Drolshagen zwischen Geldknappheit und notwendigen Investitionen
Bürgermeister skizziert Herausforderungen und Fortschritte
- Drolshagen, 16.01.2026
- Politik
- Von Rüdiger Kahlke
Drolshagen. Volles Haus im Heimathaus. 70 Interessierte wollten am Mittwochabend, 14. Januar, wissen, wie es um Drolshagen steht, was geplant und angedacht ist. Bürgermeister Ulrich Berghof gab, wie stets zum Jahresbeginn, einen Überblick.

Im Mittelpunkt seines 100-minütigen Vortrags: die Finanzen. „Ohne Moos nix los“, was für Private richtig sei, gelte auch für die Stadt. Ihr drohe ab 2029 wieder die Haushaltssicherung mit strengen Ausgabebegrenzungen einerseits. Auf der anderen Seite stehe ein hoher Investitionsbedarf. Die Sanierung der Grundschule ist mit 27 Millionen Euro veranschlagt. 13 Millionen Euro sind für die Schule in Schreibershof nötig. „Da warten wir noch ab“, so Berghof. Eine Alternative könnte die Beschulung in Hützemert sein.

Den Förderantrag für das Stadtbad hatte der Rat kurz vor dem Abendtermin im Heimathaus auf den Weg gebracht. Die Hoffnung ist, dass der Bund 45 Prozent der veranschlagten 9,4 Millionen Euro übernimmt. Renovierungsbedarf bestehe auch bei der Sekundarschule und den Verwaltungsgebäuden. Für die Feuerwehr sei ein dritter Standort im nördlichen Stadtgebiet nötig, um die geforderten Einsatzzeiten zu erreichen.

Trotz rückläufiger Zahlen bei den Flüchtlingen sei eine neue Unterkunft in Hützemert nötig, um die Menschen angemessen unterbringen zu können. Bedenken trat der Bürgermeister entgegen. Er verwies auf eine heimische Gießerei, die Menschen aus 34 Nationen beschäftige. Und das in Jobs, „die die meisten Deutschen nicht machen möchten. Ohne sie könnte der Betrieb schließen“, warb Berghof für Offenheit und Toleranz.
Zu den positiven Ausblicken gehörte, dass der Glasfaser-Ausbau im dritten Quartal weitergehen soll. Zudem gebe es erhebliche Fördermittel für die Sanierung der Eichener Mühle.

Beim Ausbau der Windenergie baut der Bürgermeister auf die Entwicklungs- und Betreibergesellschaft des Kreises. Dann, so Berghof, „bleibt das Geld hier“ und ginge nicht an auswärtige Investoren. Über Speicher für regenerative Energien werde nachgedacht, erklärte er auf Nachfrage. Die Wärmeplanung werde angegangen. Denkbar sei allerdings nur ein lokal sehr begrenzter Wärmeverbund. In der Regel dürfte die Wärmepumpe das Mittel der Wahl sein.
Die Verwaltung sieht Berghof in Sachen Digitalisierung auf gutem Weg. „Das papierlose Büro ist in Sichtweite.“ KI-Einsatz in der Telefonzentrale soll Mitarbeiter entlasten und Raum für qualifizierte Aufgaben schaffen.

Die Stelle eines Stadtplaners wurde bereits besetzt. Ein Tiefbau-Ingenieur, der mit den maroden Straßen eine große Aufgabe vorfindet, wird noch gesucht. Im Industriegebiet Hüppcher Hammer geht die Erschließung weiter. Berghof schätzt, dass 150.000 Quadratmeter Fläche zu Preisen zwischen 120 bis 150 Euro pro Quadratmeter vermarktet werden können.
„Die nächsten fünf Jahre werden anspruchsvoll”
„Die nächsten fünf Jahre werden anspruchsvoll“, betonte Berghof mit Blick auf die Finanzen. Er appellierte für einen respektvollen Umgang im Meinungsaustausch und lobte die bisher gute Zusammenarbeit im Rat. Man werde versuchen, „das bestmögliche für Drolshagen rauszuholen“. Ein Fest zur 550-Jahr-Feier in 2027 dürfte nicht dazu gehören. Dafür fehle es an Geld und Kapazitäten. Hier, ermunterte er auf Anfrage, könnte ein Kreis engagierter Bürger in die Bresche springen.
