300-Tonnen-Trafo sorgt in Kirchhundem für Staunen

Schwergewicht auf Reisen


  • Kirchhundem, 08.12.2025
  • Straße & Verkehr , Verschiedenes
  • Von Nils Dinkel
    Profilfoto Nils Dinkel

    Nils Dinkel

    Redaktion


    E-Mail schreiben
Topnews
Ein mehr als 300 Tonnen schwerer Trafo hat am Sonntag, 7. Dezember, in Kirchhundem die Blicke auf sich gezogen. von Nils Dinkel
Ein mehr als 300 Tonnen schwerer Trafo hat am Sonntag, 7. Dezember, in Kirchhundem die Blicke auf sich gezogen. © Nils Dinkel

Kirchhundem/Altenhundem. Es ist ein Bild, das man im Kreis Olpe nur selten zu sehen bekommt: Ein 300 Tonnen schwerer Transformator, eingehüllt in Stahl, Technik und Präzisionsarbeit, ist am Sonntag, 7. Dezember, am Kirchhundemer Bahnhof von der Schiene auf die Straße gehievt worden.


Ein Spektakel, das zahlreiche Schaulustige anlockt – und für die Verantwortlichen von Amprion eine logistische Herausforderung der besonderen Art darstellt. Den gesamten Sonntag herrscht geschäftiges Treiben rund um die Gleise „Am alten Hammer“.

Rund 30 Fachkräfte sind im Einsatz, zwei gigantische Kräne in Position gebracht, die Ruhr-Sieg-Strecke gesperrt. Mit einem sogenannten Tragschnabelwagen, der in dieser Größenordnung einmalig in Deutschland ist, reist der Trafo zuvor per Bahn von Mönchengladbach nach Kirchhundem.

Und genau hier soll um 22 Uhr alles wieder laufen – ein enger Zeitplan, der nur wenig Spielraum lässt. Der Transformator, kompakt und wuchtig zugleich, wird Zentimeter für Zentimeter hochgestapelt. Dann rollt der Selbstfahrer unter das tonnenschwere Gerät.

Fahrerlos aus dem Nadelöhr

Das fahrerlose Fahrzeug bringt den Trafo am Montag, 8. Dezember, vom Kirchhundemer Bahnhof bis zur Hundemstraße – ein Abschnitt, der wegen der engen Straßenverhältnisse kaum anders zu bewältigen ist.

Der Trafo wurde hochgebockt, damit der fahrerlose Schwertransporter ihn aufladen konnte. von Nils Dinkel
Der Trafo wurde hochgebockt, damit der fahrerlose Schwertransporter ihn aufladen konnte. © Nils Dinkel

Von dort übernimmt ein zweiter Schwertransporter, später ein dritter: Denn die Brücke in der Helmut-Kumpf-Straße in Altenhundem ist so stark zu entlasten, dass sie mit einem 25 Meter langen Überfahrsystem ausgestattet werden muss.

„Die hohe Last auf einem kleinen Punkt macht es kompliziert“, erklärt Andre Krause von Amprion, der den Transport vor Ort begleitet. Solche Herausforderungen sind selbst für das Unternehmen, das jährlich etwa 40 Trafo-Transporte organisiert, eher selten.

„In dieser Art und Weise ist es eine Ausnahme”
— Andre Krause

„In dieser Art und Weise ist es die Ausnahme. Wir versuchen normalerweise, den Aufwand über die Straße so gering wie möglich zu halten.“ Doch diesmal bleibt wenig Wahl. Eine Bahnbrücke in Kirchhundem ist nicht mehr für derartige Lasten zugelassen – eine Tatsache, die das gesamte Konzept umwirft.

Zusätzlich drängt die Zeit: Wegen der bevorstehenden Brückenerneuerung Helmut-Kumpf-Straße in Altenhundem und der Sorge, dass der aktuelle Trafo am Umspannwerk Arpe die Bauzeit womöglich nicht übersteht, muss ein Ersatzgerät schnellstmöglich an seinen Zielort.

Bildergalerie starten
Ein mehr als 300 Tonnen schwerer Trafo hat am Sonntag, 7. Dezember, in Kirchhundem die Blicke auf sich gezogen.

„Wir hatten Sorge um die Versorgungssicherheit“, sagt Krause offen. Deshalb sei man von der kostengünstigeren, risikoärmeren Lösung abgewichen und habe die Umladung in Kirchhundem geplant – ein Areal, das eigentlich nicht für solch massive Geräte ausgelegt sei.

Rückhalt bei den Anliegern

Trotz aller technischen Anspannung erleben die Einsatzkräfte am Sonntag aber auch viel Rückhalt. „Die Akzeptanz aus der Bevölkerung ist da. Das haben wir auch heute wieder erlebt“, so Krause. Zwar gebe es Einzelfälle, in denen Transporte torpediert würden, doch die meisten Menschen wüssten, was auf dem Spiel stehe: „Niemand will an Heiligabend ohne Strom sein.“

Der neue Trafo wird zunächst als Reserve dienen, die finalen Anschlussarbeiten sind in rund einem Jahr vorgesehen. Am Montag soll der Schwerlastkoloss seine Reise nach Altenhundem und dann nach Arpe fortsetzen.

Wir berichten weiter.

Artikel teilen: