„Tante Liesel“ aus Heinsberg feiert ihren 100. Geburtstag
Elisabeth Jung erzählt ihre Geschichte
- Kirchhundem, 23.03.2021
- Dies & das
Heinsberg. Elisabeth Jung, bei den Heinsbergern als „Tante Liesel“ bekannt, hat jetzt ihren 100. Geburtstag gefeiert. Am 15. März 1921 wurde sie geboren. Die Dorf-AG, vertreten durch den Vorsitzenden Christoph Henrichs, ließ es sich nicht nehmen, auf Abstand zu gratulieren.

Elisabeth Jung wurde als zweites von vier Kindern der Eheleute Heinrich und Anna Jung, geb. Poggel-Tigges, im Eichholz geboren. Der Vater Heinrich betrieb später eine eigene Forstbaumschule, die Mutter Anna war Schneidermeisterin. Das Elternhaus brannte 1937 ab und wurde – unweit der alten Stelle – neu erbaut.
In den Jahren 1927 bis 1935 besuchte „Tante Liesel“ die Volksschule in Heinsberg. Trotz Schule war die Mithilfe in Haus und Hof und auch bei den Großeltern selbstverständlich. Nach Beendigung der Schulzeit war Elisabeth Jung für eineinhalb Jahre als Haushaltshilfe in Finnentrop und Dortmund tätig. Eine weitere Ausbildung war wegen der Arbeit im Elternhaus nicht möglich.

Die Kriegsjahre brachten Leid und Armut für alle Bürger mit sich. Auch hier zeigte „Tante Liesel“ wie auch ihrer Mutter Bereitschaft, Menschen in Not beizustehen, indem sie polnischen Zwangsarbeitern in Heinsberg Essen zusteckten, obwohl dies unter Strafe stand.
Die überwiegend friedvolle Übergabe des Ortes an die amerikanischen Besatzer forderte nochmals für einige Zeit zusätzliche Opfer von allen Heinsbergern, als es galt zusammenzurücken, weil Häuser für die Einquartierung beschlagnahmt wurden.

Ihr jüngster Bruder Bernhard wurde im Sommer 1943 zum Arbeitsdienst eingezogen. Später wurde er nach Südfrankreich versetzt und verstarb dort nach seiner Gefangennahme Ende 1944. Tante Liesels Bruder Toni verbrachte fast drei Jahre als Kriegsgefangener bei Saint-Étienne auf einem Bauernhof.
In den 1960er Jahren absolvierte Elisabeth Jung einen Krankenpflegekurs beim DRK und war danach bis in die 1980er Jahre im Krankenhaus in Altenhundem tätig. In Heinsberg war sie als Jugendliche Mitglied der „Rabauken“, einer Clique von Gleichaltrigen, die häufig etwas gemeinsam unternahmen.

„Tante Liesel“ erinnert sich gerne an die Schulzeit und auch die Jahre danach. Da war das Dorf noch überschaubarer und der Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft sei wesentlich größer als heute gewesen. „Früher konnte man in den Nachbarhäusern einfach ein- und ausgehen. Keine Tür war verschlossen und man war immer willkommen“, berichtet die Heinsbergerin.
Auch das Rezept zum Altwerden verrät sie ohne Umschweife: Gelassenheit und Ruhe, in Maßen genießen, Beziehungen in der Familie und Freundschaften pflegen. Den Kontakt zu den jüngeren Generationen suchen und sich bewegen: Nichtstun und in der Ecke sitzen kennt Tante Liesel nicht, die auch jetzt noch ihren Handarbeiten nachgeht.
