IHK informiert über Chancen von Arbeitsschutzsystemen

Mehr Sicherheit mit modernen Standards


Symbolfoto. von Pixabay.com
Symbolfoto. © Pixabay.com

Siegen/Olpe. Ein Blick in die Statistik genügt, um die wirtschaftliche Dimension des Arbeitsschutzes zu verstehen: Während sich die Zahl meldepflichtiger Arbeitsunfälle seit 1995 nahezu halbiert hat, steigen die Ausfalltage pro Mitarbeiter weiter an – zuletzt auf durchschnittlich 24 Tage im Jahr.


Ein einziger Ausfalltag kostet ein Unternehmen schnell über 400 Euro, rechnete Referent Matthias Gloger, Senior Consultant bei VIA Consult, im Rahmen der IHK-Onlineveranstaltung „Arbeitsschutz mit System“ vor. Für viele Teilnehmer war dieser Einstieg ein eindrucksvoller Weckruf.

Trotz der positiven Unfallstatistik zeigt der Blick auf psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Belastungen einen gegenläufigen Trend. Beides nimmt seit Jahren zu – und sorgt für immer längere Ausfallzeiten. Für Gloger steht deshalb fest: „Wir müssen weg vom klassischen Pflichtprogramm und hin zu einem proaktiven, vorbeugenden Arbeitsschutz.“

Managementsysteme bieten dafür den notwendigen Rahmen. Sie strukturieren Abläufe, definieren Verantwortlichkeiten, machen Risiken sichtbar und fördern eine Kultur, in der Sicherheit zur Selbstverständlichkeit wird. Mathias Gloger: „Unternehmen, die Arbeitsschutz systematisch betreiben, sparen nicht nur Kosten, sondern gewinnen an Stabilität, Attraktivität und Rechtssicherheit.“

Internationaler Standard für sichere Prozesse

Besonders hob Gloger die DIN ISO 45001 als international gültigen Standard hervor, der sich nahtlos in bestehende Qualitäts- und Umweltmanagementsysteme wie ISO 9001 oder ISO 14001 integriert. Die Norm sorgt für klare Rollen, regelmäßige Bewertungen (PDCA-Zyklus) und eine stärkere Beteiligung der Beschäftigten. Ob Beschaffung von Schutzausrüstung, Gefährdungsbeurteilungen oder Schulungen: Alles erfolgt nach nachvollziehbaren, wiederholbaren Prozessen.

Für kleine und mittlere Unternehmen stellte Gloger das BG-Modell „Sicher mit System“ als niederschwelligen Einstieg vor. Die Berufsgenossenschaften begleiten hierbei den gesamten Prozess, führen Begutachtungen durch und vergeben am Ende ein Gütesiegel. Besonders wertvoll sei der Beratungsanteil, der KMU strukturiert an das Thema heranführt, betonte der Experte.

Gesetzliche Pflichten sicher beherrschen

Ein weiterer Baustein: Compliance-Management-Systeme, die regelmäßig überprüfen, ob Unternehmen ihre gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Gerade im Fall von Betriebsprüfungen oder Arbeitsunfällen könnte dies einen entscheidenden Vorteil bieten, denn Verantwortlichkeiten, Unterweisungen und Gefährdungsbeurteilungen müssen jederzeit nachweisbar sein.

Dabei verdeutlichte Mathias Gloger, dass Managementsysteme weit über die Dokumentation hinausgehen: „Guter Arbeitsschutz entsteht nicht durch Ordner, sondern dadurch, dass Menschen sicher denken und handeln – und Managementsysteme schaffen dafür die Rahmenbedingungen.“

Aus Sicht von Roger Schmidt, Referent für Technologie, Energie, Umwelt der IHK Siegen, wird das Thema weiter an Bedeutung gewinnen: „Angesichts steigender Ausfallzeiten, zunehmender psychischer Belastungen und des demografischen Wandels kann ein systematischer Arbeitsschutz für Unternehmen über das Pflichtfeld hinausgehen und sogar ein strategischer Erfolgsfaktor sein.“

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