Dräulzer Platt ist eine vollwertige Sprache - Plädoyer gegen Vorurteile

Walter Wolf referiert in Drolshagen


Walter Wolf (links) und Heinz Stachelscheid während ihres Vortrags im Heimathaus Drolshagen. von privat
Walter Wolf (links) und Heinz Stachelscheid während ihres Vortrags im Heimathaus Drolshagen. © privat

Drolshagen. „Plattdeutsch ist eine vollwertige Sprache!“. So begann Referent Walter Wolf im Heimathaus Drolshagen seine Ausführungen zum Dräulzer Platt. Zunächst zeigte er die Geschichte der Mundart auf. An Beispielen der Wort- und Satzbildung machte er deutlich, dass rund um Drolshagen die wesentlichen Dialektgruppen Nordrhein-Westfalens angesiedelt sind.


Da sind das westfälisch-sauerländische des Märkischen und des Attendorner Dialekts, da ist die Mischmundart des Olper Platt, das niederfränkische Wendsche Platt, das mitteldeutsche Ripuarische rund um Eckenhagen und das niederfränkische Ostbergisch von Bergneustadt. Der Drolshagener Dialekt ist eine Misch- oder Übergangsmundart, die sich aus niederfränkischen und altsächsischen Elementen zusammensetzt und trotz der Nähe anderer Dialekte seinen eigenen Charakter bewahrt hat.

Positionen widerlegt

Im zweiten Teil des Vortrags trug Wolf sehr engagiert Widerstand gegenüber der Abwertung des Plattdeutschen vor. Er griff exemplarisch auf die veröffentlichten Aussagen eines Drolshageners zurück und widerlegte dessen Positionen, dass das Plattdeutsche „die bürgerlichen Errungenschaften der hochdeutschen Sprache“ nicht mitgemacht habe. Man könne jeden Text des Hochdeutschen auch im Platt sprechen und schreiben.

Die Kritik, dass das Plattdeutsche nicht die Poesie der biblischen Sprache oder den „theologischen Diskurs“ leisten könne, widerlegten Walter Wolf und Heinz Stachelscheid gemeinsam, indem sie einen von Martin Buber übertragenen Psalm in vollem Wortlaut in bemerkenswert dichter Sprache vorstellten. Außerdem stand das Gedicht „Winterdag“ des Drolshagener Heinrich Schürholz Rilkes „Es treibt der Wind im Winterwalde“ gegenüber. Auch diese beiden Texte wurden als „auf Augenhöhe“ empfunden.

Plattdeutsch nicht abwerten

Wolf warf einigen Autoren vor, dass diese aus einem engen bildungsbürgerlichen Verständnis der „richtigen Sprache“ heraus das Plattdeutsch zu einer Sprache abgewertet hätten, „wie der Bauer mit seinem Pferd spricht“. Mit ihren Übertragungen wiesen die Referenten nach, dass auch das Platt eine vollwertige Sprache ist. Mit dieser deutlichen Positionierung tritt der Heimatverein für das Drolshagener Land auch in einen Diskurs über die Plattdeutsche Sprache ein.

Leider werde das Dräulzer Platt aussterben, bedauerte Walter Wolf. Aber es lohne sich dennoch, die Sprache als Kulturgut und Sprachdenkmal zu pflegen.

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