Verzicht und Dankbarkeit: Ramadan im Alltag junger Menschen
Ein „Monat des Wohlbefindens“
- Attendorn, 23.03.2025
- Glaube & Religion
- Von Jana Becker
Attendorn. Auf etwas zu verzichten, was alltäglich ist, erfordert viel Disziplin. Der Verzicht steht auch im Fokus des Fastenmonats Ramadan. Für Ayse Er, Yigit Yilmaz und Necati Can aus Attendorn ist das eine besondere Zeit. LokalPlus hat mit drei jungen Muslimen über ihre Erfahrungen gesprochen.

Einen Monat fasten Muslime weltweit während Ramadan von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Wie empfinden junge Muslime diese Zeit?
„Die ersten zwei Tage sind anstrengend“, berichtet Necati. Er ist 17 Jahre alt und macht eine Ausbildung zum Zerspannungsmechaniker. Der 16-jährige Yigit stimmt ihm zu: „Die Snacks zwischendurch fehlen mir besonders. Aber ich versuche, es einfach zu vergessen. Wenn man gar nicht daran denkt, dann geht das gut,“ erklärt Yigit seine Methode. Man müsse sich Prioritäten setzen, deshalb verzichtet er im Fastenmonat auf Sport, fügt er hinzu.




Auch Ayse hat sich an das Fasten gewöhnt. Sie passt ihren Tagesablauf an den Fastenmonat an: „Anstrengende Sachen mache ich morgens, da man später keine Kraft mehr dafür hat.“ Und Sport mache sie einfach nach dem Fastenbrechen. Die 20-Jährige studiert in Siegen und macht aktuell ein Praktikum an einer Grundschule.
Alle drei erleben im Arbeitsalltag große Rücksichtnahme der Arbeits- und Studienkollegen. „Meine Kollegen fragen mich immer, ob es in Ordnung ist, bevor sie essen oder trinken“, so Necati. Auch Yigit und Ayse erfahren Respekt auf der Arbeit und an der Universität.

Ramadan hat für die drei Jugendlichen eine große Bedeutung. „Meine Freunde und ich wollten früher auch immer fasten“, erinnert sich Ayse. Kinder werden aber erst langsam an das Fasten herangeführt. Pflicht ist das Fasten erst ab der Pubertät und nur, wenn keine gesundheitlichen Risiken bestehen, erklären die drei.
Das erste Fasten haben Ayse, Yigit und Necati freudig erwartet. „Man hat das bei den Erwachsenen immer mitbekommen und wollte das dann auch machen“, so die Jugendlichen. Deshalb erinnern sie sich auch noch an ihren ersten Fastenmonat, damals waren sie ungefähr 13 Jahre alt. „Es war schwer, aber schön“, fasst Ayse zusammen.
Necati weiß, dass er damals sehr stolz auf sich war, als er das erste Mal fastete. „Und ich hatte großen Respekt vor meinen Eltern. Die gingen nebenbei auch noch arbeiten.“
Es sind diese Erinnerungen und Gefühle, die den Fastenmonat für die jungen Menschen besonders machen. Und die Vorfreude auf das tägliche Fastenbrechen. Denn abends versammeln sich Freunde und Familie, um gemeinsam zu essen und zu beten. „Das ist immer schön. Niemand hat Stress oder muss alleine kochen und essen. Wir haben einfach eine schöne Zeit,“ beschreibt Ayse.
Yigit erlebt während Ramadan immer ein besonderes Gemeinschaftsgefühl: „Obwohl alle hungrig sind, ist keiner aggressiv. Alle sind nett und verständnisvoll.“
„Obwohl alle hungrig sind, ist keiner aggressiv. Alle sind nett und verständnisvoll.”
Es geht in der Zeit nicht darum zu hungern. Es sollen allgemein schlechte Angewohnheiten abgelegt werden. Der Verzicht auf Essen und Getränke schärfe das Bewusstsein und die Dankbarkeit für die Dinge, die alltäglich und selbstverständlich erscheinen, erklären Ayse, Yigit und Necati.

„Wir konzentrieren uns auf uns selbst, auf unseren Glauben und die Gebete“, sagt die 20-jährige Studentin. „Es ist ein Monat des Wohlbefindens.“
Der krönende Abschluss des Fastenmonats ist das Ramadanfest, auf das sich die drei auch schon freuen. „Man weiß, was man geschafft hat,“ so Ayse. Gemeinsam werden Verwandte, Freunde und Bekannte besucht, gefeiert und gegessen. Zurückzufinden zur Normalität ist dann manchmal nicht so einfach: „Nach Ramadan ist es schon komisch, wieder normal zu essen und zu trinken“, berichtet Ayse.
„Man sollte versuchen, auch nach dem Fastenmonat an den guten Gewohnheiten festzuhalten,“ so Yigit. Das haben sich alle drei vorgenommen.
