Veilchendienstagszug in Attendorn: „Planung beginnt, wenn Karneval endet“
Organisation läuft auf Hochtouren
- Attendorn, 02.02.2026
- Karneval
- Von Jana Becker

Attendorn. In wenigen Tagen strömen wieder tausende Narren nach Attendorn, um die bunten Wagen des Veilchendienstagszugs zu bestaunen, Kamelle zu fangen und Karneval zu feiern. Damit an einem solchen Tag nichts schief geht, bedarf es monatelanger intensiver Planung. Was dabei alles bedacht werden muss, verrät einer der Vizepräsidenten der Karnevalsgesellschaft (KG) Attendorn, Benedikt Raspovic, im Gespräch mit LokalPlus.

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ – das gilt für die meisten Narren, nicht aber für die Organisatoren der Karnevalsumzüge. In Attendorn sind das die Karnevalsgesellschaft „Die Kattfiller“ und viele Behörden und Ehrenamtler.
„Die Planung beginnt, sobald Karneval endet“, weiß Vizepräsident Benedikt Raspovic. Immerhin müssen 2.000 Zugteilnehmer durch die Stadt gelotst werden und 20.000 erwartete Zuschauer sicher Karneval feiern können.
Und so findet schon kurz nach den Umzügen ein Treffen mit den Organisatoren, den zuständigen Behörden und den Wagenbauern statt – eine Manöverkritik, wie Benedikt Raspovic es nennt. Das ist laut dem Vizepräsident der „inoffizielle Start“ der Planungen. „Tatsächlich gibt es keine Pause“, gesteht er.
Wenn es in die konkrete Planung geht, verändere sich auch die Wahrnehmung: „Man läuft mit offenen Augen durch die Stadt“, berichtet er. Baustellen und Veränderungen im Stadtbild haben Auswirkungen auf die Route, die der Karnevalszug nimmt. Die besteht seit Jahren und wird regelmäßig angepasst. Dafür trifft sich das zuständige Gremium der Kattfiller mit dem Ordnungsamt, das beim Straßenkarneval immer mit im Boot ist.
Generell arbeite man mit vielen Behörden Hand in Hand, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. Dazu gehöre auch, Anwohner zu informieren, Parkplätze zu sperren und neue zur Verfügung zu stellen, Schilder aufzustellen und natürlich auch, die Öffentlichkeit über Straßensperrungen in Kenntnis zu setzen. Dabei unterstützen das Ordnungsamt und der Bauhof die KG.
Auch die teilnehmenden Wagen und Fußgruppen müssen instruiert werden. Dafür finden drei „Wagenbauer-Versammlungen“ statt, die erste etwa vier Monate vor Beginn der Umzüge. Dort informieren die Kattfiller die Teilnehmer über Termine und Regeln.
Alle Wagen brauchen eine Betriebserlaubnis, die Motivwagen mit großen Bauten seit vergangenem Jahr zusätzlich ein Brauchtumsgutachten. „Wir sind da aber mittlerweile super eingespielt“, so Benedikt Raspovic. „Da wir schon immer hohe Sicherheitsstandards eingehalten haben, war das keine große Umstellung.“
Es wird auch darauf geachtet, dass kein Motto Persönlichkeitsrechte verletzt. „Es ist die DNA des Karnevals, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Kritik und Witz muss der Karneval abkönnen. Aber Diskriminierung wird nicht geduldet.“
„Kritik und Witz muss der Karneval abkönnen. Aber Diskriminierung wird nicht geduldet.”
Veilchendienstag ist für Benedikt Raspovic trotz des Arbeitsaufwandes ein Highlight im Karnevalskalender: „Das ist ein bunter Kamellestrauß an Gefühlen. Man hat so viel Zeit investiert, wenig geschlafen und war immer auf Achse.“
Immer auf Achse sind die Organisatoren auch während des Zuges und im ständigen Kontakt mit dem Koordinierungsgremium (KOG). „Das ist quasi der ‚runde Tisch‘“, erklärt Benedikt Raspovic. Ansprechpartner aller Behörden sind Teil des KOGs – die Stadtverwaltung, der Kreis Olpe (Jugendamt und Katastrophenschutz), das Deutsche Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk, die Feuerwehr und die Polizei.
Das Gremium sitzt zusammen und fällt im Ernstfall lebensrettende Entscheidungen. „Wir sind wirklich gut gewappnet und so fühlt man sich dann auch sehr wohl“, beurteilt Benedikt Raspovic. „Das ist ein buntes Miteinander, alle arbeiten eng zusammen“, erklärt er. Zu 'allen' gehören aber nicht nur die offiziellen Behörden, sondern auch zahlreiche ehrenamtliche Helfer.
„Wenn der letzte Wagen das Ziel am Rathausplatz erreicht, dann fällt so viel Anspannung von einem ab“, so Benedikt Raspovic. „Das ist immer ein Highlight!“ Wie es dann weitergeht? Ein bisschen Nachbereitung, eine kurze Absprache mit der Polizei – dann startet die Prämierung auf dem Markplatz.
Danach können auch die Organisatoren feiern und das erste Bier trinken. „Da herrscht dann eine schöne Feierabend-Atmosphäre“, beschreibt der Karnevalist. Und dann richtet sich der Blick auch schon wieder auf die nächste Session.