KiBiz-Pläne machen Angst: „Kleine Kitas bangen um ihre Zukunft“

Zu Besuch im Elternvereins-Kindergarten „Kuckucksnest“ Heinsberg


  • Kirchhundem, 06.03.2026
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  • Von Kerstin Sauer
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Im „Kuckucksnest“ in Heinsberg ist die Welt in Ordnung – noch, sagen Sonja Sasse (r.) und Stephan Schwermer. Doch die Zeiten für Kitas, vor allem für die von Elternvereinen getragenen, sind nicht einfach. Und werden mit den derzeitigen Plänen der NRW-Landesregierung noch schwieriger werden. von Annika Köhler
Im „Kuckucksnest“ in Heinsberg ist die Welt in Ordnung – noch, sagen Sonja Sasse (r.) und Stephan Schwermer. Doch die Zeiten für Kitas, vor allem für die von Elternvereinen getragenen, sind nicht einfach. Und werden mit den derzeitigen Plänen der NRW-Landesregierung noch schwieriger werden. © Annika Köhler

Heinsberg. Klein, aber fein: Das ist der Kindergarten in Heinsberg, das „Kuckucksnest“. Getragen von einem Elternverein, beliebt bei den Eltern, mit Leben gefüllt von 44 Kindern und den Mitarbeitern. Ein modernes Gebäude, energetisch auf dem neuesten Stand, helle, freundliche Räume. Hier ist die Welt noch in Ordnung, könnte man meinen. Doch auch im „Kuckucksnest“ sorgen die KiBiz-Pläne des Landes NRW für Sorgen und Ängste…


Während viele Kindergärten in NRW zu großen Trägern wie der Caritas oder den WIR.KITAs gehören, werden einige wenige von Elternvereinen getragen. Sonja Sasse leitet das „Kuckucksnest“ in Heinsberg – und liebt ihre Arbeit in einer Kita, deren Geschicke von Ehrenamtlern geleitet werden. „Da oft Eltern im Vorstand vertreten sind, ist die Kita näher an ihrem eigenen Alltag. Die Dienstwege sind kurz, wir können unsere pädagogische Arbeit flexibel gestalten und haben viele Freiheiten.“

„Unsere Eltern sind super“

Eine Arbeit, die bei den Familien in und um Heinsberg gut ankommt: Die Warteliste für das „Kuckucksnest“ ist lang. „Unsere Eltern sind super“, betont Sonja Sasse. Und bezieht sich damit auch auf die Tage, an denen sie – was mehrmals im Jahr vorkommt – eine Bedarfsabfrage machen muss: Wenn zu wenig Personal da ist, muss sie bei den Eltern fragen, wer sein Kind zu Hause betreuen kann. „Da ist noch die Oma nebenan, die helfen kann. Unsere Eltern organisieren sich sehr gut. Auch wenn es ärgerlich ist, reagieren sie verständnisvoll.“

Mal noch. Setzt die NRW-Landesregierung ihre derzeitigen Pläne um, werden die finanziellen Engpässe aller Kitas größer werden. Personal- und Sachkosten steigen, während die Pauschale, die das Land pro Kind bezahlt, nicht hinterherkommt. Eine Situation, die vor allem für die kleinen Elternvereins-Kitas einem Genickbruch gleichkommt. „Kleine Kitas bangen um ihre Zukunft“, weiß Sonja Sasse.

Sonja Sasse und Stephan Schwermer teilen sich ein Büro. Der Bürokratieaufwand für die Verwaltung eines Kindergartens wird immer mehr und mehr – dementsprechend verbringen beide auch viel Zeit am Computer. von Annika Köhler
Sonja Sasse und Stephan Schwermer teilen sich ein Büro. Der Bürokratieaufwand für die Verwaltung eines Kindergartens wird immer mehr und mehr – dementsprechend verbringen beide auch viel Zeit am Computer. © Annika Köhler

Dem kann Stephan Schwermer nur zustimmen: Seit 18 Jahren ist er Geschäftsführer im Elternverein „Kuckucksnest“, leitet derzeit mit der 1. Vorsitzenden Carina Henrichs und der 2. Vorsitzenden Jennifer Hüttmann die Geschicke des Vereins. „Ein Kindergarten ist ein kleines Unternehmen, das wir als Ehrenamtler führen“, erklärt er. Zwar käme viel Unterstützung von der Caritas als Dachverband und vom Jugendamt des Kreises Olpe, aber, so sagt er: „Ich muss mit den Geldern, die mir zur Verfügung stehen, die Verwaltung – Gehälter, Renten, Investitionen etc. – am Laufen halten.“

Für Ehrenamtler kaum zu leisten...

Eine Arbeit im Bürokratiesystem Deutschland, die für Ehrenamtler kaum zu leisten ist: Den Kita-Betrieb müssen sie neben ihrem Beruf und der Familie in der Freizeit bewältigen. Ganz zu schweigen von der Verantwortung, die die Vorstandsmitglieder als Privatpersonen tragen. „Der Verwaltungsaufwand ist drastisch gestiegen. Kinderschutz, Arbeitsschutz, KiBiz – alles kommt zusammen. Und jedes Jahr kommt was Neues hinzu.“ Gleichzeitig werde das Geld immer knapper.

„Immer mehr Elternvereine geben auf”
— Sonja Sasse und Stephan Schwermer, Kindergarten „Kuckucksnest“ Heinsberg

Stephan Schwermer und Sonja Sasse wissen aus Gesprächen mit anderen Kitas und Vorständen: „Immer mehr Elternvereine geben auf.“ Dass das „Kuckucksnest“ in Heinsberg derzeit noch auf guten Füßen steht, liege daran, dass in dem recht neuen Gebäude die Nebenkosten so gering seien. „Sonst ständen wir auch ganz anders da“, weiß Stephan Schwermer.

Elternverein und Kita-Leitung haben das Wohl „ihrer“ Kinder fest im Blick – aber auch das der Mitarbeiter. „Der vom Land vorgegebene Personalschlüssel ist so knapp kalkuliert, dass niemand ausfallen darf“, erklärt Sonja Sasse. Vor allem die Herbst- und Wintermonate seien kräftezehrend gewesen.

Der nahende Frühling sei „ein Lichtblick“, so die Leiterin. Doch nicht jeden Tag ist Frühling – und die NRW-Politik „plant an der Realität vorbei“: „Es ist nicht durchdacht, kommt nicht aus der Praxis“, wissen Sonja Sasse und Stephan Schwermer. Ihr Wunsch? „Ein Personalschlüssel und eine Finanzierung, die an die Realität angepasst werden.“ Dann müsste keine Kita mehr um ihre Existenz bangen.

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