ASP-Eindämmung: „Manchmal sind Zäune nicht schön, aber eben notwendig“
WLV-Kreisverband zu Grünen-Forderungen
- Kreis Olpe, 20.09.2026
- Politik
Kreis Olpe. Der Bericht „Grüne fordern mehr Tier- und Naturschutz bei ASP-Zäunen“ hat Bernd Eichert, den stellvertretenden Vorsitzenden des WLV-Kreisverbandes Olpe, auf den Plan gerufen. „Die Forderungen der Grünen nach mehr Tier- und Naturschutz bei den ASP-Schutzzäunen haben bei mir Kopfschütteln ausgelöst“, teilt er mit. In seiner Stellungnahme im Namen der heimischen Landwirte schreibt er:

„Selbstverständlich müssen vermeidbare Beeinträchtigungen reduziert und problematische Zaunabschnitte überprüft werden. Was mir jedoch fehlt, ist die notwendige Gewichtung der Interessen. Wir bekämpfen hier keine theoretische Gefahr, sondern die Afrikanische Schweinepest – eine für Haus- und Wildschweine nahezu immer tödlich verlaufende Tierseuche. Die errichteten Barrieren stehen nicht zum Vergnügen in unseren Wäldern, sondern sollen eine weitere Ausbreitung verhindern.




Beim Wolf erleben Weidetierhalter seit Jahren eine ganz andere Debatte. Dort werden Herdenschutz und Einzäunung immer wieder eingefordert. Unsere Hinweise, dass immer höhere und aufwändigere Einfriedungen Lebensräume beeinträchtigen, Wildwechsel behindern und für die Betriebe einen enormen Aufwand bedeuten, hatten dabei nur begrenztes Gewicht.
Dabei wäre beim Wolf eine immer umfangreichere Einzäunung nicht die einzig denkbare Antwort. Ein gezieltes Wolfsmanagement, das neben dem Herdenschutz auch die Regulierung von Beständen und die Entnahme problematischer Tiere ermöglicht, könnte den Aufwand begrenzen. Wer die Zerschneidung von Lebensräumen beklagt, sollte diese Diskussion konsequenterweise auch beim Wolf führen.

Umso schwerer ist für mich nachvollziehbar, warum ausgerechnet bei der ASP-Bekämpfung die Auswirkungen auf andere Wildtiere so stark in den Vordergrund gerückt werden. Hier geht es unmittelbar um die Bekämpfung einer gefährlichen Tierseuche und damit um den Schutz von Wild- und Hausschweinen sowie landwirtschaftlichen Betrieben.

Nicht nur die Schweinehalter im Kreis Olpe sind darauf angewiesen. Landwirte in ganz Nordrhein-Westfalen sind froh darüber, dass hier alles darangesetzt wird, das Seuchengeschehen räumlich zu begrenzen. Hinter der Seuchenbekämpfung stehen landwirtschaftliche Betriebe und Familien, die erhebliche wirtschaftliche Belastungen tragen und teilweise um ihre Existenz kämpfen.
Kritisch sehe ich auch Forderungen nach einem möglichst schnellen Rückbau. Selbst nach einem hoffentlich erfolgreichen Zurückdrängen der ASP muss der Abbau vorsichtig und nach fachlichen Kriterien erfolgen. Es wäre fatal, Schutzmaßnahmen vorschnell zurückzunehmen und anschließend erneut vor einem Ausbruchsgeschehen zu stehen.

Und ja: Eine konsequente Seuchenbekämpfung hat Nebenwirkungen. Lebensräume können zerschnitten, Wildtiere in ihrem Verhalten beeinträchtigt und einzelne Tiere verletzt werden. Das sollte niemand schönreden. Aber man kann sich nicht waschen, ohne nass zu werden.
Wer eine gefährliche Tierseuche wirksam bekämpfen will, muss akzeptieren, dass solche Maßnahmen Zielkonflikte und Nachteile mit sich bringen können. Die Vorstellung, man könne die ASP konsequent bekämpfen und gleichzeitig sämtliche Auswirkungen auf Natur und andere Wildtiere ausschließen, ist unrealistisch.
Wer beim Wolf Herdenschutz und Einzäunung einfordert, sollte auch bei der ASP anerkennen, dass solche Maßnahmen trotz ihrer Nachteile erforderlich sein können. Manchmal sind Zäune nicht schön und haben unerwünschte Nebenwirkungen. Aber manchmal sind sie eben notwendig.“
