Streich vor 40 Jahren: Als Dünschede über Nacht ein neues Ortsschild bekam

Wie aus Feinden Freunde wurden


  • Attendorn, 28.02.2026
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  • Von Jana Becker
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Es ist eine Nacht- und Nebelaktion, mit der eine jahrelange Fehde zweier Nachbarorte ihren Höhepunkt erreicht: Eine Gruppe Jugendlicher aus Helden ersetzt in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1986 das fehlende Ortsschild in Dünschede. von Meinolf Besting
Es ist eine Nacht- und Nebelaktion, mit der eine jahrelange Fehde zweier Nachbarorte ihren Höhepunkt erreicht: Eine Gruppe Jugendlicher aus Helden ersetzt in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1986 das fehlende Ortsschild in Dünschede. © Meinolf Besting

Attendorn. Es ist eine Nacht- und Nebelaktion, mit der eine jahrelange Fehde zweier Nachbarorte ihren Höhepunkt erreicht: Eine Gruppe Jugendlicher aus Helden ersetzt in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1986 das fehlende Ortsschild in Dünschede.


Als die Dünscheder am 28. Februar erwachen, ahnen sie zunächst nichts. Doch die Nachricht verbreitet sich schnell in dem Ort, und spätestens, als in einer Lokalzeitung die Schlagzeile „Gelungener Scherz: Dünschede wurde zu „Mulitown, Landkreis Nichtslos““ zu lesen ist, weiß jeder Bescheid.

Wer das Schild damals angebracht hat, war lange nicht bekannt. Doch nun spricht die Freundesgruppe um Thomas Besting, Johannes Heuel und Stephan Droste (ehemaliger Heldener) erstmals offen über den Streich, den sie damals ihren „Feinden“ spielten. Denn, so sagt der mittlerweile 58-jährige Thomas Besting, aus der Fehde sei eine wunderbare Freundschaft entstanden. Es sei eine Geschichte, die es wert sei, erzählt zu werden.

So wurde damals in einer lokalen Zeitung über den Streich berichtet. von privat
So wurde damals in einer lokalen Zeitung über den Streich berichtet. © privat

Die Feindseligkeit zwischen den beiden Nachbarorten gehört heute der Vergangenheit an. Woher sie rührte, weiß niemand so genau. „Überliefert ist, dass es immer Streit und handgreifliche Auseinandersetzungen gab, wenn Bewohner unserer beiden Orte früher aufeinandertrafen“, erzählt Johannes Heuel aus Helden.

Auch Stephan Droste kann nicht sagen kann, wodurch die Fehde entstanden ist. Was er sehr gut weiß, ist, wie – oder besser, wo – sie häufig ausgetragen wurde. „Die Fußballspiele zum Beispiel haben immer für mächtig Puls gesorgt. Es gab unglaublich viele gelbe und rote Karten“, erinnert er sich.

Eine besondere Idee

Aber nicht nur auf dem Fußballfeld kam es zu Auseinandersetzungen. Die verfeindeten Ortsbewohner bezeichneten sich gegenseitig als „Muli“ und versuchten, die jeweiligen Osterfeuer vorzeitig anzuzünden. Es kam sogar – Gerüchten zufolge – einst zu einer Schlägerei, als beide Fronleichnamsprozessionen aufeinandertrafen.

„Das man sich nicht leiden konnte, gehörte zur lokalen Identität“, berichten die Freunde. Es gab Spottlieder, Reime und Sprüche und man nutzte jede Gelegenheit, um dem anderen eins auszuwischen. So hat auch die Freundesgruppe ständig überlegt, was sie als nächstes anstellen kann.

Irgendwann kam den jungen Männern eine besondere Idee. „Bei einer unserer 'City-Control-Runden', die uns ausnahmsweise durch Dünschede führte, stellten wir fest, dass das Dünscheder Ortsschild Richtung Ziegenberg fehlte“, erzählt Johannes Heuel. „Da kam uns die Idee, das Ortsschild zu ersetzen, aber mit einem Namen, den wir uns aussuchten“, schmunzelt er.

Aus Dünschede wird Mulitown

Gesagt – getan. Erst wurden die Maße genommen, dann das Blech besorgt. Der Maler in der Gruppe, Thomas Besting, half bei der Farbwahl und Gestaltung. Dann wurde das Schild kurzerhand in einer Nacht- und Nebelaktion angebracht.

„Lange hing das Schild nicht. Die Dünscheder waren natürlich sehr sauer“, weiß Stephan Droste. „Einige wollten sogar Anzeige erstatten“, erinnert sich auch Johannes Heuel. Aber wie konnte aus dieser Feindschaft eine Freundschaft entstehen?

Eine gemischte Kindergartengruppe in Röllecken und die gemeinsame Grundschule in Helden führten dazu, dass sich die Beziehung zwischen den Orten langsam verbesserte. Auch auf dem Fußballfeld gab es eine Annäherung durch die Gründung einer Spielgemeinschaft. „Das gab einen Aufschrei! Alle haben gesagt: ‚Niemals!' Rückblickend betrachtete war das unser bestes Jahr“, so Stephan Droste.

„Wir sind zusammengewachsen“

Das sei dann so fortgelaufen, man habe sich angefreundet, untereinander geheiratet und weiter Fußball gespielt. Heute gibt es einen gemeinsamen Männergesangsverein, die Feuerwehren wurden zusammengelegt. „Wir sind zusammengewachsen“, fasst Stephan Droste zusammen.

Erst kürzlich habe er Thomas Besting auf den Streich angesprochen und gefragt: ‚Sag mal, was würdest du heute auf das Schild schreiben?' „Seine Antwort fand ich sehr schön und bezeichnend“, so Stephan Droste. Die lautete: „Heute würde dort stehen ‚Freunde vom unteren Repetal, Landkreis Immer was los'.“

„Heute würde dort stehen ‚Freunde vom unteren Repetal, Landkreis Immer was los'”
— Thomas Besting

Stephan Droste wohnt heute in Paderborn. Zu seinem Heimatort hat er immer noch einen guten Draht und er erinnert sich gerne an die gemeinsamen Erlebnisse. „Die Entwicklung ist einfach klasse!“

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