Wie ein 19-Jähriger die Heimatgeschichte für die Nachwelt erhält
Jan Valperz gestaltet Dorfwebsite und baut Archiv auf
- Drolshagen, 10.03.2026
- Verschiedenes
- Von Wolfgang Schneider
Iseringhausen. Dass ein Dorf eine eigene Website hat und sich dort präsentiert, ist nichts Besonderes. Dass ein 19-Jähriger diese Website alleine aufbaut und gestaltet, ist hingegen nicht alltäglich. Und dass dieser junge Mann Heimatgeschichte(n) zusammenträgt und auf der Dorfseite für die Nachwelt erhält, ist außergewöhnlich. Die Rede ist von Jan Valperz aus Iseringhausen, der sich seit zwei Jahren im Dorfverein „Sympathisches Iseringhausen“ engagiert.

Wie kommt man dazu, sich als Jugendlicher für den eigenen Wohnort zu interessieren und aktiv zu werden, wo es doch viele Gleichaltrige eher hinaus in die Großstädte zieht? „Vor zwei Jahren, als wir mit den Schulprüfungen fertig waren, hatten wir im Unterricht Zeit für eigene Recherchen. Ich habe dann nach meinem Dorf gegoogelt und bin auf die damalige Website gestoßen. Ich habe schnell gemerkt, dass die Website nicht aktuell war und nicht mehr gepflegt wurde“, erzählt Jan.

Das wollte der damals 17-Jährige ändern. Er wurde im Jahr 2024 Mitglied im Dorfverein und engagiert sich seitdem. Jan baute die neue Dorfseite iseringhausen.online im Alleingang auf und kümmert sich um deren Gestaltung und Aktualisierung. Auch die Social Media-Posts des Dorfvereins Iseringhausen übernimmt der junge Mann.
„Auf der Website lege ich Wert auf die Historie von Iseringhausen und den heimischen Vereinen. Dazu habe ich ein Archiv angelegt, das laufend erweitert wird“, berichtet Jan, der eine kaufmännische Ausbildung macht und jede Woche mehrere Stunden Arbeit in sein Hobby steckt.

„Ich treffe mich mehrmals im Monat mit verschiedenen – oftmals älteren – Einwohnern unseres Dorfes, bekomme dort Material und Informationen und schreibe diese dann online nieder. Die Gespräche mit Älteren sind sehr interessant. Die Leute sind begeistert und freuen sich, dass sich jemand in meinem jungen Alter mit unserer Dorfgeschichte befasst“, erzählt der 19-Jährige, der in seiner Freizeit auch noch in der örtlichen Feuerwehr aktiv ist.
„Die Idee kam mir, da solche Dinge sonst irgendwann verloren gehen und niemand mehr weiß, was einmal in Iseringhausen passiert ist.”
Mangel an Gesprächspartnern, mit denen er über vergangene Ereignisse im Iseringhauser Grund reden konnte, hat Jan Valperz nicht: „Die Leute sind sehr aufgeschlossen und wollen gerne was erzählen. Die fragen dann schon bei der Kontaktaufnahme: Und wann kommst du vorbei?“

Jans Antrieb ist es, die lokale Geschichte und besondere Begebenheiten für die Nachwelt zu erhalten. „Die Idee kam mir, da solche Dinge sonst irgendwann verloren gehen und niemand mehr weiß, was einmal in Iseringhausen passiert ist.“ Das will er ändern und baut deshalb das Archiv auf der Website Stück für Stück aus. Für Infos von Alteingesessenen und historische Fotos, Zeitungsausschnitte und Aufzeichnungen ist er dabei dankbar.
Einiges hat Jan Valperz auf der Dorfseite im Bereich „Archiv“ schon dokumentiert. Dort finden sich Fotos und Berichte von den Hochwassern, 2005, 2007 und 2010. Außerdem erfährt man, dass der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl im Jahr 1987 1.000 D-Mark für die Renovierung der St. Antonius-Kirche gespendet hat.

Ebenfalls interessant ist die Geschichte des einzigen weiblichen Mitglieds der Schützenbruderschaft. Die junge Frau wurde 1953 zum Ehrenmitglied ernannt, weil sie als Elfjährige die Schützenfahne vor den Nazis versteckt und so gerettet hatte. Geht gerne selbst auf Entdeckungsreise auf der Dorfwebsite.
