Fotos von Franz-Josef Bock halten die Zeit an und machen kleines ganz groß
Rentner zeigt die Welt durch die Linse
- Finnentrop, 10.08.2026
- Verschiedenes
- Von Jana Becker
Heggen. Wenn Franz-Josef Bock ein Foto macht, dann zückt er dafür nicht sein Handy. Er greift zur professionellen Kamera und nimmt sich Zeit für die Aufnahme, bis er den richtigen Winkel gefunden, das passende Licht einfangen und die stimmigste Komposition vor der Linse hat. Und so kann der 68-Jährige Amateurfotograf aus Heggen heute eine beeindruckende Sammlung an Landschafts-, Natur- und Makroaufnahmen vorweisen – und es werden stetig mehr.

Eigentlich sollte Franz-Josef Bock in diesem Moment gemeinsam mit seiner Frau Dorothe in Island sein. Die Reise mussten die beiden jedoch aus persönlichen Gründen absagen. Schade sei das vor allem, weil sie mehrere Monate in die Planung gesteckt haben. „Das ist kein Urlaub für uns, das ist ein Fotoprojekt“, erklärt der 68-Jährige.
Statt Island zu bereisen, bereitet sich der Amateurfotograf nun bereits auf sein nächstes Projekt vor: Er möchte die Sonnenfinsternis am Mittwoch fotografieren. Der Rucksack dafür ist schon gepackt, in ihm die Kamera mit den passenden Objektiven, und besonders wichtig für Fotoaufnahmen der Sonne: einer spezieller Solarfilter. Ohne ihn würde die Sonne den Kamerasensor zerstören.
Dieses Wissen und seine Kenntnisse über die ISO-Werte, die Belichtung, Filter, Sensoren und Objektive hat sich der Amateurfotograf selbst angeeignet. Durch Recherche, Workshops und Fotografie-Magazine wird sein Wissen immer tiefgründiger.
Dabei ist Franz-Josef Bock eigentlich Doktor der Physikalischen Chemie und ein begeisterter Naturwissenschaftler. Das spiegelt sich auch in seinen Fotografien wider: Franz-Josef Bock hat sich auf Landschafts-, Natur- und Makroaufnahmen spezialisiert.
„Ich habe schon immer gerne fotografiert“, blickt der 68-Jährige zurück auf die Anfänge seiner Amateurfotografie. Bereits 1999 habe er mit seiner Olympus-Kamera eine Sonnenfinsternis fotografiert und sei dafür extra bis nach Frankreich gefahren. Doch wegen des Jobs legte er das zeitaufwendige Hobby damals vorerst auf Eis.

Im Ruhestand jedoch kann der 68-Jährige der Leidenschaft endlich mehr Zeit widmen. Seitdem bereisen er und seine Frau die Welt. Namibia, Angola, USA, Kanada, Sri Lanka, Island – das sind einige Länder, die beiden bereits besucht haben. Natürlich immer mit seiner Canon R5 im Rucksack.
Für seine Fotografien überhört Franz-Josef Bock gerne mal Warnungen und begibt sich teilweise in gefährliche Situationen. Sei es bäuchlings auf Augenhöhe mit einer giftigen Schlange in Afrika, über glitschige Steine kletternd, um hinter einen Wasserfall zu gelangen, oder bei einer Übernachtung im Regenwald auf Sri Lanka.
Nicht selten nehmen die Kameras von den Reisen Schaden, ab und zu sind sie auch gar nicht mehr zu gebrauchen. Auch Franz-Josef trägt Narben, zum Beispiel am Knie. Sie stammt von einem Sturz während eines Fotoprojekts in den USA in der Nähe von San Francisco.

Doch auch die Landschaft vor seiner Haustür hat es dem Heggener angetan. Startrails über dem Ahauser Stausee, der Flusslauf bei der Schafsbrücke in Attendorn, Sonnenuntergang auf dem Dünscheder Hölzchen oder über der Listertalsperre lichtet Franz-Josef ab.
Manchmal entscheiden dabei Sekunden über ein perfektes Motiv mit stimmiger Komposition. Meistens nimmt der Amateurfotograf sich aber Zeit für seine Bilder. Dann kann eine Makroaufnahme einer Kreuzspinne auch schon mal zweieinhalb Stunden in Anspruch nehmen.
„Ich versuche nicht irgendein Foto zu machen. Ich versuche, mein Foto zu machen“, sagt der 68-Jährige. Davon halten ihn auch Hitze, Minusgrade oder Monsunregen nicht ab.
„Ich versuche nicht irgendein Foto zu machen. Ich versuche, mein Foto zu machen.”
Um ein gestochen scharfes Foto zu erhalten, nutzt Franz-Josef unter anderem die Stacking-Methode: mehrere Aufnahmen des gleichen Motivs mit identischen Kameraeinstellungen werden übereinandergelegt (Englisch: stacking). Er fotografiert im professionellen RAW-Format, um die maximale Bildqualität und alle Details zu sichern. Bei der anschließenden Bearbeitung setzt er auf einen authentischen, natürlichen Look. Daher passt er die Aufnahmen lediglich marginal an und optimiert unter Umständen die Tonwerte, die Farben, den Kontrast sowie die Sättigung, ohne den Charakter des Bildes zu verfremden.

„Die Natur ist einprägsam genug, man muss die Aufnahmen nicht manipulieren“, lautet Franz-Josefs Meinung.
Auch wenn der Amateurfotograf Apps nutzt, um Sternkonstellationen und Sonnenuntergangszeitpunkte zu berechnen, weiß er: „Man muss auch Glück haben und im richtigen Moment am richtigen Ort sein.“ Manchmal kann schon eine kleine Wolke oder ein Regenschauer den Unterschied zwischen einer gelungenen und einer misslungenen Aufnahme machen.
In seiner Fotoverwaltungssoftware werden mehr als 30.000 Fotografien angezeigt. „Das sind aber noch nicht alle“, erwidert Franz-Josef nur. Und es sollen auch noch mehr werden. Denn der Amateurfotograf hat bei weitem noch nicht alles abgelichtet. „Meine Traumziele sind Australien und Neuseeland“, verrät er. „Meine Frau möchte unbedingt nach Patagonien.“
Weitere Fotografien von Franz-Josef Bock hat er auf seiner Webseite veröffentlicht.
