Füttern, schmusen, spielen: „Ersatzfamilie“ zieht Wolfswelpen groß
Wölfin Finja im Panorama Park überraschend gestorben
- Kirchhundem, 03.06.2026
- Verschiedenes
- Von Lorena Klein
Rinsecke. Es ist ein wildes Gewusel und Gefiepe, wenn Taro, Coco, Smoky und Rosali durch das Quarantäne-Gehege des Panorama Parks toben. Für die vier tapsigen Wolfswelpen gibt es immer etwas zu entdecken oder zu beschnuppern. Zum Glück entwickeln sie sich super, freuen sich Parkchef Ingo Hamm und seine Frau Daniela. Denn kurz nach der Geburt der kleinen Wölfe starb Wolfsmutter Finja. Nun müssen die Jungtiere mit menschlicher Hilfe großgezogen werden.







Vor einem Monat, am 1. Mai, bekommt der Panorama Park Wolfsnachwuchs. Sieben Welpen bringt Mackenzie-Wölfin Finja zur Welt. Doch auf die Freude über die Wolfsbabys folgt etwa eine Woche später ein Schock.
An diesem Montagmorgen ist es ungewöhnlich ruhig um Wolfsmutter Finja. Im weitläufigen, mehr als 5.000 Quadratmeter großen Gehege kann sie niemand entdecken. Vielleicht brauche sie Ruhe, vermutet das Team des Parks zunächst, doch je mehr Zeit vergeht, desto größer wird die Sorge. „Schließlich haben wir Finja tot am Zaun gefunden“, erzählt Parkleiter Ingo Hamm.

Mit dem plötzlichen Tod der erst fünfjährigen Wölfin habe niemand gerechnet. Wenig später stellt sich heraus, dass Finja eine Gebärmutterentzündung hatte. „Sie hat sich fast bis zum Schluss nichts anmerken lassen“, sagt Ingo Hamm.
Der erste Gedanke, der dem Parkleiter beim Finden der toten Wölfin durch den Kopf geht: „Was ist mit den Welpen?“ Sofort habe er die Tierärztin angerufen, nach Fläschchen und Milch gefragt. „In so einer Situation waren wir noch nie“, betont Ingo Hamm.

Die erste Fürsorge für die Kleinen übernehmen intuitiv sofort die drei großen Schwestern aus dem vergangenen Wurf. „Sie haben sich gekümmert und die Welpen abgeschleckt“, erzählt der Parkleiter. Doch um die Welpen regelmäßig mit Milch zu versorgen, müssen sie zunächst von ihren älteren Geschwistern und Wolfspapa Ragnar separiert werden.
In der ersten Zeit bekommen die sieben Kleinen alle zwei Stunden spezielle Welpenmilch mit hohem Proteingehalt, nach einer Weile im vierstündigen Abstand. Parkleiter Ingo Hamm, seine Frau Daniela und auch ihre Kinder sind rund um die Uhr für die kleinen Wölfe da.

„Zuerst haben manche die Milch nicht vertragen“, berichtet Daniela Hamm von den anfänglichen Herausforderungen. Die Welpen seien geschwächt gewesen und besonders um den kleinen Taro habe sich die Familie Sorgen gemacht, ergänzt Ingo Hamm. Doch inzwischen sind alle sieben Jungtiere auf einem guten Weg. Drei von ihnen haben mittlerweile ein neues Zuhause in Österreich gefunden.
Taro, Coco, Smoky und Rosali bringen nun schon je drei Kilogramm auf die Waage, freut sich Daniela Hamm. Auch an feste Nahrung in Form von Hackfleisch werden sie langsam gewöhnt – genauso wie an ihre Wolfsfamilie, in die sie bald wieder integriert werden sollen.
Täglich geht es deshalb für die Welpen aus dem Innengehege für ein bis zwei Stunden ins Quarantäne-Gehege, das direkt an das große Wolfsgehege angrenzt. Wolfsrüde Ragnar und die drei anderen jungen Wölfinnen lassen nicht lange auf sich warten, wenn die quirligen Besucher wieder da sind. Auch, wenn noch Gitterstäbe dazwischenliegen, signalisieren sich die kleinen und großen Wölfe mit ihrem Fiepen, Jaulen und Beschnüffeln ganz klar: Wir sind eine Familie.

„Es funktioniert bisher super“, freut sich Daniela Hamm über diese Reaktion. „Die großen Wölfe sind immer ganz aufgeregt und wissen, dass die Kleinen zu ihnen gehören.“ Für die Zusammenführung ist das von großer Bedeutung, weiß Ingo Hamm. „Denn im schlimmsten Fall können die Wölfe die Welpen, falls sie diese in ihrem Rudel nicht anerkennen, kaputt machen. Vom Gefühl her sind wir aber sehr optimistisch!“
„Die großen Wölfe sind immer ganz aufgeregt und wissen, dass die Kleinen zu ihnen gehören”
Wenn es in ein paar Wochen darum geht, den Schritt der Zusammenführung zu machen, ist es auch vorbei mit den Kuschelstunden. Denn noch sind die Wolfswelpen extrem anhänglich und verschmust, suchen aktiv die Nähe des Menschen.
Doch natürlich handele es sich um wilde Tiere, die sich auch schon jetzt immer mehr am Knurren und Beißen ausprobieren, betont Ingo Hamm. Jeder Welpe habe dabei seinen ganz eigenen, unverwechselbaren Charakter, ergänzt Daniela Hamm schmunzelnd.
Wie es mit der Zucht weitergeht, steht derzeit noch nicht fest, da sich Wolfsrüde Ragnar und seine Nachkommen nicht untereinander fortpflanzen dürfen. Wenn die Jungwölfe bleiben sollen, müssten sie also sterilisiert werden. Doch die Kleinen sind Familie Hamm und dem Panorama Park-Team richtig ans Herz gewachsen. „Ich glaube, wir behalten sie und züchten erstmal nicht mehr“, lächelt Ingo Hamm.
