Rheuma ist keine „Alte-Leute-Krankheit“, sondern kann jeden treffen

Interview mit Beraterinnen


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Dr. Manfred Kemmerling, Claudia Grebe, Silke Althoff, Dr. Daniela Mettal-Minski und Christina Droneberg-Hainer vom Vorstand der Rheuma-Liga NRW. von Helios Klinik Attendorn
Dr. Manfred Kemmerling, Claudia Grebe, Silke Althoff, Dr. Daniela Mettal-Minski und Christina Droneberg-Hainer vom Vorstand der Rheuma-Liga NRW. © Helios Klinik Attendorn

Attendorn. Silke Althoff und Claudia Grebe sind in Attendorn die Gesichter der Rheuma-Liga. Im Gespräch berichten sie über eine Verschiebung der Beratungsschwerpunkte und den Mangel an Anlaufstellen für Rheuma-Patienten.


Um welche Dinge geht es bei der persönlichen Beratung in Ihrer Rheuma-Sprechstunde?

Silke Althoff: Rheuma beinhaltet 400 verschiedene Erkrankungen. Da auf dem neuesten Stand zu bleiben und die neuesten Medikamente zu finden, das ist ein Full-Time-Job. Das bedeutet auch, dass wir stets den Beratungsbedarf an die Bedürfnisse der Patienten anpassen müssen. Stillstand gibt es beim Thema Rheuma nicht. Und wir machen das alles ehrenamtlich im Rahmen unserer gesundheitlichen Möglichkeiten.

Claudia Grebe: Die Patienten brauchen alle ein offenes Ohr, das ihnen zuhört und wir haben bei uns im Büro schon so manche Träne fließen sehen. Meiner Kollegin und mir glaubt man, wenn wir versuchen, wieder Hoffnung und Zuversicht zu verbreiten, weil wir ja selber betroffen sind. Da ist auch die Hemmschwelle nicht so groß.

Was hat sich inhaltlich in den letzten zehn Jahren in Sachen Rheumaberatung verändert?

Silke Althoff: Früher ging es inhaltlich nur um Funktionstraining. Die Leute kamen mit einer Verordnung zu uns, und wir sagten ihnen, wo und wann sie ihre Übungen machen können.

„Die Beratung wird immer wichtiger, weil die Ärzte immer weniger Zeit für die immer weiter steigende Anzahl an Patienten haben.”
— Claudia Grebe

Claudia Grebe: Das hat sich aber stark gewandelt. Viele Patienten werden in der Helios Klinik ganz neu vor die Diagnose gestellt und fragen sich: Was kommt da jetzt auf mich zu? Welche Medikamente brauche ich und wie wirken sie? Wir haben uns immer weiter fortgebildet und sind dann mehr in die Beratung gegangen, was den Patienten sehr entgegenkam. Und die Beratung wird immer wichtiger, weil die Ärzte immer weniger Zeit für die immer weiter steigende Anzahl an Patienten haben.

Welche Angebote gibt es über die persönliche Beratung hinaus noch?

Silke Althoff: Seit 2023 bieten wir regelmäßig einmal im Monat ein Rheuma-Café im DRK-Mehrgenerationenhaus in Olpe an. Hier treffen sich Betroffene zum Austausch und es gibt einen kurzen Fachvortrag. Einmal jährlich gibt es in der Attendorner Helios Klinik einen großen Fachvortrag zu diversen Themen.

Symbolbild Rheuma (KI-generiert) von Google Gemini - mit KI erstellt
Symbolbild Rheuma (KI-generiert) © Google Gemini - mit KI erstellt

Welches Problem können Sie nicht ändern?

Claudia Grebe: In Deutschland gibt es rund sieben Millionen Rheuma-Kranke und leider viel zu wenige Rheumatologen. Es ist fast leichter eine Audienz beim Papst zu bekommen als einen guten Rheumatologen, der die Erstdiagnose stellt, der einen begleitet und medikamentös einstellt. Dieser Umstand ist für uns und die Menschen, die zu uns kommen, eine große Herausforderung. Denn die beste Beratung ersetzt keine gute fachärztliche Behandlung..

Was würden Sie sich allgemein für die Zukunft wünschen?

Althoff und Grebe: Dass das Fachgebiet „Rheumatologie“ für Medizinstudenten attraktiver gemacht und von dem allgemeinen Fachgebiet „Innere Medizin“ getrennt wird. Rheumatologie ist ein ganz spezieller Bereich und Rheuma-Patienten sollte eine schnelle und unkomplizierte Behandlung zustehen. Auch wünschen wir uns mehr Therapeuten, die uns auch im Kreis Olpe auf Honorarbasis bei der Durchführung des Funktionstrainings unterstützen. Und um mit einem sich hartnäckig haltenden Vorurteil aufzuräumen: Rheuma ist keine „Alte-Leute-Krankheit“ – Rheuma kann jeden betreffen, selbst kleine Kinder!

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