Asiatische Hornisse breitet sich im Kreis Olpe weiter aus
Honigbiene gehört zum Speiseplan
- Kreis Olpe, 28.09.2026
- Verschiedenes
- Von Nils Dinkel
Kreis Olpe/Helden. Noch tragen die Bäume ihr Laub. Doch mit fortschreitendem Herbst werden ihre Kronen kahler – und damit können Nester sichtbar werden, die bislang verborgen waren. Darunter könnten auch Nester der Asiatischen Hornisse sein. Die invasive Art hat sich inzwischen im Kreis Olpe weiter ausgebreitet. In Helden wurde zur Bekäümpfung jetzt erstmals eine 30-Meter-Lanze eingesetzt.

Die Asiatische Hornisse steht weiterhin auf der EU-Liste invasiver Arten. Allerdings hat sich der Umgang mit ihr geändert. „Das Bundesamt für Naturschutz hat die Art im März 2025 als in Deutschland ‚etabliert‘ eingestuft. Seither sind Beobachtungen der Art (egal ob Einzeltiere oder Nester) nicht mehr meldepflichtig bei den Naturschutzbehörden“, erklärt Holger Böhler, Pressesprecher des Kreises Olpe.
Trotzdem erhält die untere Naturschutzbehörde weiterhin Hinweise. Auch Einträge im Neobiota-Portal des Landes NRW zeigen: Die Zahl der Nester im Kreisgebiet steigt. Während 2023 und 2024 nur wenige Vorkommen im westlichen Kreisgebiet bekannt wurden, hat sich die Asiatische Hornisse inzwischen auch in Richtung Osten ausgebreitet. Die Besiedlungsdichte sei allerdings weiterhin deutlich geringer als beispielsweise im Bergischen Land.

Sorgen bereitet vor allem der Speiseplan der invasiven Hornisse. Zu ihrer Beute gehören andere Wespen, Schwebfliegen, Käfer und Schmetterlinge. Auswirkungen auf die heimische Artenvielfalt seien deshalb zu befürchten, auch wenn konkrete Studien dazu laut Kreis bislang weitgehend fehlen.
Besonders im Fokus stehen Honigbienen. Die Asiatische Hornisse kann diese effizient in unmittelbarer Nähe ihrer Bienenstöcke erbeuten. Heimische Imker berichten immer wieder von entsprechenden Beobachtungen. Mit weniger Honigbienen könnte zugleich deren Bestäubungsleistung für Nutzpflanzen beeinträchtigt werden.
Der Kreis selbst ist seit dem Wegfall der Meldepflicht nicht mehr aktiv an der Bekämpfung beteiligt. Gehen dennoch Fotos bei der unteren Naturschutzbehörde ein, prüfen deren Mitarbeiter die Art. Handelt es sich eindeutig um eine Asiatische Hornisse und wurde ein Nest entdeckt, kann die Behörde Kontakte zu Imkervereinen oder Wespen- und Hornissenberatern vermitteln. Bei einzelnen Tieren bittet der Kreis darum, die Beobachtung im Neobiota-Portal des Landes NRW einzutragen.

Wer ein vermeintliches Nest der Asiatischen Hornisse entdeckt, sollte vor allem nicht vorschnell handeln. „Unverzichtbar ist eine saubere Artdiagnose, denn Verwechselungen mit der besonders geschützten einheimischen Hornisse müssen unbedingt vermieden werden“, so Böhler. Wer sich trotz Fotos und Bestimmungshilfen im Internet nicht sicher ist, könne weiterhin ein Foto an die untere Naturschutzbehörde schicken.
Zum ersten Mal ist am Mittwoch, 23. September 2026, die neue 30-Meter-Lanze des Kreisimkerverbandes zur Bekämpfung eines Nestes der Asiatischen Hornisse zum Einsatz gekommen. Der anspruchsvolle Einsatz fand in Helden statt und stellte die Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen. Dem Einsatz war eine dreiwöchige Suche nach dem Nest vorausgegangen. Erst durch die große Unterstützung der Heldener Bevölkerung konnte der Standort des Nestes ermittelt werden.

Insgesamt zehn Beteiligte, Wespen- und Hornissenberater und Imker, beteiligten sich an der Aktion. Die Arbeiten wurden dadurch erschwert, dass sich im unteren Bereich des Baumes kaum Äste befanden, an denen die neue Lanze sicher geführt werden konnte. Unterstützt wurde die Maßnahme durch eine WLAN-Kamera, mit deren Hilfe die Positionierung der Lanze in der Baumkrone überwacht werden konnte.
Während des rund zweistündigen Einsatzes wurden zunächst 100 Gramm Aktivkohle mit Druckluft in das Nest eingeblasen. Nach einer Wartezeit von 15 Minuten folgte eine zweite Behandlung mit weiteren 50 Gramm Aktivkohle. Ziel der Maßnahme war es, die im Nest befindlichen Hornissen effektiv zu bekämpfen.
Eine vollständige Zerstörung des Nestes war aufgrund der Höhe und der dichten Baumkrone jedoch nicht möglich. Es wird davon ausgegangen, dass das Nest infolge der Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen zusammenbrechen wird. Um den Erfolg der Maßnahme zu kontrollieren, werden sogenannte Dochttöpfe aufgestellt und die Aktivitäten am Nest weiter beobachtet.
