Abschied nach 45 Jahren: Agnes Meeser war Wirtin mit Herzblut
Das hat uns 2025 bewegt
- Kirchhundem, 24.12.2025
- Verschiedenes
- Von Kerstin Sauer
Würdinghausen. Das Jahr geht zu Ende und die LokalPlus-Redaktion blickt zurück auf Menschen und Themen, die die Leserinnen und Leser und auch uns in der Redaktion besonders berührt haben. Bewegende Geschichten und Themen, die zum Freuen, Mitfühlen oder Nachdenken anregten. Heute: Agnes Meeser, die nach 45 Jahren als Wirtin ihrer Kneipe „Meesers“ in den Ruhestand ging.

Der Originalartikel wurde am 31. Oktober 2025 veröffentlicht:
Fast 45 Jahre lang stand sie hinter der Theke am Zapfhahn und schwang den Kochlöffel in der Küche. War Kummerkasten und Beichttante, Zuhörerin und Motivatorin. Jetzt sagt Agnes Meeser „Adieu“: Nach 45 Jahren als Chefin der Würdinghauser Kneipe „Meesers“ ging sie am Freitag, 31. Oktober, in den Ruhestand. „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt sie im Gespräch mit LokalPlus.

„Damit schließt in Würdinghausen die letzte Kneipe“, berichtet Reinhard „Max“ Thiedemann, der als Gast der ersten Stunde am Gespräch teilnimmt. Er war mit dabei, als Agnes Meeser zum ersten Mal hinter der Theke stand, und hat viele Stunden im Vereinslokal des SV Würdinghausen verbracht. Gemeinsam blicken die beiden zurück…
1970 übernahmen Albert und Änne Meeser die Kneipe, die 1966 als „Café Kinner“ geöffnet hatte. „Ein herzensguter Mensch“, beschreibt Max Thiedemann den einstigen Wirt Albert Meeser. Nach dessen Tod führte Änne Meeser die Kneipe ab 1977 allein, bis am 2. Februar 1981 Schwiegertochter Agnes - mit nur 22 Jahren - und Sohn Albert einstiegen.
„Es hat eine Weile gedauert, um mich da einzufinden. Hier waren viele ältere Männer zu Gast – von denen akzeptiert zu werden, war nicht einfach“, blickt Agnes Meeser zurück. Da sei auch schon mal die ein oder andere Träne geflossen, erinnert sie sich an einige Begebenheiten: „Wenn ich nachts gerufen habe ‚Wir machen Feierabend‘, kam als Antwort ‚Wir fangen jetzt erst richtig an!‘ “

So ganz nebenbei, erzählt sie heute lachend, haben sie und ihr Mann, der 2022 plötzlich verstarb, ihre beiden Kinder großgezogen. „Mit viel Unterstützung von meiner Schwiegermutter“, betont sie. Lange Nächte und morgens für den Frühschoppen wieder öffnen? „Das war eine Herausforderung. Aber ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, zu sagen: Das kann ich nicht.“
Trotz einiger Stolpersteine: „Im Nachhinein überwiegen die guten Erinnerungen“, betont die 66-Jährige. So erzählt sie vom „Soldaten-Bier“, später „Sieger-Bier“, vom „Sonntags-12 Uhr-Bier“ und vom „Geburtstags-Bier“. Erinnert sich an Cocktail- und Oldie-Abende, an Weinfeste, „Dame mit Hut“, an den Kölner- und den Schlager-Abend. Ganz besonders sei immer der „St. Patricks Day“ mit Livemusik und irischem Flair gewesen.

Legendär waren die Feiern der örtlichen Handballer. Siege habe man ebenso gefeiert wie Abstiege, und auch die örtlichen Königsclubs, der Böllerclub und der STG Würdinghausen verbrachten viele Stunden bei „Meesers“.
„Ich habe es immer mit Herzblut gemacht.”
„Ich habe in den fast 45 Jahren Generationen begleitet“, weiß Agnes Meeser. Und für ihre „Burschen“ war sie oft „wie eine Mutter“, erinnert sie sich an den Satz, der ihr an der Theke mitgegeben wurde. So manches wurde ihr im Vertrauen erzählt, was nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war. „Als Wirtin hat man Schweigepflicht“, betont sie, „bei einigen Gesprächen an der Theke war es oft besser, einfach auf Durchzug zu stellen.“

Seit der Corona-Pandemie öffnete Agnes Meeser ihre Kneipentür nur noch freitags und auf Anfrage, jetzt schießt sie ganz. Nein, traurig sei sie nicht: „Ich habe es immer mit Herzblut gemacht.“
Und was sagt der Blick in die Zukunft? „Ich möchte mehr reisen und mich mit anderen Dingen beschäftigen. Außerdem werde ich zum zweiten Mal Oma…“, antwortet Agnes Meeser mit einem stolzen Lächeln. Langweilig wird das Leben für die Powerfrau ohne ihre Kneipe bestimmt nicht, sagt die 66-Jährige und verabschiedet sich mit einem herzlichen Dank an ihre treuen Gäste und Freunde in einen neuen Lebensabschnitt.
Wie es mit dem „Meesers“ weitergeht? Das steht noch in den Sternen – aber das ganze Dorf, so betont Max Thiedemann, hoffe, dass es nicht ganz vorbei ist…
Info
Mittlerweile ist bekannt, wie es mit dem „Meesers“ weitergeht und dass es längst noch nicht vorbei ist. Würdinghauser Clubs und Vereine führen die Kneipe weiter. Mehr Infos gibt es hier: Tolle Nachrichten aus Würdinghausen: Es geht weiter mit „Meesers“

