Historische Marienskulptur nach 198 Jahren wieder im Drolshagener Rathaus

Historiker und Hauseigentümerinnen bringen Figur zurück


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Historiker Dr. Peter Vitt (l.) und Bürgermeister Uli Berghof mit der Statue. von privat
Historiker Dr. Peter Vitt (l.) und Bürgermeister Uli Berghof mit der Statue. © privat

Drolshagen. Ein historisches Überbleibsel aus Drolshagens Vergangenheit ist am Donnerstag, 6. März, wieder zurück ins Rathaus gekehrt: Eine Skulptur der Heiligen Maria vom guten Rat soll in Zukunft im Musiksaal des alten Klosters einen neuen Platz finden.


Doch wo ist die alte Marienskulptur nach so langer Zeit aufgetaucht? Dazu eine kurze Reise in die Vergangenheit: Das alte Rathaus der Stadt Drolshagen wurde im Jahr 1827 wegen Baufälligkeit abgerissen. Es beherbergte jene Skulptur der Sancta Maria de bono consilio – Hl. Maria vom guten Rat(schlag), die von einem unbekannten Künstler in der Barockzeit, vermutlich im 17. Jahrhundert, in Lindenholz geschnitzt wurde.

Da sich die Stadt damals kein neues Rathaus leisten konnte, erklärte sich Friedrich Finke bereit, die Holzfigur in Verwahrung zu nehmen. Wie auch andere wichtige städtische Dokumente bewahrte er die Figur in einer Kammer auf, die mit einer Stahltür verschließbar war. Beim Stadtbrand von 1838, der Drolshagen bis auf wenige Häuser zerstörte, wurde auch das großbürgerliche Haus ein Raub der Flammen – die Brandkammer samt Inhalt blieb jedoch verschont.

Skulptur gerät bei Recherche wieder in den Blick

Nach der Zerstörung ließ Finkes Famile ein repräsentatives Haus an der Hagener Straße errichten. Es ist heute als „Menden Haus“ der attraktivste Fachwerkbau Drolshagens und im Eigentum der Geschwister Claudia Schwarte und Dr. Sylvia Kreuzer. Noch heute ist die Kammer samt Eisentüre in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten, wird allerdings als Kaminzimmer genutzt.

Der Drolshagener Historiker Dr. Peter Vitt erhielt im Zuge seiner Recherchen Einblick in den Fundus des Hauses. Gemeinsam mit Claudia Schwarte sichtete und inventarisierte er den historisch wertvollen Dokumentenbestand und stellte dem Stadtarchiv die Akten als Dauerleihgabe zur Verfügung. Sie bilden heute den umfangreichsten privaten Stiftungsbestand zur Stadtgeschichte.

Anscheinend war die Verehrung der „Maria de bono consilio“ in Drolshagen von großer Bedeutung: Im Turm der alten Basilika befindet sich ein Gemälde mit diesem Motiv. Die Herkunft des Gemäldes ist unbekannt, ein Hinweis auf das Original in Genazzano ist unterhalb des Marienmotivs angebracht. von privat
Anscheinend war die Verehrung der „Maria de bono consilio“ in Drolshagen von großer Bedeutung: Im Turm der alten Basilika befindet sich ein Gemälde mit diesem Motiv. Die Herkunft des Gemäldes ist unbekannt, ein Hinweis auf das Original in Genazzano ist unterhalb des Marienmotivs angebracht. © privat

Daneben fiel bei einem Rundgang durch das Haus auch die Skulptur der Hl. Maria vom guten Rat in den Blick. Im Gespräch zwischen Bürgermeister Uli Berghof und Peter Vitt wurde die alte Barockfigur zum Thema: Der Bürgermeister meinte, dass ein guter Rat für ihn und die gesamte Stadtverordnetenversammlung nur von Vorteil sein könne.

Auf Anfrage bei den Eigentümerinnen gab dann Claudia Schwarte grünes Licht für die Rückführung der historischen Plastik. Mitte Februar konnte Peter Vitt das Kunstwerk im Menden Haus abholen.

„Rest alter Drolshagener Herrlichkeit“

In der teilweise ausgehöhlten Rückseite der Figur war ein Kärtchen versteckt, auf dem geschrieben steht: „S. Maria De Bono Consilio – Mutter vom guten Rat. Letzter Überrest des alten Rathauses, das am Markt stand und 1827 abgerissen wurde. Befindet sich seitdem als sorgsam gehüteter Rest alter Drolshagener Herrlichkeit in unserem Hause.“

Anscheinend war die Verehrung der „Maria de bono consilio“ in Drolshagen von großer Bedeutung: Im Turm der alten Basilika befindet sich ein Gemälde mit diesem Motiv. Die Herkunft des Gemäldes ist unbekannt, ein Hinweis auf das Original in Genazzano ist unterhalb des Marienmotivs angebracht. von privat
Anscheinend war die Verehrung der „Maria de bono consilio“ in Drolshagen von großer Bedeutung: Im Turm der alten Basilika befindet sich ein Gemälde mit diesem Motiv. Die Herkunft des Gemäldes ist unbekannt, ein Hinweis auf das Original in Genazzano ist unterhalb des Marienmotivs angebracht. © privat

Die sicher verpackte Figur wurde in das Rathaus transportiert und schließlich an Bürgermeister Berghof übergeben. Er sprach sich dafür aus, das gute Stück im Musiksaal des Klosters, in dem alle Sitzungen des Rates und der Ausschüsse stattfinden, aufzuhängen.

Nicht nur für die Fürsorge um den Erhalt der Figur, sondern auch für die Bereitschaft zur Rückgabe an die Stadt sprach Bürgermeister Berghof Claudia Schwarte, Dr. Sylvia Kreuzer und Dr. Peter Vitt seinen Dank aus. Im Alten Kloster soll die Hl. Maria ihren Segen entfalten, um Bürgermeister und Stadtverordnete mit ihrem guten Rat zu erleuchten – so, wie sie es bis vor fast 200 Jahren im alten Rathaus über Jahrhunderte gemacht hatte.

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