Motorradlärm in Attendorn sorgt für reichlich Diskussionsstoff
Wenig Aussicht auf weniger Krach
- Attendorn, 28.10.2021
- Politik
- Von Adam Fox
Attendorn/Repetal. Für reichlich Diskussionsstoff sorgte ein Bürgerantrag zur Reduzierung von Motorradlärm am Mittwoch, 27. Oktober, im Haupt- und Finanzausschuss. Zwar waren sich alle Ausschussmitglieder einig, dass der Motorradlärm auf der Landstraße zwischen Attendorn und Helden ein erheblicher Störfaktor für die betroffenen Anwohner ist. Doch die Aussichten auf Besserung sind aufgrund verschiedener Umstände eher gering.



Betroffen von der dröhnenden Geräuschkulisse sind insbesondere der Ortseingang Helden, der Bereich Mooskamp in Attendorn sowie die Kreuzung Repetalstraße (alte Straße nach Repe). Neben dem Lärm führt auch die überhöhte Geschwindigkeit der Motorfahrer dazu, dass insbesondere für Kinder ein Gefahrenhotspot besteht.
Bürgermeister Christian Pospischil sagte, dass die Einwohner im Recht seien und dass der Lärm definitiv unerträglich sei. Anders als zum Beispiel in der Schweiz, wo es eine Halterhaftung gebe, sei in Deutschland Halter nicht gleich Fahrer. Deshalb sei auch die Aufstellung von Blitzern nur bedingt hilfreich.

Was den Lärm betreffe, so Pospischil, könne man bei den Motorradfahrern nur um Verständnis werben. Eine Straßenschließung, wie sie an der Nordhelle für den Motorradverkehr temporär der Fall war, wurde vom Verwaltungsgericht gekippt. Zudem ergänzte Pospischil am Beispiel Lenscheid: „Es wurde, auch mit Verbot, gefahren. Allein Schilder aufstellen hilft nicht weiter.“
Auch der Dialog mit den Motorradfahrern sei elementar, so der Bürgermeister. Dazu hatte die Verwaltung einige Vorschläge. So soll esl in der kommenden Motorradsaison einen Aktionstag geben. Ein konkretes Datum steht aber noch nicht fest. Ergänzend soll an Orten, wo die Biker ihre Pause einlegen (z.B. „Udos Bike-Stop“ oder „Bigge-Grill“), für die Problematik sensibilisiert werden. Dezibel-Displays sind ebenfalls geplant. Eine Aufstellung der Displays über den Aktionstag hinaus sei äußerst kostspielig und müsse von der Verwaltung geprüft werden.

Dass gehandelt werden muss, darüber war sich auch Uli Bock (SPD) im Klaren. Jedoch warnte er davor, alle Motorradfahrer über einen Kamm zu scheren: „Es gibt nicht ,die´ Motorradfahrer. Wir reden hier von ein paar rücksichtslosen Idioten im kleinen Prozentbereich.“ Obwohl Bock, wie auch alle anderen Ausschussmitglieder, den Vorschlägen der Verwaltung zustimmte, so gab es nach seiner Auffassung zu viele „wenn“ und „aber“ in der Beschlussvorlage.
Wendelin Heinemann (Grüne) betonte, Lärmschutz müsse klar und wirksam sein. Dies könne man nur mit Blitzern und Verbauungen erreichen. Thorsten Wurm (CDU) wollte wissen, ab welcher Dezibel-Höhe man von einer Geräuschstörung ausgehe. Laut Verwaltung liegt der Grenzwert bei 85 Dezibel.

Über diesen Wert konnte Winfried Richard (UWG) nur herzhaft lachen. Der Polizist, der öfters von Berufs wegen mit den Motorradfahrern zu tun hat, gab an, dass die Motorräder auf „dB-Killer“ (Bestandteil des Schalldämpfers beim Motorrädern) kontrolliert werden: „Wenn ein Hersteller 92 Dezibel ab Werk genehmigt bekommen hat, dann sind uns da die Hände gebunden.“
Zudem dürfe man die guten Kommunikationswege der Zweiradfahrer nicht unterschätzen: über Messenger seien die Biker schneller über mögliche Polizeikontrollen informiert als die Polizei ihren Kontrollstandort wechseln könne.
