Vortrag erinnert an demokratischen Neubeginn in Attendorn vor 80 Jahren
Erste freie Kommunalwahl nach dem Zweiten Weltkrieg
- Attendorn, 23.09.2026
- Verschiedenes
Attendorn. 80 Jahre nach der ersten freien Kommunalwahl 1946 haben die langjährigen Kommunalpolitiker und Heimatforscher Birgit Haberhauer-Kuschel und Jürgen Meise auf den demokratischen Neubeginn in Attendorn nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges zurückgeblickt. Eingeladen zu diesem Vortragsabend hatten in den Ratssaal des Rathauses der Verein für Orts- und Heimatkunde und der Arbeitskreis „Demokratennest“.

Nach den Luftangriffen am 28. März 1945 mit vielen Opfern, darunter auch Zwangsarbeitern, und einer weitgehend zerstörten Innenstadt war das städtische Leben wie gelähmt. Viele Häuser lagen in Trümmern. Verschärft wurde die Wohnungsnot durch Flüchtlinge. Attendorns Bevölkerung wuchs um rund 30 Prozent. Die Stimmung innerhalb der Bevölkerung wurde immer schlechter.

Aber es gab in Attendorn in diesen schwierigen Zeiten eine Handvoll Männer – Frauen spielten damals kommunalpolitisch kaum eine Rolle -, die an einem demokratischen Neuanfang arbeiteten. Unter der britischen Militärverwaltung entstanden erste Vorläufer der späteren Stadtverordnetenversammlungen, mit beratenden Aufgaben.





Am 15. September 1946 durfte in Attendorn zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg auf kommunaler Ebene frei gewählt werden. Das Wahlverfahren war eine „komplizierte Angelegenheit“ (Birgit Haberhauer-Kuschel) und mit dem heutigen nicht vergleichbar. Jeder Wähler hatte zum Beispiel in seinem Wahlbezirk sechs Stimmen, maximal einen pro Kandidaten. Eine Reserveliste wie heute gab es nicht.
Klarer Wahlsieger wurde die neu gegründete CDU, die mit 53,8 Prozent der abgegebenen Stimmen 13 Vertreter in den Stadtrat entsandte. Auf die 1896 in Attendorn gegründete SPD entfielen 33,7 Prozent und vier Stadtvertreter.
Die KDP schickte zwei Frauen ins Rennen, ging wie die Deutsche Zentrumspartei aber leer aus. „Mit diesem Ergebnis hatte die CDU nicht gerechnet“, zitierte Birgit Haberhauer-Kuschel den ersten nach dem Zweiten Weltkrieg frei gewählten Attendorner Bürgermeister Robert Schmidt (CDU). Die bestimmenden Themen der Nachkriegsjahre hießen weiter: Wohnung, Ernährung, Kleidung und Entnazifizierung.

Weiterer Vortrag im Oktober
Der Vortrag bildete den Auftakt einer zweiteiligen Veranstaltungsreihe zum demokratischen Neubeginn in Attendorn. Im zweiten Teil am Freitag, 9. Oktober, berichtet Stadtarchivar Tammo Fuchs ab 18 Uhr im Ratssaal über die Arbeit der ersten frei gewählten Stadtverordnetenversammlung, die Wahl des ersten demokratisch legitimierten Bürgermeisters sowie die wichtigsten Entscheidungen des Rates zwischen 1946 und 1949. Der Eintritt ist frei.
