Dorfladen Würdinghausen: 26-Jähriger wagt Schritt in die Selbstständigkeit

Werner Hesse macht mit 66 Jahren Schluss


  • Kirchhundem, 29.09.2026
  • Wirtschaft
  • Von Nils Dinkel
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Werner Hesse (l.) übergibt seinen Laden an Christopher Hupertz. Er wagt mit 26 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. von Nils Dinkel
Werner Hesse (l.) übergibt seinen Laden an Christopher Hupertz. Er wagt mit 26 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. © Nils Dinkel

Würdinghausen. Fast 30 Jahre lang hat er den Dorfladen in Würdinghausen geprägt. Nun ist für den 66-Jährigen die Zeit gekommen, kürzerzutreten. Ganz aufhören wird Werner Hesse allerdings nicht: Während der Fleischerei- und Frischebereich künftig in den Händen eines neuen Betreibers liegt, will er sein Cateringgeschäft weiterführen. Wer das Geschäft weiterführt? Ein 26-Jähriger.


„Irgendwann muss ich mal sagen: Es muss auch mal gut sein“, sagt der bisherige Betreiber. Die Entscheidung sei ihm dennoch nicht leichtgefallen. Immerhin begann seine Geschichte mit dem Geschäft bereits 1997. Mehr als zwei Jahre hatte er nach einem Nachfolger gesucht – und schon fast aufgegeben.

„Es war immer mal wieder jemand da, aber die haben sich dann wieder zurückgezogen“, so Werner Hesse. Gemeinsam mit dem Vermieter und weiteren Beteiligten im Ort habe man nach einer Lösung gesucht. Denn klar war: Der Laden sollte möglichst nicht einfach schließen.

Dann kam der entscheidende Kontakt – eher zufällig über Kleinanzeigen. Christopher Hupertz, 26 Jahre alt, stieß auf das Angebot. Der gebürtige Heinsberger ist gelernter Einzelhandelskaufmann und als dieser tätig. Nun wagt er den Schritt vom Beschäftigungsverhältnis in die Selbstständigkeit.

„Ich hätte es schade gefunden, wenn der Laden einfach geschlossen worden wäre”
— Christopher Hupertz

„Ich hätte es schade gefunden, wenn der Laden einfach geschlossen worden wäre“, sagt der 26-Jährige, der in Hilchenbach lebt. Gerade für ein Dorf und insbesondere für ältere Menschen sei ein Einkaufsmöglichkeit direkt vor Ort wichtig.

Das Geschäft von Werner Hesse in Würdinghausen. Künftig soll es „Fleischerei und Frischemarkt Würdinghausen“ heißen. von Nils Dinkel
Das Geschäft von Werner Hesse in Würdinghausen. Künftig soll es „Fleischerei und Frischemarkt Würdinghausen“ heißen. © Nils Dinkel

Für die Kunden soll sich zunächst möglichst wenig ändern. Der neue Betreiber will den Laden grundsätzlich so weiterführen, wie ihn die Menschen aus Würdinghausen kennen. Auch der bisherige Betreiber bleibt an seiner Seite und will ihn in der Anfangsphase auf Minijob-Basis unterstützen.

„Ich komme auch noch ein paar Stunden“, kündigt er an. Sein Nachfolger soll so die Möglichkeit bekommen, sich in die Abläufe einzuarbeiten und die Besonderheiten des Geschäfts kennenzulernen.

Stärkerer Fokus auf Lebensmittelbereich

Auch beim Sortiment soll sich zunächst nichts Grundsätzliches ändern. Der neue Betreiber möchte sich künftig unter anderem wieder stärker um den Lebensmittelbereich kümmern. Der Schwerpunkt bleibt aber auf Fleisch, Wurst und frischen Produkten.

Der Betrieb soll künftig unter dem Namen „Fleischerei und Frischemarkt Würdinghausen“ geführt werden. Eine Kette steckt nicht dahinter – ein Lieferant ist lediglich über die entsprechende Zusammenarbeit eingebunden.

Erst Räumungsverkauf, dann kurze Pause

Bevor der neue Betreiber starten kann, steht allerdings zunächst eine kurze Schließung an. Am Mittwoch, 7. Oktober, schließt der Dorfladen. Bis dahin läuft ein Räumungsverkauf. Rund drei Wochen sind für Renovierungsarbeiten eingeplant. Wenn alles nach Plan läuft, soll der Laden im November wieder öffnen.

Auch beim Personal gibt es Veränderungen. Der bisherige Betreiber hatte seinen Mitarbeitern bereits im Februar zum 31. Oktober gekündigt. Hintergrund waren die langen Kündigungsfristen vieler langjähriger Beschäftigter.

„Ich musste irgendwann einen Tag benennen“, erklärt er. Einige Mitarbeiter hätten sich in der Zwischenzeit bereits anderweitig orientiert. Sechs der bisherigen Beschäftigten sollen nun vom neuen Betreiber übernommen werden. Dazu kommen weitere Mitarbeiter aus seinem Umfeld.

Ein Laden für das ganze Tal

Rund 1.200 Einwohner leben in Würdinghausen, doch die Kundschaft kommt auch aus den umliegenden Ortschaften. Menschen aus Richtung Oberhundem und Heinsberg gehören ebenso dazu wie Kunden aus Saalhausen, die ihren Einkauf mit einer Fahrt verbinden.

Der etwa 100 Quadratmeter große Laden ist dabei Teil einer für einen Ort dieser Größe umfangreichen Infrastruktur. In Würdinghausen gibt es unter anderem einen Getränkemarkt, einen Blumenladen, Gastronomie, ein Hotel und einen Zahnarzt.

Mehr Zeit für neue Aufgaben

Für den 66-Jährigen beginnt nun ein neuer Abschnitt. Ganz aus dem Arbeitsleben verabschiedet er sich nicht. Sein Cateringgeschäft mit Partyservice, Eventcatering und Grillservice möchte er weiterführen. Dafür steht ihm weiterhin die Küche in den bisherigen Räumlichkeiten zur Verfügung.

Werner Hesse (l.) übergibt seinen Laden an Christopher Hupertz. Er wagt mit 26 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. von Nils Dinkel
Werner Hesse (l.) übergibt seinen Laden an Christopher Hupertz. Er wagt mit 26 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. © Nils Dinkel

Für Christopher Hupertz beginnt dagegen ein völlig neuer Abschnitt. „Die neuen Herausforderungen“ seien es, auf die er sich besonders freue. Und natürlich darauf, dass die Kunden dem Laden auch unter seiner Führung die Treue halten.

Die ersten Reaktionen auf die Nachricht, dass es weitergeht, stimmen ihn jedenfalls zuversichtlich. „Die Leute sind hin und weg“, berichtet sein Vorgänger.

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