Erst 17 und schon Dart-Profi: Luca Wolff als Jüngster bei der Super League
Schüler erzählt von Spaß, Talent und (finanziellen) Herausforderungen
- Aus der Region, 31.08.2026
- Sport
- Von Kerstin Sauer
Schmallenberg. Es fing als „Jux“ an: Einfach mal einen Pfeil in Richtung Scheibe werfen. Da war Luca Wolff zwölf Jahre alt. Heute, fünf Jahre später, ist der 17-jährige Schmallenberger einer der erfolgreichsten Nachwuchs-Dartspieler Deutschlands, immer mit der vollen Unterstützung seiner Mama Anetha. Wieviel Zeit der Gymnasiast in sein großes Hobby investiert und worauf er als Jugendlicher verzichten muss, um weiterhin so erfolgreich zu sein, das erzählt der sympathische junge Mann im großen LokalPlus-Interview.

Seit wann dartest du?
Mit zwölf Jahren habe ich aus Spaß einfach mal drauf geworfen. Zwei Jahre später, bei einem Urlaub auf der Aida, habe ich einen Dartverein aus Borken kennengelernt und mit denen gemeinsam auf eine Dartscheibe geworfen. Sie meinten, ich hätte Talent.
Wie ging es weiter?
Ich bin dann in den Verein in Borken eingetreten, damals gab es hier noch keine Steel-Dart-Vereine. Die Jugendausbildung dort ist sehr gut, es gibt eine Jugendakademie mit eigenen Trainern. Und es hat mir immer mehr Spaß gemacht.




Im Sauerland spielt fast jeder Jugendliche Fußball – warum Dart?
Ich habe früher auch Fußball gespielt und war Torwart, habe aber aufgehört. Ich hatte Sorge, dass ich mich an den Händen verletzen könnte. Das Darten macht mir einfach mehr Spaß: Man ist auf sich alleine gestellt und alleine für seine Leistung verantwortlich. Wenn es schief geht, dann habe ich selbst die Fehler gemacht.
Was begeistert dich am Darten?
Es geht nicht alleine um den Sport, vielmehr ist es das Zusammensein und der Zusammenhalt bei Turnieren: Man lernt neue Leute kennen, die werden zu Freunden und man sieht sich bei den Turnieren immer wieder. Die Atmosphäre bei einem Turnier ist einzigartig: Man unterhält sich oft mehr als dass man spielt. Die Community ist einfach die beste, es gibt keine Vorurteile, man wird herzlich aufgenommen und kommt schnell ins Gespräch.
Wo spielst du heute?
Ich spiele seit neuestem bei dem Verein „Shakespeare“ in Hannover in der zweiten Bundesliga. Jeder trainiert zu Hause und zwei Mal im Monat ist samstags Spieltag, u.a. in Berlin oder Köln. Beim Dart kommt es aber eher auf die Turniere an und nicht auf die Liga – die ist mehr zum Spaß.
„90 Prozent finden im Kopf statt: Ohne Kopf geht beim Darten gar nichts.”
Wie oft trainierst du?
Jeden Tag. Es muss nicht immer viel sein, es reichen auch mal zehn Minuten – was zählt, ist Konstanz. Und es macht einfach Spaß, gibt mir Selbstvertrauen in mein eigenes Spiel.
Wie wichtig ist beim Dart der Kopf?
90 Prozent finden im Kopf statt: Ohne Kopf geht beim Darten gar nichts. Man muss fokussiert und konzentriert sein. Natürlich kommen auch nervöse Momente, aber man lernt, damit umzugehen. Erfahrung spielt hier eine wichtige Rolle. Dieses mentale Training hilft mir auch, wenn ich in der Schule Klausuren schreibe: Dann bin ich über einen langen Zeitraum total konzentriert.
Wie bekommst du Schule, Training, Wettkämpfe und Freunde unter einen Hut?

In der Schule komme ich glücklicherweise sehr gut klar. Da ich an vielen Turnieren teilnehme, geht viel Zeit für Reisen drauf. Ich glaube, das letzte Wochenende, wo ich nichts zu tun hatte, war Mitte März. Klar, ich kann nicht auf Partys gehen, aber dann ist das halt so. Das Dartspielen macht mir soviel Spaß und ich weiß, wofür ich es mache: Ich möchte Profi werden.
Ein großes Highlight steht im November an… Was ist das?
Ich bin einer von 24 Deutschen, die sich für die Super League qualifiziert haben, die vom 10. bis 13. November in Hildesheim stattfindet und live bei Sport1 übertragen wird. In diesem Jahr bin ich der jüngste Teilnehmer, in der Historie der Super League der drittjüngste. Der Gewinner fährt zu WM, die im berühmten Ally Pally in London stattfindet.
Dank an Mama Anetha
Luca weiß: Ohne die Unterstützung seiner Mama Anetha, die ihn und seine jüngere Schwester alleine erzieht, hätte er seinen Traum vom Profi-Dart nicht erfüllen können. Die junge Frau ist anfangs oft mit zu den Turnieren gereist, hat zwei Jobs, um die Kosten für das Hobby – Hotels, Flüge, Anmeldegebühren, Verpflegung – stemmen zu können. Lucas Wunsch: „Vielleicht gibt es ja jemanden, der mich finanziell etwas unterstützen möchte.“
Kontakt: Anetha_hieb@web.de

