40 Jahre nach der Stilllegung: Schild vom Lenhauser Tunnel ist zurück
Requisit soll wieder am Tunnelportal hängen
- Finnentrop, 03.10.2026
- Verschiedenes
- Von Stefan Aschauer-Hundt
Lenhausen/Plettenberg. Große Überraschung bei der Sauerländer Kleinbahn in Plettenberg: Dem Museumsbahnverein ist das Originalschild des Lenhauser Eisenbahntunnels angeboten worden, das über Jahrzehnte am Portal angeschraubt war und die Länge des Tunnels anzeigte – 195 Meter. Bei der Stilllegung der Eisenbahn von Finnentrop nach Serkenrode im Jahre 1987 war das Schild noch vorhanden, wenig später war es verschwunden.

Niemand wusste, wie das Schild fortgekommen war und welchen Weg das Requisit genommen hatte. Nur so viel schien klar: Im heimischen Raum war es nicht mehr, es hing in keinem Partykeller, lag nicht auf einem Modellbahn-Dachboden und es fand sich auch in keinem Museum. Das Schild vom Tunnelportal – es war seit 40 Jahren verschollen. Bis jetzt.
Die Märkische Museumseisenbahn hat zur Bahnstrecke von Finnentrop nach Serkenrode, die früher nach Eslohe und Wennemen weiterführte, eine besondere Beziehung: Gemeinsam mit dem Bürgerverein zur Förderung des Schienenverkehrs aus Lüdenscheid wollte man kurz vor dem Abbau der Schienen noch eine Sonderfahrt mit dem Schienenbus machen. Doch dazu kam es nicht mehr.

Die Bundesbahn lehnte das Vorhaben ab, weil die Gleise so verschlissen waren, dass nur noch Güterzüge zu den Sägern im Frettertal fahren durften. Entsprechend wehmütig verfolgten die Museumseisenbahner die ab 1987 stattfindende Demontage der Bahnanlagen im Tal.
40 Jahre später gab es ein Déjà-vu der eigenen Art: Aus einem Dorf bei Wetzlar meldete sich per E-Mail Friedrich Lang. Und er schrieb Aufregendes: „Durch Erbschaft bin ich seit einiger Zeit im Besitz des originalen Tunnelschildes vom Lenhauser Tunnel bei Finnentrop. Ich würde es gerne in die Region zurückgeben. Hätten Sie Interesse daran?“ Benötigt werde nur eine Transportmöglichkeit, dann könne das Schild in die Heimat zurückkehren.

Es entwickelte sich ein so kurzer wie herzlicher Austausch, an dessen Ende ein Besuch bei Familie Lang bei Wetzlar stand. Friedrich Lang stand vor seiner Garage bereits mit dem Schild bereit, das bei näherem Hinsehen beachtliche Abmaße hatte und noch die Patina aus vielen Jahrzehnten aufwies.
Der Hesse berichtete bei der Übergabe des Schildes an Camilla Hundt, dass sein Vater ein begeisterter Eisenbahnfreund gewesen sei und alle Bahnstrecken im Sauerland gekannt – und bereist – habe. Oft dabei war Sohn Friedrich, und bei einem Besuch in Finnentrop montierten Vater und Sohn das durch die Eisenbahn-Stilllegung seiner Funktion beraubte Tunnelschild ab, transportierten es nach Hause ins Hessische. Fast vier Jahrzehnte befand sich das Schild dann an der Garagenwand von Vater Lang.
Nach dem Tod des Vaters habe man das elterliche Haus auflösen müssen, berichtete Friedrich Lang weiter. Vor dem Verkauf musste das Schild abgenommen werden und es verschwand kurz in einer anderen Garage. Dann erinnerte sich Friedrich Lang an die Sauerländer Kleinbahn und bot dieser das Schild an.
Den Transport übernahm die Historische Feuerwehr Plettenberg, und so stand das Schild danach für kurze Zeit in einer Halle, in der ein Tanklöschfahrzeug von 1955 seinen Platz hat.
Natürlich hätte das Schild die Weiterreise in den Lokschuppen der Kleinbahn antreten können, aber die Idee war eine andere: Die Gemeinde Finnentrop wurde eingeschaltet und über das wiederaufgetauchte Zeugnis der Eisenbahngeschichte informiert.


Katja Schmidt, im Rathaus als Bereichsleiterin für Kultur und Tourismus zuständig, nahm sich der Sache an und schaltete Gemeindearchivar Yannick Schulte ein. Der Plettenberger hatte die zündende Idee und brachte den Heimatverein Lenhausen ins Spiel, organisierte den Kontakt zu Heimatpfleger Matthias Baumeister.
Der pensionierte Polizist, selbst Jahrzehnte auf der Plettenberger Polizeiwache u.a. als Wachenleiter tätig, erkannte den historischen Wert des Schildes und sagte sofort zu, das Exponat heimzuholen. Er übernahm das Schild in Plettenberg und organisierte gemeinsam mit den Lenhauser Heimatfreunden die Restaurierung.





Bekanntlich arbeitet die Gemeinde Finnentrop daran, den Lenhauser Tunnel wieder zu öffnen und dem Radverkehr auf dem Sauerland-Radring zugänglich zu machen. Wenn dieser Traum Wirklichkeit wird – und die Zeichen stehen dafür gut – soll das historische Schild an seinen alten Platz zurückkehren, wünscht sich Matthias Baumeister.
