Infrastruktur am Limit: Warum neues Gesetz für Region entscheidend ist
„Wiehltalbrücke zeigt Dringlichkeit“
- Aus der Region, 01.03.2026
- Wirtschaft , Straße & Verkehr , Politik
Wiehl/Südwestfalen. Das Infrastruktur-Zukunftsgesetz steht vor der Entscheidung im Deutschen Bundestag – und für Südwestfalen steht weit mehr auf dem Spiel als ein weiteres Reformpaket. Es geht um funktionierende Verkehrswege, stabile Lieferketten und die wirtschaftliche Zukunft ganzer Standorte. Und – marode Infrastruktur könnte ein echter Standortvorteil werden.

Für die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe, die aufgrund ihrer Topografie und der hohen Brückendichte besonders von den Infrastrukturproblemen betroffen sind, kann dieses Gesetz zum entscheidenden Hebel werden, um Engpässe, Sperrungen und Ausfälle künftig zu vermeiden.
„Unsere Infrastruktur ist nicht nur ein Fundament – sie ist ein Nadelöhr“, warnt IHK-Präsident Walter Viegener. Wenn Straßen, Brücken oder Bahnstrecken ausfallen, habe dies für Unternehmen und Beschäftigte erhebliche Folgen – gerade dort, wo Alternativrouten selten sind und jede Sperrung zu Staus, Umwegen und Kosten führt. Hier sei eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur überlebenswichtig.





IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thilo Pahl mahnt: „Nur eine massive und alle Projekte gleichermaßen begünstigende Verkürzung der Planungs- und Bauzeiten wird sich nachhaltig positiv auf Investitionen, Lieferketten und Wettbewerbsfähigkeit auswirken.“
Insbesondere für Unternehmen, die auf Just-in-Time-Produktion, funktionierende Lieferwege und verlässliche Pendlerverbindungen angewiesen seien, bedeute jede Verzögerung ein wirtschaftliches Risiko.

Aktuell spitzt sich die Lage an einem Bauwerk zu, das stellvertretend für diese Herausforderungen steht: der Wiehltalbrücke an der A 4. Ihr baulicher Zustand ist so kritisch, dass eine zumindest teilweise Sperrung für Lkw im Raum steht.
Für die Unternehmen in den Kreisen Siegen Wittgenstein und Olpe wäre das gravierend: Die A4 ist eine der wichtigsten Güterverkehrsachsen der Region – ein Ausfall würde lange Umwege, zusätzliche Unfallrisiken, höhere Transportzeiten und erhebliche Zusatzkosten verursachen.
Die Ankündigung der Autobahn GmbH, eine Sperrung der Brücke mit allen Mitteln vermeiden zu wollen, begrüßt die IHK ausdrücklich. Zwar halte die Region inzwischen bei vielen Brücken täglich die Luft an. Bei der Wiehltalbrücke jedoch steige in Kombination mit der drohenden monatelangen Sperrung der Siegstrecke die Gefahr zusätzlicher Verkehrsverlagerungen auf ohnehin überlastete Straßen, erinnert Dr. Thilo Pahl.
Die IHK Siegen fordert, dass das derzeit in Berlin beratene Gesetz in „voller Stärke“ verabschiedet wird. Sie appelliert an die politischen Entscheidungsträger, sich hiervon nicht abbringen zu lassen.

Eine Abschwächung würde das Risiko weiterer Sperrungen erhöhen – und damit zusätzliche Kosten, längere Fahrzeiten und sinkende Standortattraktivität verursachen. „Unsere Mitgliedsbetriebe können nicht zehn Jahre oder länger auf Ersatzneubauten warten“, mahnt Dr. Thilo Pahl. Wenn eine Brücke sicherheitsbedingt gesperrt werde, müsse binnen zwei bis drei Jahren ein Neubau stehen.
„Infrastruktur entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit.”
Diese Maßnahmen seien keine Wunschliste, sondern wichtige Voraussetzung dafür, dass die Wirtschaft wieder Tritt fasse – insbesondere in einer Region, die im Wettbewerb stehe und aufgrund topografischer Bedingungen überdurchschnittlich abhängig von funktionsfähiger Verkehrsinfrastruktur sei, betont Walter Viegener:
„Infrastruktur entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob das Infrastruktur-Zukunftsgesetz zum echten Modernisierungsinstrument wird oder ob das Land in alten Mustern verharrt. Aus Sicht der regionalen Wirtschaft ist klar: Jede Verzögerung bedeutet neue Risiken!“
Was ist das Infrastruktur-Zukunftsgesetz?
Das Infrastruktur-Zukunftsgesetz ist ein Bundesgesetz-Entwurf der Bundesregierung, der die Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozesse für zentrale Infrastrukturprojekte in Deutschland deutlich beschleunigen und modernisieren soll.
Dazu zählen vor allem Verkehrswege wie Straßen, Brücken, Bahnstrecken und Wasserstraßen, aber auch Energie- und ggf. weitere Infrastrukturen. Der Entwurf wurde Ende 2025 vom Bundeskabinett beschlossen und wird jetzt im Deutschen Bundestag beraten
