Acht angehende Mediziner lernen das Landarztleben im Kreis Olpe kennen
„Localhero“: Nachwuchsgewinnung für Praxen
- Kreis Olpe, 11.08.2022
- Verschiedenes
- Von Sigrid Mynar
Kreis Olpe/Fahlenscheid. Selbst das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, als Landrat Theo Melcher das Projekt „Localhero“ zur Förderung der medizinischen Versorgung auf dem Land vorstellte und die Beteiligten am Mittwochnachmittag, 10. August, an der Skihütte Fahlenscheid miteinander ins Gespräch brachte.




Theo Melcher machte deutlich, dass der Kreis Olpe es nicht dem freien Spiel der Kräfte überlassen werde, dem Mangel an Landärzten entgegenzuwirken. Er sei deshalb froh, dass es gelungen sei, Studentinnen und Studenten der Allgemeinmedizin der Uni Witten-Herdecke in acht Landarztpraxen des Kreises ein Praktikum anzubieten.
Koordiniert wird das Projekt von Christina Röcher, die seit April die neu geschaffene Servicestelle für Ärztinnen und Ärzte des Kreises leitet. „Der Ärztemangel in der ländlichen Region wird immer spürbarer, dem müssen wir entgegenwirken“ erklärte dazu der Landrat.
Melcher bedankte sich bei allen, die dazu beigetragen hätten, die Praktika zu ermöglichen. Bei Stefan Spieren, der das Projekt aus ärztlicher Perspektive begleitet, und Frederike Weber, die den Studierenden einen Einblick in ihre Tätigkeit als Ärztin in Weiterbildung im Kreis Olpe gewährt.


Die Institute für Allgemeinmedizin an den Unis Duisburg-Essen, Düsseldorf, Bochum und Witten-Herdecke entwickelten das Lehrkonzept, das Praktika in Landarztpraxen beinhaltet. Ein Ziel der Initiatoren ist es, durch die Praktika mit Vorurteilen aufzuräumen, die immer noch mit der Landarzttätigkeit verbunden sind. Die Projektphase läuft für 75 Studierende über drei Jahre bis 2024 und wird vom Bund mit 1,7 Millionen Euro gefördert.
Schon nach wenigen Tagen im Praktikum scheinen einige Vorurteilen ausgeräumt zu sein: Unisono zeigten sich die acht Studierenden von der hochmodernen medizinischen Ausstattung der Landarztpraxen beeindruckt. „Bis hin zu Videosprechstunden“ nutzen die Ärzte hier die technischen Möglichkeiten, begeisterte sich Justus Klein, der sein Praktikum in Olpe macht.
Beeindruckt zeigten sie sich auch von der fachlichen Begleitung durch die Landärzte, bei denen sie ihre Praktika absolvieren. „Man spürt, dass sie sich für uns interessieren. Ganz anders als in großen Kliniken, nimmt man sich hier Zeit für uns. Wir fühlen uns hier willkommen.“ Und alle fanden den persönlichen Bezug, den Landärzte zu ihren Patienten haben, als bereichernd für den Arztberuf.

Und was denken die Praktikanten über den Kreis Olpe? Sie arbeiten in Hünsborn, Bilstein, Altenhundem, Attendorn, Gerlingen, Heggen und Drolshagen und wohnen in dieser Woche zentral in Olpe. „Nein, ich wusste bisher nichts vom Sauerland oder Südwestfalen“ äußerten sich fast alle.

Dass der Kreis Olpe eine industriestarke Region ist, dass der Biggesee, den sie beim Stand-up-Padding am Montagabend kennenlernten, so riesig ist und dass man hier sogar Skigebiete habe – all das habe sie echt überrascht.

Wohin sie sich nach ihrem Studium räumlich orientieren, können sie jetzt noch nicht sagen. Aber eine ländliche Region wie das Sauerland sei gut vorstellbar, um sich hier niederzulassen. Und genau das solle das Projekt „Localhero“ bewirken: künftigen Ärztinnen und Ärzten die Region erlebbar und schmackhaft zu machen, strahlte Landrat Theo Melcher.
