„Keine Energiewende, sondern Heimatwende“ – „Besorgte Bürger“ klären auf

Infoveranstaltung mit 80 Teilnehmern


  • Kirchhundem, 02.08.2025
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Die Initiative „Besorgte Bürger“ aus vier Orten an der Kreisgrenze zu Hilchenbach hatte zu einer Infoveranstaltung gegen die Umzingelung durch Windenergieanlagen auf den Wanderparkplatz Vorspanneiche bei Brachthausen eingeladen. von Hartmut Poggel
Die Initiative „Besorgte Bürger“ aus vier Orten an der Kreisgrenze zu Hilchenbach hatte zu einer Infoveranstaltung gegen die Umzingelung durch Windenergieanlagen auf den Wanderparkplatz Vorspanneiche bei Brachthausen eingeladen. © Hartmut Poggel

Brachthausen. Rund 80 Bürger aus Brachthausen und den umliegenden Orten sind am Freitag, 1. August, der Einladung der elfköpfigen Gruppe „Besorgte Bürger“ zu einer Informationsveranstaltung gegen den „maßlosen Windkraftausbau um die Kirchhundemer Dörfer“ gefolgt. Auf dem Wanderparkplatz Vorspanneiche oberhalb von Brachthausen sollte anhand eines Fesselballons die Höhe der geplanten Windenergieanlagen (WEA) visualisiert werden. Aufgrund böiger Winde gelang das nur teilweise.


Die Gruppe „Besorgte Bürger“, eine Initiative aus Albaum, Brachthausen, Heinsberg und Silberg, setzte mit dieser Veranstaltung ihre Aufklärungsaktion gegen die „Umzingelung“ der Orte an der Grenze zum Kreis Siegen-Wittgenstein fort. Auf einem Banner stand zu lesen: „Das ist keine Energiewende, sondern eine Heimatwende.“

Begonnen hatte die Kampagne mit einer Petition im April dieses Jahres. Mehr als 1.300 Personen haben bisher unterschrieben. Die Petition soll beim Kreis Olpe und der Bezirksregierung Arnsberg eingereicht werden. Ziel ist es, einen „Wildwuchs“ der WEA außerhalb der Vorrangzonen zu verhindern und eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Energieversorgung zu erreichen.

Die elfköpfigen Gruppe „Besorgte Bürger“ prangert den Verlust von Lebensqualität, Umwelt- und Naturschutz an. von Hartmut Poggel
Die elfköpfigen Gruppe „Besorgte Bürger“ prangert den Verlust von Lebensqualität, Umwelt- und Naturschutz an. © Hartmut Poggel

Auslöser dieser Bürgerinitiative war der exorbitante Anstieg der Anträge für WEA außerhalb der Vorrangzonen von 65 im Oktober 2024 auf 93 in diesem Frühjahr. Es gehe bei den Protesten, so die Initiative, nicht gegen Windkraftnutzung an sich, sondern deren ungebremste Ausuferung.

Wolfgang Exner aus Brachthausen zeigte den Besuchern der Veranstaltung auf eigens hergestellten Landkarten die Standorte: „Knapp an der Kreisgrenze und teils nur wenige Meter hinter ihr, die letzten noch flächigen Wälder werden einer Klientel- und Ideologiepolitik geopfert, die nichts mit Energiepolitik zu tun hat.“

„[...] die letzten noch flächigen Wälder werden einer Klientel- und Ideologiepolitik geopfert, die nichts mit Energiepolitik zu tun hat.”
— Wolfgang Exner aus Brachthausen

Das Fass endgültig zum Überlaufen brachte dann die Entscheidung des Kreises Olpe in unmittelbarer Nähe des Dollenbruchs zwischen Brachthausen und Silberg, außerhalb der vom Rat der Gemeinde Kirchhundem festgelegten Windvorrangzonen, acht weitere WEA mit einer Gesamthöhe von je 240 bis 250 Metern zu genehmigen.

„Das ist das älteste und größte zusammenhängende Naturschutzgebiet im Kreis Olpe“, weiß Alfred Bierhoff aus Brachthausen.

Damit setzte sich die Kreisverwaltung über einen einstimmigen Kirchhundemer Ratsbeschluss hinweg, der das Einvernehmen mit dem Bauantrag abgelehnt hatte. Pikanterweise ist das Unternehmen mit dem sperrigen Namen „Erneuerbare Energien Beteiligungs- und Entwicklungsgesellschaft im Kreis Olpe mbH (EEBE)“ Betreiberin der Anlagen: Die Gemeinde Kirchhundem ist wie der Kreis und die sieben Kommunen Anteilseignerin.

Der böige Wind ließ den mit Helium gefüllten Ballon nur auf rund 130 statt der erhofften 250 Meter steigen. von Hartmut Poggel
Der böige Wind ließ den mit Helium gefüllten Ballon nur auf rund 130 statt der erhofften 250 Meter steigen. © Hartmut Poggel

„Eine Machtdemonstration“, wie ein Besucher befand. Vonseiten der Besucher war immer wieder zu hören, dass es an Information und Transparenz aus Politik und Verwaltung fehle. „Es heißt, sensible Gebiete werden ausgeschlossen, die Räder stehen zehn Meter daneben. Und auch über die riesigen Größen dieser Anlagen wurden wir nie in Kenntnis gesetzt.“

Auf die Frage, ob es ein geologisches Gutachten über die Auswirkungen von Tausenden Tonnen Gewicht oberhalb von Trinkwasserschutzgebieten auf wasserführende Adern habe, antwortete Bierhoff: „Das Gutachten ist aus Kostengründen nie in Auftrag gegeben worden.“

Die Initiative hatte auch die Kommunalpolitik zum Dialog an die Vorspanneiche eingeladen. Einige entschuldigten sich für ihr Fehlen, andere reagierten erst gar nicht. Ausnahme: Die Fraktionsmitglieder von Bündnis 90/Die Grünen aus Silberg, Andrea Hartmann und Mike Warnecke, suchten das Gespräch am Wanderparkplatz.

Mit Infoveranstaltung und Petition ist die Kampagne im Übrigen nicht beendet. Alfred Bierhoff: „Ich habe am Morgen bei der Bezirksregierung Arnsberg eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen den Kreis Olpe eingereicht.“

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