Ehrenamtliches Projekt endet: Bürgerbus Kirchhundem fährt nicht mehr
Mehrere Probleme sorgen für Frust
- Kirchhundem, 16.11.2023
- Verschiedenes
- Von Christine Schmidt
Kirchhundem. Die Reihe an ehrenamtlichen Projekten wird um eine tolle Idee ärmer: Der Bürgerbusverein Kirchhundem löst sich auf. Die Zeit des Bürgerbusses endet, und das schon am 22. Dezember. Gründe dafür gibt es einige, wie der 2. Vorsitzende Manfred Klein am Mittwoch, 15. November, erklärte.

Der Bürgerbus sei immer eine gute Sache gewesen, erklärte das Ehepaar Manfred und Manuela Kein, die beide im Vorstand aktiv sind. Seit 2010 fuhr der Bus, der vor allem ältere Mitbürger in Nebenstraßen der kleinen Orte einsammelte und sie zu Ärzten oder zum Einkaufen fuhr. Immer dabei: die ehrenamtlichen Fahrer mit einem offenen Ohr und Unterstützung beim Ein- und Ausstieg.
Damit ist bald Schluss. Ende Oktober habe sich der Vorstand auf Grund mehrerer Faktoren entschieden, den Betrieb einzustellen. Unter den Umständen sei das Projekt nur zum Scheitern verurteilt, bedauerte Manfred Klein, selbst jahrelanger Fahrer.

Noch im Sommer gab es eine Feierstunde, weil die Linie des Bürgerbusses von Kirchhundem auf Altenhundem erweiterte wurde. Vorsitzende Margret Hennecke (beim Gespräch verhindert) war im Mai noch absolut optimistisch. „Jetzt sind wir mit dem Bus da, wo wir hin wollen.“ Die Strecke wurde um das Jammertal, das Krankenhaus und die Sauerlandhalle erweitert. Es hieß, die Nachfrage sei da.
Doch die Realität sah anders aus. „Die Route ist nicht so gut angenommen worden“, erklärte Michaele Klein. Die Fahrgastzahlen gingen deutlich zurück und teilweise seien die Fahrer mit einem leeren Bus unterwegs.

Das hatte sich der Verein anders vorgestellt. Ein Blick in die Zahlen zeigt: Während in einem guten Jahr (2015) 2.154 Gäste den Bus nutzten, waren es im Jahr 2022 nur 1.222. „Es geht stetig bergab“, so Manfred Klein. Für das aktuelle Jahr stehen 1.093 Fahrgäste auf dem Papier.
Das alleine sei aber nicht der Grund. Der Stamm an ehrenamtlichen Fahrern werde immer dünner. Ein Teil scheide aus gesundheitlichen Gründen aus, ein Teil altersbedingt. Plötzlich brach die Zahl der Fahrer von sechs auf nur noch drei ein. „Und es kommt einfach nichts nach“, so die Kleins. Wie in allen ehrenamtlichen Bereichen sei es schwierig, Menschen zu finden, die so einen Posten ausüben wollen.
Der Vorstand habe alles versucht, auch die beiden Bürgermeister aus Kirchhundem und Lennestadt hätten sogar bei der Fahrersuche geholfen. Der Bürgerbusverein habe immer wieder gesucht, Aufrufe gestartet, nachgefragt, die Werbetrommel gerührt – vergeblich.


Hinzu komme, dass es in der vergangenen Zeit ständig technische Probleme mit dem Bus gegeben habe. Die Wehwehchen hätten sich gehäuft. „Entweder es gab wieder Probleme mit der Tür oder mit der Trittstufe. Die fuhr einfach selbstständig rein und raus“, erklärte Manfred Klein. Und das sei einfach viel zu gefährlich, wenn sich selbst während der Fahrt die Stufe verselbstständige.
Also musste der Wagen ständig in die Werkstatt. Eine Lösung für dieses mysteriöse Problem gab es so schnell nicht. Also lag der Fahrbetrieb auf Eis. Manuela und Manfred Klein erzählten, dass auch andere Vereine mit diesem Modell ihre Probleme hätten. Ein Wagen sei zwölf Wochen in Reparatur gewesen.

Ein weiterer Punkt, den die Kleins nicht gerne, aber offen ansprechen: Im Bürgerbus sei es sogar zu zwei Polizei-Einsätzen gekommen und Fahrer wurden bedroht. „Das alles sind Sachen, die einfach frustrieren“, so der 2. Vorsitzende. Deswegen habe sich die Entscheidung leider so ergeben.
Der Markt an Ehrenamt sei abgegrast, bedauert Manfred Klein. „Alles schreit doch nach Ehrenamt“, und andere Vereine hätten auch das Kratzen. Der Verein war stets mit anderen Bürgerbusvereinen in Kontakt. Wahrscheinlich werde der Bürgerbusverein Kirchhundem nicht der Letzte sein, der sich in Zukunft auflöst und gezwungener Maßen das Handtuch wirft.
