Ein sicheres Heim für Vögel: Serkenroder im Einsatz für den Artenschutz

Aktive Hilfe mit Nistkästen


  • Finnentrop, 10.02.2023
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  • Von Claudia Wichtmann
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Die Arbeitsgruppe Nistkästen aus Serkenrode bietet heimischen Vogelarten eine sichere Brutstätte. von Pixabay / Symbolfoto
Die Arbeitsgruppe Nistkästen aus Serkenrode bietet heimischen Vogelarten eine sichere Brutstätte. © Pixabay / Symbolfoto

Serkenrode/Frettertal. Sie bieten heimischen Vögeln eine sichere Brutstätte und betreiben damit aktiven und regionalen Umweltschutz: Gerhard Hüttemann und Georg Hoberg bilden gemeinsam mit ihren Familien die „Arbeitsgruppe Nistkästen“ und betreuen auf circa 1.200 Hektar Waldfläche Nistkästen in und um Serkenrode und im gesamten oberen Frettertal. Damit tragen sie in Zeiten der Fichtenwirtschaftswälder und des Waldschwundes einen großen Teil zum Erhalt der heimischen Vogelarten bei.


Die Vögel sind auf diese Unterstützung dringend angewiesen, denn es gibt immer weniger natürliche Nistmöglichkeiten. „Früher gab es noch viele alte Bäume mit leerstehenden Spechthöhlen“, erzählt Gerhard Hüttemann. „Da sind die Vögel eingezogen. Jetzt sind diese Bäume kaum noch vorhanden.“

Seit 1980 gibt es die Arbeitsgruppe, deren Aufgabe darin besteht, die Nistkästen für sogenannte Höhlenbrüter aufzuhängen und diese jährlich zu kontrollieren, zu reinigen, instandzusetzen, gegebenenfalls zu ersetzen oder um weitere Nistkästen zu ergänzen. Circa 350 Brutstätten sind es derzeit.

Circa 85 Prozent Belegung

Damals wurde die Arbeitsgruppe von Förster Horst Osswald gegründet. Wegen der vorherrschenden, dunklen Fichtenwirtschaftswälder wurden die natürlichen Nisthöhlen weniger. Heute kommen noch die Abholzung und das Waldsterben hinzu.

Trotz des Waldschwindens ist es der Arbeitsgruppe gelungen, die Anzahl der künstlichen Brutstätten in den letzten Jahren zu erhalten. Über die Jahre hat sich eine durchschnittliche Belegungsquote von 85 Prozent eingependelt, mit Schwankungen nach oben und unten.

Das zeigt, wie wichtig der Einsatz der Arbeitsgruppe ist. „Gäbe es die Nistkästen nicht, hätten wir schon deutlich weniger Vögel“, betont Gerhard Hüttemann.

Schutz der Artenvielfalt

Tannenmeisen, Erlenzeisige, Wintergoldhähnchen und Kleiber ziehen von Frühjahr bis Spätsommer ihren Nachwuchs in den Nistkästen der Arbeitsgruppe auf. Hin und wieder verirrt sich auch ein Buchfink dorthin, der eigentlich in Hecken oder hohen Astgabeln brütet.

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Umweltschutz mit Freude: Die Nistkästen der Arbeitsgruppe müssen jährlich kontrolliert und gepflegt werden.

Manchmal besetzen sogar Haselmäuse, Sieben- oder Gartenschläfer die Nistkästen, um hier ungestört ihren Winterschlaf zu verbringen. Der Naturschutz der Arbeitsgruppe geht also über die Vogelweltgrenzen hinaus und unterstützt die Artenvielfalt. Dafür hat sie 2022 den Umweltschutzpreis der Gemeinde Finnentrop gewonnen (LokalPlus berichtete).

Jeder kann zum Artenschutz beitragen

Die Arbeitsgruppe Nistkästen freut sich über weitere Helfer. „Dann könnten wir das Projekt geografisch ausweiten und noch mehr Vögeln eine sichere Brutstätte bieten“, sagt Gerhard Hüttemann.

Jeder kann ohne Aufwand etwas zum heimischen Artenschutz beitragen: „Lasst die Nistkästen unbedingt im Wald hängen, manche wurden schon geklaut“, bittet der Umweltschützer. Und erklärt weiter: „Viele Vögel, Nagetiere, Insekten und Pflanzen profitieren davon, wenn man im eigenen Garten der Natur ihren Raum gibt und es auch mal unordentlich wachsen lässt, Unkraut oder ein Gebüsch stehen lässt oder die Hecke nicht schneidet.“

Hand aufs Herz: Gibt es in diesen Zeiten, in denen Umwelt- und Klimaschutz die Welt mehr denn je beschäftigen, eine schönere Ausrede für einen gepflegt ungepflegten Garten als den Vogel- und Naturschutz?

Warum Vogelschutz so wichtig ist
  • Laut einer Studie der britischen Vogelschutzorganisation RSPB sind seit 1980 über 600 Millionen Vögel allein in der EU verschwunden.
  • Vögel sind ein wichtiger Teil des Ökosystems: Sie bestäuben Blüten, verbreiten Samen und bekämpfen Schädlinge.
  • Das Aussterben von Vogelarten hat kurzfristige Folgen wie beispielsweise eine Insektenplage, langfristig sind durch den Vogelschwund auch andere Tierarten, Organismen und Natursysteme bedroht.
  • Schuld am Vogelschwund sind vor allem das Insektensterben durch Pestizide und die Zerstörung natürlicher Lebensräume.
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