Zentrale Unterkunft: Heggener bei Infoveranstaltung beeindruckend gelassen
Flüchtlinge in Jugendherberge
- Finnentrop, 29.11.2023
- Verschiedenes
- Von Nicole Voss
Heggen. Beeindruckend gelassen reagierten die etwa 80 Bürger, die bei der Infoveranstaltung am Dienstagabend, 28. November, in der Schützenhalle Heggen über die Einrichtung einer zentralen Unterkunft für Flüchtlinge in der ehemaligen Jugendherberge informiert wurden.

Der Rat der Gemeinde hatte dem Vorschlag der Verwaltung, 208 Menschen – ausschließlich Familien, dort befristet vom 1. Januar 2024 bis 31. März 2026 unterzubringen - in seiner letzten Sitzung zugestimmt (LokalPlus berichtete). Dr. Andreas Hohlfeld von der Bezirksregierung machte deutlich, dass es sich bei den zu unterbringenden Personen um Asylbewerber und ukrainische Flüchtlinge handele.
Zur Situation in der Gemeinde Finnentrop gab Ludwig Rasche bekannt, dass von den bis November insgesamt 202 zugewiesenen ukrainischen Flüchtlingen 180 in angemieteten Wohnungen und nur 22 in Sammelunterkünften untergebracht sind. „Das ist eine tolle Botschaft“, so Ludwig Rasche. Weitere Unterbringungsmöglichkeiten stehen nicht mehr zur Verfügung.
Wie geht es in Heggen weiter? Die Gemeinde vermietet das Grundstück an der Ahauser Straße 22 (10.278 Quadratmeter) mit Gebäude an das Land NRW. Etwaige Mängel (Malerarbeiten, brandschutztechnische Maßnahmen) im und am Gebäude werden beseitigt.







Das Grundstück wird umzäunt, um unter anderem Einlass- und Auslasskontrollen zu gewährleisten. Ein Teil der vorhandenen Grünflächen solle zu Parkplätzen umfunktioniert werden. In der Einrichtung kümmern sich ein Betreuungs- und ein Sicherheitsdienstleister um die Menschen. Zu den Angeboten zählen beispielsweise Freizeitangebote, Sanitätsstation, Kleiderkammer und Wäsche waschen.
Wie eingangs beschrieben reagierten die Heggener beeindruckend gelassen und hatten nur einige Nachfragen. Ulli Brömme: „Wir beschäftigen uns seit 2015 in Heggen mit Flüchtlingen. Ich verstehe nicht, warum jetzt ein Zaun nötig ist.“ Dr. Hohfeld entgegnete: „Wir haben kein Interesse an Dingen, die nicht notwendig sind“, und Klaudia Wiechers von der Bezirsregierung sagte, dass das ein Standard in einer Landeseinrichtung sei, um die Bewohner zu schützen.

Die Nachfrage, ob sich die Bewohner frei bewegen dürfen, beantwortete Klaudia Wiechers mit einem klaren „Ja“. Da die Einrichtung nur für Familien vorgesehen ist, fragte Barbara Sander-Graetz nach, wie eine Familie zu definieren sei – ob es sich dabei auch um drei Brüder oder fünf Cousins handeln könne. Das wurde verneint und darauf verwiesen, dass es sich um die klassische Definition von Familie handele.

Barbara Sander-Graetz gab zu bedenken, dass die Unterkunft mit 120 Personen an ihre Grenzen stoße und fragte nach, ob der Gemeinde trotzdem 208 Personen angerechnet werden. Dr. Hohlfeld bejahte die Nachfrage. Auf Nachfrage, ob die dort untergebrachten Kinder die örtlichen Bildungseinrichtungen besuchen, gab Klaudia Wiechers zu bedenken, dass Kinder in Landeseinrichtungen nicht schulpflichtig seien.

Bürgermeister Achim Henkel teilte mit, dass sich die Gemeinde bereits jetzt mit der Unterbringung von Geflüchteten nach dem Ende der Vereinbarung mit dem Land beschäftige und dafür Möglichkeiten in Heggen und im Frettertal in Betracht ziehe.
Ein Anwohner monierte die bereits vorhandene angespannte Verkehrssituation in der Ahauser Straße und bat um Entlastung. Ludwig Rasche teilte mit, dass daran im Rahmen des Schulwegekonzepts gearbeitet werde.
Barbara Sander-Graetz fragte nach, ob es möglich sei, Heggen bei der Unterbringung von Menschen nach 2026 außen vor zu lassen. Bürgermeister Achim Henkel verwies darauf, dass in den in Frage kommenden Orten eine gewisse Infrastruktur vorhanden sein sollte und das in kleineren Orten nicht der Fall sei.
