Traumberuf Pflegerin: „Der Mensch steht im Mittelpunkt“

Der Arbeitsalltag von Pflegefachkraft Iris Henrichs


  • Kirchhundem, 29.09.2018
  • Von Christine Schmidt
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Iris Henrichs liebt ihren Job: Sie arbeitet als Pflegefachkraft. von Christine Schmidt
Iris Henrichs liebt ihren Job: Sie arbeitet als Pflegefachkraft. © Christine Schmidt

Kirchhundem. Schon seit ihrem 18. Lebensjahr gibt sie für ihren Traumberuf alles. Was für manche nur schwer vorstellbar ist, ist für sie eine Herzensangelegenheit: Iris Henrichs aus Herrntrop arbeitet als Pflegefachkraft für die mobile Pflege der GFO. Sie liebt ihre Arbeit. LokalPlus hat sie einen Vormittag lang begleitet.


Dienstagmorgen. Schon seit 6 Uhr ist Iris Henrichs unterwegs und hat bereits die ersten Klienten besucht. Jetzt geht es nach Heinsberg. Es ist noch dunkel und der Nebel hängt über den Bäumen. Kalt ist es geworden. Der Herbst ist definitiv da. In ihre dunkelblaue Fleecejacke eingemummelt sitzt die 50-Jährige in ihrem Dienst-Auto.

Seit eineinhalb Jahren arbeitet die Herrntroperin bei der GFO (Gemeinschaft der Franziskanerinnen zu Olpe); aber schon ihr Leben lang in einem Pflegeberuf. Henrichs ist gelernte Krankenschwester. Schon immer war sie von diesem Berufsfeld fasziniert. Sie lächelt, wenn sie davon erzählt. Dann in die ambulante Pflege zu wechseln, hörte sich für die 50-Jährige optimal an: „Du kannst selber entscheiden und eigenverantwortlich arbeiten.“ Genau ihr Ding.
Hinter der Tür wartet schon jemand
Die nächste Klientin wartet. Sie steht schon hinter ihrer Glastür, um Iris Henrichs zu empfangen. Etwas schüchtern sagt die Frau „Guten Morgen“. Sonst kommt Henrichs ja auch immer ohne Begleitung. „Was ist das denn für eine Begrüßung?“, fragt die Pflegerin die ältere Dame, lacht und drückt sie herzlich. Die 67-Jährige freut sich, dass die Pflegefachkraft da ist: „Wenn mir was auf der Seele brennt, kriege ich immer einen Rat.“ Nach ein paar Minuten ist die Schüchternheit der Klientin verflogen.

Seit rund zwei Jahren ist die GFO auch in Kirchhundem niedergelassen. Mit vier fachlich ausgebildeten Pflegekräften ist das Unternehmen in der Gemeinde aufgestellt. Rund 23 Pflegepatienten sind auf die Hilfe des Teams angewiesen. Waschen, anziehen, Medikamente verabreichen, Spritzen geben, Verbände wechseln – alles alltägliche Aufgaben. Auch Hauswirtschaftsdienste bietet die GFO an, um den Menschen unter die Arme zu greifen.
Lachen muss sein - ein Blick auf die Uhr auch
Die 67-jährige Heinsbergerin wird an diesem Morgen für den Tag fertig gemacht. Iris Henrichs nimmt die Dame mit ins Badezimmer und schließt die Tür. Geduscht wird heute nicht. Wann, dürfen die Klienten selbst entscheiden. Spaß haben die zwei. Immer wieder hört man ihr Lachen. Im Hintergrund tickt eine Standuhr. Nach rund zehn Minuten sind sie schon fertig. Henrichs zieht der älteren Dame behutsam eine Art „Korsett“ und eine braune Strickjacke an.

„Ich bin wirklich sehr zufrieden mit dem Pflegedienst“, betont die Klientin laut und deutlich. „Das ist keine Abfertigung.“ Iris Henrichs strahlt und fasst sich strahlend ans Herz: „Ach, jetzt werde ich ja fast rot“. Die gutgelaunte Pflegefachkraft streichelt der Frau über die Schulter: „Wir lachen auch immer sehr viel, woll? Da vergessen wir manchmal fast, was wir machen wollten.“ Ein Blick auf die Uhr zeigt ihr aber dann, dass es Zeit ist, weiterzuziehen. Sie zieht ihre Jacke über das orangefarbene GFO-T-Shirt und verabschiedet sich. Bis zum nächsten Mal.
 von Christine Schmidt
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Mit dem kleinen orange-weißen Elektroauto geht es weiter zum nächsten Patienten. Henrichs muss die Zeit immer im Blick haben. Gestresst oder abgehetzt wirkt sie aber nicht. „Wenn man für den Menschen keine Zeit hat, geht das nicht“, sagt sie mit ernster Miene. Sie sowie ihre Kolleginnen haben die Einstellung: „Der Mensch steht im Mittelpunkt.“

Wie lange die Pflegerinnen vor Ort sind, ist ganz individuell. Je nachdem was die Klienten brauchen. Natürlich müssen sie auf die Uhr achten. Aber sie versuchen immer, sich Zeit zu nehmen. „Und wenn etwas Wichtiges ist, nimmt man sich auch gerne mal ein paar Minuten mehr“, sagt Henrichs und lächelt.
Angehörige können Pflege selten leisten
Für den nächsten Klienten braucht die blonde Pflegefachkraft mehr Zeit; er sitzt im Rollstuhl. Iris Henrichs hat von allen Pflegebedürftigen einen Wohnungs-Schlüssel – nicht alle können ihr die Tür öffnen. „Guten Morgen, hier ist der Weckdienst“, ruft sie mit ihrer lockeren und lauten Stimme durch den Flur. Sie zieht die Rollos im Schlafzimmer hoch. Hier ist es sehr warm. Deshalb wird gelüftet.

Der Patient, ungefähr Mitte 50, liegt noch im Bett. Er hatte einen Schlaganfall und ist nun auf die Hilfe des Pflegedienstes angewiesen. Henrichs, die Mutter von zwei erwachsenen Kinder ist, erklärt, dass manche der Klienten zwar noch Angehörige haben, diese die Pflege aber nicht übernehmen können: „Die Kinder oder Partner sind eben auch berufstätig“, erklärt die 50-Jährige, „außerdem sind wir natürlich auch vom Fach“.
„So“ ist ihr Lieblingswort
Das Verhältnis zwischen dem Klienten und der Pflegerin ist gut. Beide lachen viel und ständig wird gescherzt. „Ich dachte, du schenkst mir jetzt einen Kaffee ein“, lächelt der Mann, als Henrichs ihm die Beine wäscht. „So“, sagt die zweifache Mutter und wirft ihr blondes Pony nach hinten. So: Ihr Lieblingswort, das häufig bei ihr fällt. Denn sie erklärt immer, was sie gerade macht. Sowieso redet die 50-Jährige viel. Schweigen gibt es bei ihr nur selten. Irgendwas hat sie immer zu erzählen. Denn so könne sie sich schon während der Pflege Zeit für private Gespräche mit den Menschen nehmen, erklärt die Pflegerin.

Und das macht sie auch sehr gerne. „Manchen erzählt man auch Privates. Die Leute wachsen einem teilweise wirklich ans Herz“, sagt Iris Henrichs, „die merken sofort, wenn mich mal etwas bedrückt.“ Aber grundsätzlich hat das Pflege-Team die Einstellung, dass man die schlechte Laune vor der Tür lassen muss.
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Patienten aus dem Bett oder in den Stuhl zu heben, gehört für Iris Henrichs natürlich auch zu den Aufgaben. „Wenn man da einmal falsch greift, kann man sich auf einmal nicht mehr bewegen“, erklärt sie. Deshalb muss das gelernt werden. „Toi toi toi, bislang habe ich nichts an meinem Rücken“, sagt die Mutter, klopft aufs Holz und grinst dabei.

Sie schiebt den Klienten mit dem Rollstuhl ins Bad. Rasieren und Zähneputzen schafft er alleine. Währenddessen fegt Henrichs wie ein Wirbelwind durch den Flur, macht das Bett im Schlafzimmer, leert die Urinflasche. Sie kommt ins Schwitzen und atmet schwerer. „Das ist auf jeden Fall anstrengend“, sagt sie und zupft an ihren Handschuhen. „Diese intensive Pflege können wir auch nur einmal am Tag machen. Zwei Klienten wären zu viel.“
Keine Berührungsängste
Beim Waschen und Anziehen hilft die Pflegerin ihrem Klienten. „So. Heute etwa in Grün? Das ist aber keine Farbe für dich, woll?“, fragt Iris Henrichs ironisch. Und wieder lacht sie. Mit ihrer direkten Art und einem Sauerländer Dialekt kommt sie gut bei den Menschen an. Und auch, weil sie die Leute ernst nimmt und fragt, was sie haben möchten: „Welche Schuhe möchten Sie denn heute anziehen? Ist das in Ordnung so? Was gibt es denn heute zum Mittag?“

Eins ist klar: Iris Henrichs brennt für ihre Arbeit. „Es ist eine Berufung“, sagt sie. Mit Berührungen, Gerüchen und extremen Fällen hat sie keine Probleme. Für sie ist es das Schönste, wenn sie von ihren Klienten ein Lächeln geschenkt bekommt und merkt, dass sie schon erwartet wird. „Die Menschen, die uns wirklich brauchen, schätzen unsere Arbeit sehr“, sagt die 50-Jährige mit hochgezogenen Augenbrauen. Nur die Allgemeinheit sehe das nicht so. Da werde der Beruf oft mit „Ihr putzt Leuten doch nur den Hintern ab“ betitelt.

Dabei steckt so viel mehr dahinter. Pflegerinnen wie Iris Henrichs werden gebraucht: die sich Zeit nehmen, ihre Klienten als Menschen behandeln und ihren Job mit Leidenschaft machen. Ganz nach dem Motto der GFO: „Ja, zur Menschenwürde“.
 von Christine Schmidt
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GFO
Die Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (GFO) ist eine karitative Trägergesellschaft mit rund 45 Einrichtungen aus den Bereichen Krankenhäuser, Altenhilfe und Kinder- und Jugendhilfe. Die Einrichtungen befinden sich in NRW und Rheinland-Pfalz und beschäftigen insgesamt mehr als 9.500 Mitarbeiter.
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