter sehr neugierig. Ich wurde nicht enttäuscht – aus meiner Sicht ist der Film eine starke Satire auf ein überholtes Weltbild.

Der Barbie-Film ist ein Spiegel der Gesellschaft: Er zeigt Frauen, die sich emanzipieren und um Gleichstellung kämpfen und Männer, die sich auf den ersten Blick nur schwer damit zurechtfinden können. Er spiegelt auf schmerzliche Weise das Rollenbild der Frauen und Männer wieder. Gönnerhaft werden die Männer gegenüber den Frauen dargestellt, sexistisch, unterdrückend, selten wertschätzend. Die Frauen himmeln sie an, geben ihre Ideen vom Leben für die Männer auf.

Niemand hat die Frauen je gefragt, ob sie so in der Gesellschaft wahrgenommen werden möchten und es hat auch nie jemand die Männer gefragt, ob sie mit ihrer Rolle als Patriarch einverstanden sind. Das hat sich im Laufe der Menschheit – warum auch immer – so entwickelt.

Gleichstellung für alle

Und auch das zeigt der Film: Männer, die mit ihrer Rolle als Machthaber im Unterbewusstsein unglücklich sind, denken, sie müssten eine Funktion aufrechterhalten, der sie vielleicht gar nicht entsprechen (möchten). Männer, die Verantwortung abgeben und sie selbst sein wollen, ohne eine Erwartung zu erfüllen.

Am Ende des Films wollen alle dasselbe – die Gleichstellung. Verantwortung, Macht, Möglichkeiten, Gefühle und Lebensvorstellungen sollen für Mann und Frau den gleichen Wert haben.

Wir erleben einen starken Wandel der Zeit, der auch eine Veränderung der Geschlechterrollen bedeutet. Mit großer Wucht macht der Barbie-Film darauf aufmerksam. Er ist aus meiner Sicht das i-Tüpfelchen in Zeiten der Gleichstellungs-, Gender- und MeToo-Debatte.

Großwerden mit einem neuen Bild

Meine jungen Begleiter haben den Barbie-Film durchwachsen betrachtet. Sie haben das Thema vielleicht nicht so wahrgenommen wie ich. Möglicherweise liegt es daran, dass sie die Veränderung des Frauen- und Männerbildes in ihrem Aufwachsen erleben und es ihnen nicht so bewusst ist wie den älteren Generationen.

Vielleicht ist der Barbie-Film an manchen Stellen etwas überzogen. Aber jede Satire hat nun mal die beste Wirkung, wenn sie auch ein bisschen weh tut.

Ein schönes Wochenende wünscht

Claudia Wichtmann

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